Staunen bei den Dritt- und Viertklässlern der Grundschule Aurachtal: Plötzlich war ihre komplette Klasse verschwunden. Dahinter versteckte sich aber keine Zauberei, sondern eine alltägliche Verkehrssituation, wie Fahrlehrer David Peupelmann und Dagmar Mayer vom ADAC Nordbayern in Münchaurach auf dem Parkplatz am Sportgelände demonstrierten.
Immer wieder ist zu lesen, dass es durch rechts abbiegende Lkw oder Busse zu tragischen Unfällen kommt, da Radfahrer und Fußgänger im sogenannten toten Winkel übersehen werden. "Das Aufeinandertreffen von Lkw oder Bus und einem Fußgänger oder Radfahrer gehört zu den gefährlichsten Situationen im Straßenverkehr. Betroffen sind auch oft auch die schwächsten Verkehrsteilnehmer, Kinder auf dem Schulweg und im Freizeitbereich. Deswegen kommen wir zu den Schulen", erklärte Dagmar Mayer.
Besonders hoch sei das Unfallrisiko, wenn ein Lastwagen oder ein Bus an einer Ampel steht und nach rechts abbiegen will. Ein Radfahrer zwischen Lkw und Gehsteig kann vom Fahrer nicht gesehen werden. Auch ein Kind, das mit seinem Rad auf dem Gehweg fährt, gerate leicht in den toten Winkel.


Praxisorientiertes Programm

Hier setzt der ADAC Nordbayern mit seinem Verkehrssicherheitsprogramm "Toter Winkel - Todeswinkel" an. Mit einem praxisorientierten Programm sollen die Kinder lernen, diese Gefahr des Straßenverkehrs zu erkennen und wie durch richtiges Verhalten Unfälle vermieden werden können.
Nicht allen Kraftfahrern ist die Problematik des toten Winkels vertraut, und Kindern fehlt meist vollkommen das Bewusstsein dafür. Für sie ist es laut Dagmar Mayer aber wichtig zu verstehen, dass der Bus-, Lkw-, oder Sattelzugfahrer trotz seiner Spiegel nicht jeden Bereich um sein Fahrzeug herum einsehen kann.
Christian Knobl vom Busunternehmen Vogel aus Höchstadt kam mit einem Bus nach Münchaurach, trainierte mit den Klassen 1 und 2 das richtige Einsteigen und die dritten und vierten Klassen wurden mit dem toten Winkel bekannt gemacht. Dazu durften alle Kinder auf dem Fahrersitz Platz nehmen, und David Peupelmann ließ die Kinder auf einer vorgegebenen Fläche Aufstellung nehmen sowie Kinder sich vor und hinter den Bus stellen.
"Siehst Du jemanden stehen?", fragte Fahrlehrer Peupelmann die Kinder hinter dem Lenkrad, aber so sehr sich die Kinder auch beugten und strecken, in den Spiegeln war niemand zu sehen. Der tote Winkel wurde mittels einer ausgelegten Folie eindrucksvoll demonstriert.
Schülerin Sofia sitzt am Steuer des Busses und wirft einen ungläubigen Blick in die Seitenspiegel. Warum sieht sie ihre Klassenkameraden nicht? Sie stehen rechts neben dem Fahrzeug, rufen und winken, tauchen aber nicht im Spiegel auf. Sofia versteht nun, was der Verkehrsexperte den Kindern erklärt hat.
Der Merkspruch "Wenn ich den Fahrer nicht im Spiegel des Lkw oder Busses sehen kann, kann der Fahrer auch mich nicht sehen" steht im Mittelpunkt der Aktion. Ganz wichtig ist daher für Kinder: "Blickkontakt schafft Partnerschaft!" Den Kindern wurde mit auf den Weg gegeben: Lieber bei Unsicherheit auf die Vorfahrt zu verzichten und stehen zu bleiben, um einen schlimmen Unfall zu vermeiden.