Wenn in diesen Tagen Deutschland, Europa, ja die ganze Welt Abschied von Altbundeskanzler Helmut Kohl nimmt, ist Helmut Schleicher in Gedanken dabei. Schleicher, gebürtiger Limbacher aus der Gemeinde Pommersfelden, hat seine ganz besonderen Erinnerungen an den Kanzler der deutschen Einheit.

Der Limbacher, der seit 2011 in Bamberg lebt, weilte im April 1994 in Bad Hofgastein zu einem Kuraufenthalt. In dieser Zeit habe auch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl, wie schon viele Jahre zuvor, seinen Osterurlaub in dem Kurbad verbracht, erzählt Schleicher. Hausgäste hätten ihm berichtet, dass Kohl regelmäßig den Sonntagsgottesdienst besuche. Nach dem Kirchenbesuch habe sich der Bundeskanzler gern "unters Volk gemischt". Es sei aber auch bekannt gewesen, dass der Bundeskanzler am Nachmittag gerne ein Caféhaus besuchte.

"Da ich den Kanzler hoch schätzte, wollte ich die Gelegenheit nutzen, ihn persönlich kennenzulernen", sagt Schleicher. Nach einer anstrengenden Wanderung sei man in das besagte Café gegangen. "Es dauerte nicht lange, da erschienen drei Bodyguards und mit ihnen Helmut Kohl." Sie hätten an einem reservierten Tisch Platz genommen. Helmut Schleicher und eine Frau aus der Wandergruppe hatten sich eine Ansichtskarte von Bad Hofgastein gekauft. Darauf wollten sie sich ein Autogramm vom Bundeskanzler geben lassen.


Aus welchem Teil Frankens?

"Als Kohl und seine Begleiter gegessen hatten, stand ich auf und ging an den Tisch, machte eine höfliche Verbeugung und bat ihn um ein Autogramm." Der Bundeskanzler habe gelächelt, ihm die Hand gereicht und gefragt, aus welchem Teil Frankens er denn komme, erzählt Schleicher weiter. "Anscheinend habe ich nicht im besten Hochdeutsch gesprochen." Er sei sehr erstaunt gewesen über die guten Kenntnisse des Kanzlers in Bezug auf den Dialekt, sagt der Limbacher. "Ich komme aus Pommersfelden, aber Sie werden wohl nicht wissen, wo das liegt", war die Antwort des waschechten Franken.

Der Bundeskanzler habe geschmunzelt und gesagt, er kenne Pommersfelden mit seinem schönen Schloß Weißenstein sehr wohl. In seiner Jugendzeit sei er des Öfteren bei einem Onkel zu Besuch gewesen, der Leiter der Justizvollzugsanstalt in Ebrach war. "Von dort sind wir dann mit dem Fahrrad durch den Steigerwald nach Pommersfelden gefahren."

Schließlich bot der Kanzler selbst an, ein gemeinsames Foto zu machen, was Helmut Schleicher natürlich mit Freuden annahm.