Die Beantwortung von Fragen ist nicht einfach, wenn derjenige, der die Antworten verlangt hat, nicht anwesend ist. Irritiert reagierten daher die Kreisräte in der Sitzung des Sozialausschusses darüber, dass Konrad Eitel (SPD) nicht in den Reihen zu sehen war. War er doch derjenige, der mit einem Antrag zur Flüchtlingsbetreuung für Gesprächsstoff gesorgt hatte.

Auf Anfrage teilt Eitel mit, seine Abwesenheit sei ein "dummer Irrtum" gewesen. Der Herzogenauracher war in die Außenstelle des Landratsamts in Höchstadt gefahren, wo er erstaunt feststellen musste, dass die Sitzung im Landratsamt in Erlangen stattfindet. Telefonisch habe er sich gleich dort gemeldet und sich entschuldigt. Nach Erlangen hätte er es auf die Schnelle nicht mehr geschafft, sagt Eitel. Er gehe aber davon aus, dass auch ohne ihn eine Diskussion möglich ist.

Eitel hatte einen Fragenkatalog an das Landratsamt gerichtet, in dem er Informationen zur Unterbringung von Flüchtlingen im Landkreis forderte. Hintergrund ist, dass der Herzogenauracher Kreisrat, der sich selbst in der Asylbetreuung engagiert, Kritik an der Situation in den Unterkünften geübt hatte. Aus seiner Sicht sei die Lage, vor allem in der Berufsschule, katastrophal: zu wenig Sozialarbeiter, schlechtes Raumangebot, spärliche Ausstattung, dürftiges Essen, wirre Verlegungen der Asylbewerber, so kann man Eitels Kritik zusammenfassen.


Landrat stellt sich vor Mitarbeiter

Landrat Alexander Tritthart (CSU) weist dies deutlich zurück. "Wir fahren seit Monaten in einer Notsituation, die langsam droht, zur Regel zu werden", sagt Tritthart und stellt sich damit vor seine Mitarbeiter in der Verwaltung. Diese würden angesichts der Belastung einen hervorragenden Job machen, so der Landrat. Eitel liege mit seiner Kritik an der Verwaltung ("sie wollen nicht oder sie können nicht") daneben. "Dass es niemandem Spaß macht, Menschen in einer Turnhalle oder in einer Berufsschule unterzubringen, ist doch klar", sagt Tritthart.

Eitels Antrag umfasst fünf Fragen an die Verwaltung, die in einer Vorlage an die Kreisräte beantwortet wurden (siehe Infobox). "Die Zeit für die Beantwortung hätte man sicher an anderer Stelle sinnvoller einsetzen können", sagt Ludwig Wahl (FW). Ihn überrasche Eitels Antrag sehr. Er müsse eine Lanze für die gute Arbeit des Landratsamtes brechen. "Auch als Bürgermeister weiß man, wie aufwändig die ganze Sache für die Verwaltung ist."
Ähnlich äußert sich auch der Herzogenauracher CSU-Kreisrat Bernhard Schwab. "Was momentan geleistet wird, geht weit über die eigentlichen Kapazitäten hinaus." Es sei "nicht schön, was Eitel da treibt", sagt Schwab. Noch nicht einmal eine Woche nach Eröffnung der Unterkunft in der Berufsschule habe er kritisiert, was nicht läuft.


Nussel: "Kein Hotel führen"

Landtagsabgeordneter und Kreisrat Walter Nussel (CSU) - nur zu Gast, da eigentlich kein Mitglied des Sozialausschusses - betont, er müsse Eitel "massiv widersprechen". Kein anderer Landkreis in Bayern habe sich bei der Finanzierung so ins Zeug gelegt wie Erlangen-Höchstadt. Er habe mit Kreistagskollege Eitel lange gesprochen. "Wir können hier kein Hotel führen. Es muss auch Dinge geben, wo Abstriche gemacht werden müssen", sagt Nussel.

Mangel an SozialarbeiternEitel, der die ganze Diskussion ausgelöst hat, bekräftigt auf Anfrage seine Kritik mit deutlichen Woten: "Die Menschen sind jetzt da. Die Situation ist jetzt beschissen." Er habe es satt, ständig nur auf angekündigte neue Stellen bei der Sozialarbeit zu warten. Wenn nun Verwaltungsstellen angekündigt werden, sei das schön und gut, so Eitel. "Aber es braucht Sozialarbeiter vor Ort." Dass der Landkreis auf die beauftragten Wohlfahrtsverbände verweist, helfe auch nicht weiter.

Der ASB habe nur genau eine Stelle in der Sozialarbeit in Herzogenaurach. Der Mitarbeiter sei länger wegen Krankheit ausgefallen. Eitel habe zudem erfahren, dass die Stelle bald ganz wegfallen soll. "Ich kritisiere ja nicht alles und jeden", rechtfertigt er sein Vorgehen. "Irgendwann hört es auf, dass man sich ständig gegenseitig auf die Schultern klopft." Er bestreite nicht, dass es eine Überlastungssituation gibt. "Einzelne arbeiten engagiert. Aber es fehlt am Regisseur, am Trainer auf dem Platz." Um ein Wirrwarr der Zuständigkeiten zwischen den Referaten Soziales, Bau und Ausländerwesen sowie Verbänden, Hausmeistern, Catering- und Sicherheitsfirmen zu entknoten, habe er einen Vorschlag. "Ähnlich wie im Kanzleramt, bräuchte es einen zentralen Flüchtlingskoordinator", sagt Eitel. Einen ERH-Altmeier quasi.

Eitel sagt, er wolle die Lage für die Menschen vor Ort verbessern. Ihn ärgere, dass man die Verwaltung erst darauf bringen müsse, dass es nicht geht, eine Hochschwangere mitten in einer Großunterkunft hausen zu lassen.

Retta Müller-Schimmel (Grüne) war die einzige, die zumindest im Ansatz um Verständnis für Eitel warb: "Ich glaube nicht, dass er so etwas wie eine Hotelsituation schaffen will." Eitel arbeite aktiv vor Ort. Dem müsse man Rechnung tragen, so Müller-Schimmel. Mit einer Pauschalkritik an der Behörde sei er aber übers Ziel hinausgeschossen.