"Heute verkommt Arbeit immer mehr zur Ramschware", kritisierte Hirschel. Niedriglöhne, Minijobs, Leiharbeit, Befristungen und Werkverträge seien zunehmend eine bedrückende Realität, und die Euro-Krise könne nur gelöst werden, wenn ihre Verursacher zur Verantwortung gezogen würden. Die Worte von Innenminister Friedrich und Finanzminister Schäuble bei den Tarifverhandlungen bezeichnete der Redner als "heuchlerisch." Da waren für Banken Milliarden übrig und für die Leistungsträger ist kein Geld da. Zudem findet es Hirschel nahezu verbrecherisch, wenn sich die "Herren der DAX- Unternehmen" mit großen Gehältern und Zahlungen bedienen. "Das Geld der erfolgreichen Unternehmen wird unten verdient, nicht in den oberen Etagen" schimpfte Hirschel und fordert eine bessere und gerechtere Verteilung.

Nach dem Jahrzehnt des Billigwahns in der Arbeitswelt sei es nun Zeit, Konsequenzen zu ziehen. "Wir müssen die Arbeit neu ordnen", forderte Hirschel. Dazu müsse ein allgemeiner, gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden, Leiharbeit reguliert werden und Werkverträge gesetzlich reguliert werden. Die von der Union angebotene "allgemeine Lohnuntergrenze" sei nicht mehr als ein Feigenblatt, das mit dem gesetzlichen Mindestlohn "aber auch gar nichts zu tun" habe.


Protest gegen Neonazis



Dierk Hirschel wandte sich in seiner Rede auch vehement gegen die dreisten Versuche der NPD, den 1. Mai für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. "Der 1. Mai ist unser Tag", stellte Hirschel klar. Dies sei den zunehmend aggressiver auftretenden Neonazis aber verhasst. Sie marschieren bewusst am 1. Mai auf: Dieses Jahr ist Hof ihr Ziel. "Es ist eine Schande für Deutschland, dass Neonazis nahezu ungehindert in deutschen Städten marschieren dürfen", rief Hirschel unter dem Beifall der Besucher aus.

Der 1. Mai sei international. Die Gewerkschaften vertreten die Interessen aller Beschäftigten in den Betrieben und seien für alle Mitglieder da - "ob sie Sepp oder Achmed, Anna oder Ayse heißen", erklärte Hirschel: "Wir müssen aktiv und wachsam sein gegen die braunen Brunnenvergifter. Wir engagieren uns gegen Neonazis, egal wo sie aktiv sind!"

Eingangs hatte Martin Lauer als stellvertretender Vorsitzender des DGB-Ortkartells Herzogenaurach die vielen Besucher, Gastredner Dierk Hirschel, Landrat Eberhard Irlinger und die Bürgermeister German Hacker und Renate Schroff herzlich willkommen geheißen. "Das ist eine gute Gelegenheit, einmal mehr zu sagen, ohne dass der Thomas widersprechen kann", meinte Lauer, der den verunglückten Thomas Mölkner vertreten musste.


Glückwünsche an den Landrat



Bürgermeister Hacker gratulierte Landrat Irlinger zum 10-jährigen Dienstjubiläum. "Die Arbeitslosigkeit in Europa ist besorgniserregend, und bedrückend ist vor allem die Jugendarbeitslosigkeit in unseren Nachbarländern", erklärte Hacker in seinem Grußwort. So könne sich Herzogenaurach mit seinen derzeit 17.772 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen glücklich schätzen.

So ist es für die Stadt vorrangig, bei täglich 13.200 Einpendlern die erforderliche verkehrsmäßige Infrastruktur zu schaffen, ein weiterer großer Schritt werde derzeit bei der Kinderbetreuung gemacht, erklärte Hacker, der dem geplanten Betreuungsgeld eine klare Absage erteilte. Auch zur Tariferhöhung im öffentlichen Dienst nahm Hacker Stellung. Es wäre besser gewesen, den Sockelbetrag anzuheben, "das wäre für die unteren Lohngruppen von Vorteil gewesen", kritisierte Hacker den Tarifabschluss.


1. Mai als "Wut-Tag"



In die Vollen ging anschließend Landrat Irlinger. "Wir werden das Feuer weitertragen, das vor hundert Jahren begonnen hat, mit Wohlstand, Bildung und Demokratie gegen rechts", rief Irlinger aus. Irlinger erklärte den 1. Mai auch zum "Wut-Tag", dieser Tag gehe nicht ohne Wut, wandte sich Irlinger gegen das Betreuungsgeld und gegen die Bayerische Bildungspolitik. "Bayern ist das Land, in dem die Bildung vom Geldbeutel abhängt", stellte Irlinger fest. Zum Betreuungsgeld erklärte Irlinger: Die Reichen haben Au-pair Mädchen oder Tagesmütter, stecken das Betreuungsgeld aber auch ganz ungeniert ein, "hoffentlich regiert bald der Ude", rief Irlinger aus. So gehöre Schwarz/Gelb abgewählt, die für alles Geld hätten, nur nicht für die Leistungsträger der Gesellschaft.

Die Jugend- und Ausbildungsvertreter, Hanna Köhler und Marvin Schwarz forderten ebenfalls ein einen gerechten Tarifabschluss. "Die angebotenen drei Prozent der Arbeitgeber verdient die Note sechs", wandte sich Köhler gegen das Arbeitgeberangebot. So sei es in Herzogenaurach für Auszubildende nahezu unmöglich, sich eine eigene Wohnung zu nehmen, erklärte Schwarz. Den Vormittag umrahmte der Männerchor "Vorwärts", geleitet von Martin Lauer, und die Musikgruppe John Marshall & Friends.