Den Alltag zu bewältigen und schwierige Lebenssituationen zu meistern wird in der heutigen Zeit zu einer immer größeren Herausforderung. Schon die kleinsten müssen immer mehr Leistung erbringen und entwickeln sich im besten Fall zu kleinen "Multi-Taskern".

Doch was macht man, wenn man aufgrund von schwierigen Lebenssituationen, mangelnder Geborgenheit oder gar Lebenskrisen vor unüberbrückbaren Problemen steht. Problemen die, die Familien als auch die Kinder schwer belasten?

Viele Experten stehen Familien mit Coping- Strategien bzw. Bewältigungsstrategien zur Seite. Eine davon ist Luise Dümmler. Sie arbeitet seit fünf Jahren im Namen des Puckenhofs als Jugendsozialarbeiterin an der Höchstadter Ritter-von-Spix-Schule. Diese psychosoziale Maßnahme wird an fast allen weiterführenden Schulen in Höchstadt angeboten.

Die junge Sozialpädagogin steht im Schulalltag täglich im Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen und auch zu deren Familien. Sie können in den Pausen jederzeit in ihr Büro und Termine für Besprechungen ausmachen.


Absolute Schweigepflicht

"Viele haben Bedenken und Ängste, wenn sie in Beratungsstellen gehen. Sie fühlen sich unterlegen oder haben Angst, dass ihnen die Kinder entrissen werden. Nur bei einer akuten Kindeswohlgefährdung würde das Jugendamt solche Maßnahmen ergreifen, und das ist selten", erklärt sie. "Ich begegne allen auf Augenhöhe und habe absolute Schweigepflicht".

Die gemeinsam erarbeiteten Bewältigungsstrategien helfen vielen Kindern und deren Familien, Krisensituationen zu meistern. Luise Dümmler ist die erwachsene Ansprechpartnerin der Kinder und ist als Dritte eine konstante Anlaufstelle, auch wenn die Situation schon stabilisiert ist.

Probleme wie Mobbing, Trennung, Scheidung, Tod, Konflikte im Elternhaus oder auch Prüfungsängste sind Dinge, mit denen sich die Schüler auseinandersetzen. Hinzu kommt die ganze Bandbreite der Entwicklungsauffälligkeiten wie psychische Probleme, Selbstverletzung, depressive Verstimmungen und Drogenmissbrauch.


"Man sollte frühzeitig kommen"

Dümmler: "Man sollte kommen und sich frühzeitig Hilfe holen, anstatt lange vor sich hin zu leiden. Der eigene Leidensdruck entscheidet. Man kann schon sehr früh Hilfe bekommen. Ich bin Vermittlerin zwischen Eltern und Kindern und zwischen Familien und Therapeuten bzw. Erziehungsberatungsstellen."

In vielen Fällen reichen Gespräche aus und man entwickelt gemeinsam Strategien, die Situation zu erleichtern. Ein Beispiel hierfür war ein Kind aus der 5. Klasse, das unter der Trennung der Eltern litt. Der Mutter wurde eine Mutter- Kind- Kur geraten.

"Kinder geben sich oft die Schuld für die familiären Probleme und können mit einer neutralen Person ihre Situation besser reflektieren und somit ihre Rolle in der Familie verstehen. Auch für die Eltern ist es eine Erleichterung nach jahrelangem Schweigen einen Ansprechpartner zu haben", sagt die Sozialpädagogin.

Schwieriger war der Fall der 18-jährigen Schülerin Fiona (Name von der Redaktion geändert). Als sie der Sozialpädagogin damals auffiel, war sie erst 16 Jahre alt. Sie ging immer wieder in die Klasse des Mädchens und führte dort lose Konfliktgespräche mit den Schülern. "Sie machte keinen guten körperlichen Eindruck auf mich. Ich bot ihr meine Hilfe an und ließ ihr Zeit sich Gedanken darüber zu machen, ob sie Hilfe annehmen möchte."
Dümmler über die Gespräche mit Fiona: "Dies war einer der seltenen Fälle, in denen ein Kind akut gefährdet ist. Es hat in einer desolaten Wohnsituation gelebt. Dies führte zu depressiven Verstimmungen und einem Gefühl der Ausweglosigkeit."

"Wenn ich Frau Dümmler nicht um Hilfe gebeten hätte und sie nicht zu mir nach Hause gekommen wäre, hätte ich nie von alleine wahrgenommen, dass man so nicht leben kann. Ich war damals überfordert, meine Situation zu verstehen, und hatte mich mit ihr arrangiert. Nachdem ich über längere Zeit in der Schule gefehlt habe, hat sie mich besucht", erzählt die heute 18- jährige Schülerin.


Gut aufgehoben

Durch die Jugendsozialarbeit hat sie es geschafft einen neuen Weg einzuschlagen. Sie lebt nun in einer Pflegefamilie und fühlt sich dort sehr gut aufgehoben. Sie hat ihren Quali geschafft und hofft nun auf eine Lehrstelle im Einzelhandel in einem Gartenbaumarkt.

"Fiona hat sich durch die Zusammenarbeit von Jugendamt und JAS und den Pflegeeltern um 180 Grad geändert. Sie hat wieder Lebenswillen. Solche Fälle bestätigen mich in meiner Arbeit", zieht Luise Dümmler ein positives Fazit.


Anlaufstellen

Ansprechpartner finden Betroffene bei den Jugend- und Sozialarbeitstellen in den weiterführenden Schulen, beim Jugendamt Erlangen (Telefon 09131/803-259) sowie in der
Erziehungsberatungsstelle Herzogenaurach und Höchstadt (Telefon 09132/8088).

Der Verein "Nummer gegen Kummer" bietet Eltern (Telefon 0800/1110550) sowie Kindern und Jugendlichen (Telefon 0800/1110333) kostenfreie Beratungen.