Als "social network" aus medizinischer und menschlicher Betreuung sieht Andreas Hautmann vom Landesverband der Johanniter-Unfall-Hilfe die ambulante Pflege. Ein Netzwerk, das es Menschen erlaube, möglichst lange zu Hause zu leben und das den Angehörigen dabei die nötige Unterstützung biete.

In Schlüsselfeld hatte die Johanniter-Familie Grund zum Feiern: Nachdem es in der Steigerwaldstadt bereits seit Jahrzehnten eine Rettungswache der Johanniter gibt, konnte jetzt auch eine Sozialstation - die elfte in Bayern - ihrer Bestimmung übergeben werden.

Direkt im Herzen der Altstadt, in den Räumen der ehemaligen Schlecker-Filiale, ist sie künftig Anlaufstelle für Angehörige, sowie die Pflegekräfte des ambulanten Dienstes. Dem Pflegedienstleiter Andreas Straube werden dort ein Dutzend Mitarbeiter und sechs Fahrzeuge für den ambulanten Dienst zur Verfügung stehen.

Schlüsselfeld sei der Geburtsort der Johanniter-Unfall-Hilfe in Oberfranken, erklärte Philipp M. Köppe vom Regionalvorstand Oberfranken. "Wir möchten in den Dialog mit den Menschen treten, ein Teil der Gesellschaft in Schlüsselfeld sein", wünschte sich Köppe.

Der Sozialstation, die auf rund einhundert Quadratmetern eingerichtet wurde, spendeten Pfarrer Johannes Kestler und Diakon Jörg Kornacker den kirchlichen Segen. Zum Festakt waren neben einer Vielzahl älterer Bürger auch prominente Gäste gekommen, die den Johannitern wie auch der Stadt zu dieser neuen Einrichtung gratulierten. Unter ihnen Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), Landtagsabgeordneter Heinrich Rudrof (CSU) und stellvertretender Landrat Rüdiger Gerst (CSU).

Ein Drittel wird zu Hause versorgt

Mit der Sozialstation werde "ein neues Kapitel der Johanniter in Oberfranken aufgeschlagen", sagte Gesundheitsministerin Huml. Gute Rahmenbedingungen für eine menschliche Pflege seien ihr ein wichtiges Anliegen. Heute würden etwa ein Drittel der pflegebedürftigen Menschen im stationären Bereich, zwei Drittel zu Hause versorgt. Das bedeute, dass sie von der Familie oder mit Unterstützung durch ambulante Dienste betreut werden.

Der Wunsch der Menschen sei es, möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben zu können. Auf Dauer sei das für die Gesellschaft günstiger als die Pflege in einer stationären Einrichtung. Das am 1. Januar in Kraft getretene Pflegestärkungsgesetzt bringe deutliche Vorteile für die ambulante Pflege.

"Einen alten Baum verpflanzt man nicht", stimmte Heinrich Rudrof seiner Vorrednerin zu. Dies sei ein freudiger Tag für Schlüsselfeld, für die Familien, für den Landkreis und die ganze Region.

Als "eine wichtige Institution im Landkreis Bamberg", bezeichnete stellvertretender Landrat Rüdiger Gerst die Johanniter. Ihre Bemühungen, den kranken und pflegebedürftigen Menschen in den Mittelpunkt stellen, entsprächen zutiefst dem christlichen Verständnis. Durch die lange Tradition in Schlüsselfeld sei ein großes Vertrauen in der Bevölkerung gewachsen. Dies konnte stellvertretender Bürgermeister Bernhard Seeger (CSU) nur bestätigen. Die Sozialstation sei von großer Bedeutung nicht nur für die Stadt Schlüsselfeld, sondern für die ganze Region.

Auf das durch Klischees und Statistiken geprägte Bild von der Pflege und die Realität ging Andreas Hautmann vom Landesverband ein. Jeder pflegebedürftige Mensch, auch der ohne Angehörige, habe ein Recht auf menschenwürdige Pflege. Wer einen Menschen pflege, müsse gut auf ihn eingehen, mit ihm kommunizieren.
Die ambulante Fachkraft pflege nicht nur den Kranken, sondern auch den Kontakt mit den Angehörigen. Ihnen, wie auch dem Pflegebedürftigen müsse sie ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Das verlange sehr viel Einfühlungsvermögen und Professionalität.