"Wir sind schon seit Freitag überzeugt davon, dass wir gewinnen." Ihren überraschten Gesichtern war diese selbstbewusste Aussage von Domenic Steger und Anja Birkner, den Siegern beim Raustanzen am Sonntag auf der Kirchweih in Weppersdorf nicht anzusehen, als der Wecker klingelte, und sie den Buschen in der Hand hielten. Da war ja wohl auch mehr die Hoffnung als die Gewissheit im Spiel gewesen - der schöne alte, noch analoge Wecker tat sein Werk genau zur eingestellten Zeit und hat sich bestimmt nicht manipulieren lassen.

So gönnten die fünf anderen Paare den beiden den Sieg auch von Herzen und gratulierten neidlos. Domenic und Anja sind schon zum vierten Mal dabei, gemeinsam tanzten sie jedoch zum ersten Mal. Ein Pärchen sind sie privat zwar nicht, aber kennen tun sie sich die gebürtigen Weppersdorfer schon seit den Kindertagen.

Seit September letzten Jahres verwaltet Anja sogar die Finanzen der Kerwasburschen und -madla - doch auch das hat den seit vielen Jahren seinen Dienst tuenden Wecker bestimmt nicht beeinflusst. Glück muss man einfach haben, und das war heuer den beiden hold.


Es braucht seine Zeit

Gedauert hat es natürlich ein bisschen, bis es endlich so weit war. Fässla ausgraben, Madla abholen, in jedem der sechs Anwesen ein kleines Schäpsla, und vom Tanzen wollten die zahlreichen Zuschauer ja auch etwas sehen. Eine Runde tanzen, während die Weppersdorfer Altburschen und ihr schon traditioneller Gegenpart, eine Adeldorfer Gruppe sich gegenseitig mit Kerwasliedla verspotteten, im Kreis laufen und wieder tanzen - das zog sich schon hin.

Apropos Spottliedla - die beiden Sängergruppen schenkten sich wieder einmal nichts. Gegeneinander wurde schon kräftig gehetzt.

Für Ober-Organisator Christian Kupfer, der auch den Nachwuchs mit eigenem Liedlasingen und Mitlaufen beim Zug zum Einholen mit einbindet, hatte Anja auch noch eine kleine Überraschung vorbereitet: Nach der Siegerkürung forderte sie Tänzer und Zuschauer auf zum gemeinsamen Ehrentanz - extra für Christian. Fast alle machten mit und der Platz vor der Kirche wurde für kurze Zeit zum richtigen Tanzplatz. Auch Christian machte sofort mit.

Und dass es den Weppersdorfern durchaus nicht an Selbstbewusstsein mangelt, bewies auch ihre messerscharfe Berechnung, was die Länge der am Samstag erfolgreich aufgestellten 25 Meter hohen Kerwafichte betraf: "Im Verhältnis zur Anzahl der Einwohner haben wir eindeutig den längsten Baam in der Gmaa!" Wer sich durch diese Aussage getroffen fühlen sollte, ist jedem Einwohner der Gemeinde Adelsdorf sofort klar. Den längsten Baum reklamieren nämlich alljährlich die Aischer für sich.

Der Bieranstich am Freitag hatten Bürgermeister Karsten Fischkal und der neue Weppersdorfer Ortssprecher Tim Scheppe problemlos erledigt. Ein Schlag und das kühle Nass floss. Alles in bester Ordnung also auf der Weppersdorfer Kirchweih.