Und ist der Ruf erst ruiniert, dann lebt sich gänzlich ungeniert. Oder um ein anderes Klischee zu bedienen: Alle Bänker sind Gauner. Noch ein Klischee: Investment-Direktoren sind gierige Individuen.

Wer solche Klischees auf die Bühne bringt, hat die Lacher mit Sicherheit auf seiner Seite. Die Theatergruppe des Heimat- und Gartenbauvereins Aurachtal traten im Neidorfer Theater-Stodl mit der Komödie "Ätsch, jetzt gründen wir eine Bank" auf.

Sinnvolle Geldanlage


Die Geschichte ist einfach gestrickt und schnell erzählt: Adi (Jörg Becker) und Kurt (Hartmut Prager), zwei Kleinganoven, haben die Nase gestrichen voll davon, wegen kleinerer Betrügereien, Einbrüchen und Diebstählen immer wieder festgenommen zu werden. Etwas Großes muss es deshalb sein, was den beiden für die Zukunft ein sorgenfreies Leben ermöglichen soll. Die geniale Idee: Statt eine Bank zu stürmen, immer die Gefahr der Polizei im Rücken, gibt es eine viel einfachere Lösung: "Wir gründen eine Bank", rufen die beiden unisono.

Unterstützung erhalten sie von Oma Grieße (Gunda Kreß). Ersonnen wird ein perfider Plan: keine Konten, keine Überweisungen, keine Fragen belasten die Schlipsträger. Das Geld wird erst einmal im Keller geparkt. Dass die beiden Gauner in ihren neuen Rollen ebenso aufgehen, wie die Laienschauspieler in ihren Ganovenrollen, perfektioniert das "Lustspiel". Dass der Investment Direktor ein alkoholabhängiger Orakel-Goldfisch namens Paul ist, schadet dem scheinbaren Erfolgsmodell nicht.

Das Stück selber ist von Hans Schimmel. Der Autor ist in der Kurpfalz geboren und lebt auch heute noch dort. "Die Menschen in meiner Region reden wie ihnen der Schnabel gewachsen ist", beste Voraussetzungen für den Komödienschreiber, in dem Stück "Ätsch, jetzt gründen wir eine Bank" spöttisch mit den Ursachen und Folgen der Finanzkrise umzugehen.

Auffällig in dem Stück: Das der Autor, weiß, um was es geht. Denn Schimmel geht neben der Stückeschreiberei einem ganz normalen Beruf nach, wie er über sich schreibt. "Ich versuche neben meinem Hobby Menschen die Betriebswirtschaftslehre und Regeln der Logistik beizubringen."

Beim Theaterstück gibt es halt noch weitere Zutaten außer den mathematischen Formeln. Ein bisschen Liebe, die (natürlich klischeebehafteten) Gags, ein tolles Bühnenbild. Und einen Regisseur, in diesem Falle Karl-Heinz Gechter, der seine Leute begeistern kann, um in den Rollen aufzugehen. Der Szenenapplaus hat es gezeigt, dass dies ihm offensichtlich gut gelungen war.

Gelebte Rollen


So spielt Erika Gechter ihre Rolle als überhebliche aber hochqualifizierte Bankkauffrau Sophie so überzeugend, dass man als Zuschauer davon ausgehen muss, dass die eine oder andere Bank aus der Region, sie gleich um eine Bewerbung bitten wird. Mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik droht sie: "Ich weiß, wo dein Haus wohnt." - beste Voraussetzungen, um am Schalter Kunden zu bedienen.

Skurril wird es, wenn die "Bad Bank" so gut läuft, dass die Heuschrecke Hanna Krause eine feindliche Übernahme auf das Objekt der Begierde starten will. Doch da kommt Oma Grieße wieder ins Spiel...

Die beiden Hauptakteure, Becker und Prager, spielen sich die Gags gekonnt zu, eine auf die Bühne gebrachte Screwball-Komödie vom Feinsten. Ruth Hußnätter und Jörg Christian Knobl spielen das Polizistenpaar ebenso ausdrucksstark. In weiteren Rollen glänzen dann noch als skrupelloser Vorstand Gudrun Eigler und als Gaunerfrau Rosi Hendel.

So ganz und gar, gar nicht als Gaunerei zu bezeichnen, war dann das Vorhaben der Theatergruppe, was sie mit den "ehrlich" erlösten Eintrittsgelder der noch kommenden Benefizveranstaltung machen werden: Das Geld geht in diesem Jahr an die Grundschule Aurachtal zur Verschönerung des Pausenhofes.