Bei börsennotierten Aktiengesellschaften gibt es die Quartalszahlen. Sie sind ein Maßstab für die Qualität der wirtschaftlichen Aktivitäten. Eine vergleichbare Verpflichtung haben die Gemeindeverwaltungen gegenüber dem Gemeinderat, die sich für das doppische Buchhaltungssystem statt des kameralistischen entschieden haben, wie Adelsdorf.
Das hat in diesem Fall zwei Vorteile: Man hat durch die Bilanzierung im Blick, wie groß das Vermögen ist. 48 Millionen Euro sind es insgesamt; davon sind 43 Millionen Euro Sachanlagen; beispielsweise stehen die Kanalisation mit zwölf Millionen Euro und die Straßen mit zehn Millionen Euro zu Buche.
Kämmerer Christian Jakobs stellte denn auch diese Fakten an den Anfang seines Vortrags vor dem Ratsgremium. Allerdings erst nach der Ansage: "Ich werde für Sie die nächsten Jahre den Buhmann spielen." Und: "Vermögen kostet auch was im Unterhalt." Genau hier musste bei den Streichaktionen für den laufenden Haushalt der Rotstift angesetzt werden.
Der zweite Vorteil des doppischen Systems ist der zeitnahe Blick auf die Kassenlage, auf die Budgetentwicklung. "Brutal ausgedrückt: Ich habe die Handbremse reingehauen", beschrieb Jakobs die letzten Wochen des vergangenen Jahres. Der Fachausdruck lautet beschränkter Haushaltsvollzug und heißt in der Praxis: Alle Rechnungen und Anschaffungswünsche müssen vom Kämmerer abgezeichnet werden. "Das gilt auch heute noch", betonte Jakobs. Fast 300 000 Euro konnten so gespart werden. "Allerdings sind da auch Problemverschiebungen dabei", bekannte Jakobs. Derzeit arbeite er sich durch alle Verträge und Mitgliedschaften der Kommune, ob es günstigere Lösungen oder Kündigungen gebe.
Auslöser dieses massiven Eingriffs waren zum einen 273 000 Euro weniger Einnahmen aus Gebühren. Es wurde weniger Wasser verbraucht und etliche Bürger schlüpften durch Satzungslücken. Zwar stehen unter ordentlichen Erträgen 800 000 Euro mehr als geplant. Doch dahinter verbergen sich 1,1 Millionen Euro aus Grundstücksverkäufen, und das ist eine absolut begrenzte Einnahmequelle. Zum anderen musste Jakobs 283 000 Euro mehr bei Personal einstellen, großenteils Rückstellungen für Urlaub und Überstunden.
Als Einzelproblem führte der Kämmerer den Mittelschulverbund auf. 200 000 Euro vor allem auch für die Wegekosten laufen auf. Und trotzdem der beharrliche Zweifel, ob die Schule in den nächsten Jahren zu halten sei. Geschäftsleiter Wolfgang Mößlein sprach vom "bösen Spiel der staatlichen Schulpolitik, die die Gemeinden sich in den Mittelschulverbünden erschöpfen lässt". Hier brachte Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) das Schwimmbad an der Schule zur Sprache. "Das fällt auch unter Werte erhalten." 280 000 Euro wendet Adelsdorf jährlich dafür auf.
Eine Konsolidierung ist nach Jakobs ab 2015 unumgänglich. Dazu müssten freiwillige Leistungen zurückgefahren werden. Die Einrichtungen der Gemeinde müssten kostendeckend arbeiten. Die aktuelle Liquiditätslage der Gemeinde beschreib Jakobs so: "Nichts in der Kasse." Laufend würde der Kassendispo-Kredit in Anspruch genommen. 2013 war der Saldo ganzjährig im Minus. "Schon seit zweieinhalb Jahren", ergänzte Jakobs Vor-Vorgänger Mößlein. Er sieht immer enger werdende Spielräume.
"Danke für die schonungslose Bestandsaufnahme" reagierte Andreas Maier (CSU) auf den Vortrag. Michael Auer (Grüne), als Finanzbeamter ein ausgewiesener Fachmann, sprach von einer Herkulesaufgabe für den Kämmerer.