Svea sitzt hinten am Büchertisch, gleich neben ihrer Freundin Leonie. Die anderen Mädels haben es sich weiter vorne gemütlich gemacht, sauber getrennt von den Jungs. Nur ein Knabenkopf ragt aus der kichernden Gruppe. Auch Svea unterhält sich zwischendurch, ist aber hellwach, als die Frau in dem roten Sessel ihre Fragen stellt. Und die Kinder fragt, was sie denn mit dem bevorstehenden Muttertag in Verbindung bringen.

"Ich mach' meiner Mutter ein kleines Geschenk", sagt Svea, und das ist die Antwort, auf die Stefanie Greber gewartet hat. "Genau", sagt die Buchhändlerin, "ihr sagt eurer Mutter einfach Dankeschön". Exakt das gleiche machen die Leute in den Bibliotheken und Buchhandlungen auch am Welttag des Buches, ergänzt Greber. "Wir sagen Dankeschön an die Autoren". Dafür, dass sie so tolle Bücher schreiben, und damit auch die Kinder fesseln können.

Das gelingt der Mitarbeiterin der Herzogenauracher Buchhandlung "Bücher, Medien & mehr" mit dem Roman "Echt krank" von Feldhaus. Es ist die Abenteuergeschichte eines Jungen, der nach einem Verkehrsunfall sein Krankenhauszimmer ausgerechnet mit Mädchen teilen muss. "Das ist der Renner in den fünften Klassen", sagt Stefanie Greber. Und auch diesmal ist es so, als eine Fünfte aus dem Liebfrauenhaus zu Besuch ist. Die Buben lachen lauthals, die Mädchen kichern und kuscheln. Die Geschichte kommt an.

Seit mehr als zehn Jahren nimmt die Buchhandlung den Welttag des Buches zum Anlass, um Hunderte von Schülern einzuladen und Appetit aufs Lesen zu wecken. Dieser bestimmte Tag war zwar schon am 23. April, doch der lag mitten in den Osterferien und so hat man erst Ende des Monats mit der Aktion begonnen. Drei Wochen lang sind 23 Schulklassen aus Herzogenaurach zu Besuch, manchmal mehrere Klassen am Tag. 532 Schüler werden durchgeschleust. Sie bekommen eine Geschichte vorgelesen, dürfen in ihren Lieblingsbüchern stöbern und die Mitarbeiter alles fragen, was sie über Bücher wissen möchten.

Jagd nach dem Leuchtkristall

Bis zum 16. Mai dauert die Aktion, die die vierten und fünften Klassen anspricht und von der Grundschule bis zum Gymnasium reicht. Sie will die Kinder fürs Lesen begeistern und ihnen zeigen, wie fesselnd Bücher sein können. Alle bekommen sie ein Buch geschenkt. Dieses Jahr heißt es "Ich schenk Dir eine Geschichte - Die Jagd nach dem Leuchtkristall". Damit kann, wenn gewünscht, der Besuch in der Buchhandlung im Unterricht nachbereitet werden.

Dem Deutschlehrer Jan Malotta hat der Besuch in der Buchhandlung gut gefallen. Er hat seine Klasse angemeldet, weil er selber gern liest und weil es ihn überraschte, wie viele Kinder tatsächlich lesen. Die Geschichte vom Leuchtkristall sollte in dieser Klasse sicher nicht ungenutzt bleiben: "Vielleicht ist das ja ein Ansporn", meint der Lehrer.

Auch Sefanie Greber erkennt ein zunehmendes Interesse der Kinder durch solche Aktionen. Eine Schlüsselfrage sei, ob die Kinder denn ihre Hemmschwelle überwinden und sich auch in der Folgezeit wieder mal in die Buchhandlung trauen. Bei einiges sei das durchaus zu beobachten, freut sich die Mitarbeiterin. Dann sei es gelungen, Freude am Lesen zu wecken. Und auch für die Zusammenarbeit mit den Schulen habe die Aktion eine nachhaltige Wirkung. "Viele Lehrer kommen, wenn sie ihre Lektüre aussuchen", sagt Greber. "Wir stellen ein paar Bücher vor und die Klasse sucht sich dann gemeinsam eins aus."