Zuversicht prägte ein Pressegespräch am Mittwochvormittag im Rathaus, Zuversicht in einer Zeit, in der sich die Zahlen überschlagen und viele Kommunen sich überfordert fühlen. Der Landkreis Erlangen-Höchstadt muss eine weitere Erstaufnahmeeinrichtung schultern und im ehemaligen Praktiker-Baumarkt bis zu 500 Flüchtlingen eine Notunterkunft geben.

Damit erreicht man "eine ganz andere Dimension als bisher", stellte Landrat Alexander Tritthart (CSU) fest. Denn in den aktuellen Gebäuden in Hemhofen und Baiersdorf seien zusammen nur 300 Menschen. Und dennoch ist der Kreischef überzeugt, dass man auch diese Aufgabe bewältigen kann. Sowohl logistisch als auch von der Akzeptanz der Bevölkerung her. Wo sonst als in der internationalen Stadt Herzogenaurach könne das besser funktionieren, sagte der Landrat.


Am 6. Oktober wird informiert

Gemeinsam mit Bürgermeister German Hacker (SPD) informierte er über ein Vorhaben, das auch der Bevölkerung bald ausführlich erläutert wird. Am Dienstag, 6. Oktober, findet um 19.30 Uhr im Vereinshaus eine Informationsversammlung für die Bürger statt. Wie schon bei den anderen Einrichtungen will der Kreis auf größtmögliche Transparenz bei der Information setzen.

Zurzeit wird die Halle vorbereitet. Strom und Sanitär werden installiert, Sichtschutzwände geliefert. Die Betreuung der Menschen übernimmt wieder der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Diese Einrichtung wird so aussehen wie die in Hemhofen, sagte Geschäftsführer Jürgen Seiermann. Nur etwa zweieinhalb mal so groß. Zunächst werden die 120 Asylbewerber aus Baiersdorf nach Herzogenaurach umziehen. Denn die dortige Dreifachturnhalle steht nur noch kurze Zeit zur Verfügung.

"Wir sind froh, dass wir drei Wochen Vorlaufszeit haben", sagte Seiermann. Jetzt müssen unter anderem die Lieferanten der Betten und der gastronomischen Versorgung gefunden werden. Man sei zuversichtlich, das alles zu schaffen. Es werde eine Halle, "die nicht nur trocken ist, sondern auch Geborgenheit gibt."


950 Menschen werden betreut

Der ASB-Kreisverband betreut bisher vier Erstaufnahmeeinrichtungen, darunter eine große in Erlangen mit 500 Menschen, eine weitere an der Realschule am Europakanal und die beiden im Landkreis.

Schon bisher schaffe man es, etwa 950 Menschen täglich dreimal mit Essen zu versorgen, ihnen die medizinische Versorgung zu geben und auch ein bisschen Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Denn außer "Bett, Dusche, Essen" sei auch der soziale Kontakt wichtig. "Die Leute sind ja traumatisiert", sagte Seiermann. Und: "Wir geben ihnen Schutz und Sicherheit."

Ausführlich informiert werden die Nachbarn, Geschäftsleute und alle anderen Interessenten am 6. Oktober. Dann werde man auch alle Fragen beantworten. Bürgermeister Hacker ist zuversichtlich, dass man auch diese Aufgaben stemmen werde. Die letzten beiden Jahre hätten eine große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung gezeigt.
Der Vertrag mit den Eigentümern des Praktiker-Gebäudes wurde laut Alexander Tritthart auf ein Jahr abgeschlossen, mit Option auf Verlängerung.