Sonntagabend gingen Preis an die Besten. Bei der Max-und-Moritz-Gala gab eine gläzend aufgelegte Hella von Sinnen dem Affen Zucker. Im Erlanger Markgrafentheater huldigte die Comic-Szene ihren Besten mit der Vergabe der Max und Moritz-Preise 2012. Der Max und Moritz-Preis, seit 1984 von Bulls Press, Frankfurt am Main, gestiftet und von der Stadt Erlangen beim alle zwei Jahre stattfindenden Internationalen Comic-Salons verliehen, gilt als die wichtigste Auszeichnung für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum. Im Vorfeld der Preisverleihung war eine Liste mit 25 nominierten Titeln bekannt gegeben worden.

Der Preis für den besten Comic-Strip geht in diesem Jahr an "Schöne Töchter" von Flix (Der Tagesspiegel, Berlin), als bester deutscher Comic wird "Packeis" von Simon Schwartz (Avant-Verlag) ausgezeichnet, der beste internationale Comic ist "Gaza" von Joe Sacco (Edition Moderne). Mit besonderer Spannung wurde traditionell die Wahl des besten deutschsprachigen Comic-Künstlers (dotiert mit 5000 Euro) erwartet. Unter großem Beifall wurde die Hamburger Zeichnerin Isabel Kreitz (aktuell: "Haarmann", Carlsen Verlag) in dieser Kategorie ausgezeichnet.


Zum zweiten Mal gab's einen Publikumspreis



Den Max und Moritz-Preis für den besten Comic für Kinder erhält in diesem Jahr "Das tapfere Prinzlein und die sieben Zwergbären" von Emile Bravo (Carlsen Verlag), der Sonderpreis für die beste studentische Comic-Publikation (dotiert mit 1000 Euro) geht an die Macherinnen und Macher des Luzerner "Ampel Magazins". Zum zweiten Mal wurde in diesem Jahr ein Max und Moritz-Publikumspreis ausgelobt, für den die Leserinnen und Leser im Internet nominieren und abstimmen konnten. Siegerin in dieser Kategorie ist die junge Oberhausener Manga-Zeichnerin Daniela Winkler mit "Grablicht" (Droemer Knaur).

Den Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk nahm - wie schon im Vorfeld der Preisverleihung bekannt gegeben wurde - der einflussreiche italienische Zeichner Lorenzo Mattotti entgegen und genoss die stehenden Ovationen der deutschen Comic-Branche. Mit dem Spezialpreis der Jury wurde Rossi Schreiber, Gründerin des Verlags Schreiber & Leser und deutsche Comic-Pionierin der ersten Stunde ausgezeichnet.


Bekenntnis zum Comic-Salon



Die Max und Moritz-Gala wurde von der glänzend aufgelegten Hella von Sinnen und dem Schweizer Journalisten und Comic-Experten Christian Gasser moderiert. Dieter Rossmeissl, Kulturreferent der Stadt Erlangen, formulierte zum Auftakt der Preisverleihung ein klares Bekenntnis der Stadt Erlangen zur Comic-Kultur und zum Fortbestand des Internationalen Comic-Salons.

Der Jury für den Max-und-Moritz-Preis gehörten in diesem Jahr an: Christian Gasser (Schriftsteller und Journalist, Luzern), Herbert Heinzelmann (Journalist und Medienwissenschaftler, Nürnberg), Brigitte Helbling (Journalistin, Arbeitsstelle für Graphische Literatur der Universität Hamburg), Andreas C. Knigge (Autor und Journalist, Hamburg), Andreas Platthaus (Journalist und Autor, Frankfurt am Main), Jan Taussig (Bulls Press, Frankfurt am Main) und Bodo Birk (Internationaler Comic-Salon Erlangen).


Organisatoren sind zufrieden



Am Sonntagabend schließen sich die Pforten des 15. Internationalen Comic-Salons Erlangen, der wichtigsten Veranstaltung für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum. Das veranstaltende Kulturprojektbüro der Stadt Erlangen und die Aussteller sind mit der Besucherresonanz mehr als zufrieden. Deutlich über 25.000 Comic-Kunst-Interessierte besuchten die Stadthalle, die 24 Ausstellungen im Stadtgebiet und die über 150 Veranstaltungen des breitgefächerten Rahmenprogramms.

Dabei war deutlich zu beobachten, dass nicht nur die Comic-Messe mit 150 Ausstellern, über 400 Künstlerinnen und Künstlern und annähernd 1000 Signierstunden die Faszination des alle zwei Jahre stattfindenden Festivals ausmacht, sondern dass auch die Ausstellungen und das Comic-Podium mit Vorträgen und Diskussionsrunden gleichermaßen gut besucht wurden. Offensichtlich wächst das Bedürfnis des Publikums stetig, sich vertiefend mit dem Medium Comic auseinanderzusetzen, schätzen die Organisatoren der Veranstaltung.


International wie noch nie



Der 15. Internationale Comic-Salon präsentierte sich so international wie selten zuvor. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut wurden Künstler aus Indonesien, Russland und aus dem arabischen Raum nach Erlangen eingeladen. Allein in der Hauptausstellung des Salons mit dem Titel "Illustration der Geschichte - Comics aus der arabischen Welt", die sich mit der Rolle der Comics im gesellschaftlichen und politischen Transformationsprozess in Nordafrika und im Nahen Osten auseinandersetzt, wurden Arbeiten von über 50 Künstlern aus Ägypten, Algerien, Marokko, Tunesien, dem Libanon, Jordanien, den Palästinensischen Gebieten und Syrien präsentiert, mehr als 20 von ihnen waren in Erlangen anwesend.

Im Mittelpunkt des Interesses stand der ägyptische Zeichner Magdy El-Shafee, dessen Graphic Novel "Metro" - in Ägypten nach wie vor verboten - zum Salon in deutscher Sprache erschienen ist. Informationen zu den Künstlern, ihren Werken, den historischen und politischen Hintergründen wurden in dieser Ausstellung über QR-Codes und iPads vermittelt, ein Angebot, das von den Besuchern sehr gut angenommen wurde. Außerdem fanden in der Ausstellung Skype-Interviews unter anderem mit syrischen Künstlern statt, die nicht in Erlangen anwesend sein konnten. Die Integration sozialer Netzwerke und interaktiver Technologien in eine neue Ausstellungskonzeption bezeichnen die Organisatoren als "geglückt".

Auf große Resonanz stießen auch die Ausstellungen zum 50. Geburtstag von Spider-Man, über den Comic- und Trickfilm-Pionier Winsor McCay, die Retrospektive des einflussreichen französischen Comic-Autors David B. und die Werkschau des amerikanischen Ausnahme-Künstlers Charles Burns, der neben dem Max und Moritz-Lebenswerk-Preisträger Lorenzo Mattotti zu den Stars des 15. Internationalen Comic-Salons Erlangen gehörte.
Zum Abschluss des Salons blickt die deutsche Comic-Szene optimistisch nach vorn. Wachsende Anerkennung, abwechslungsreiche Verlagsprogramme, herausragende Comic-Künstler, ein klares Bekenntnis der Stadt zur Fortsetzung des Salons und ein anspruchsvolles und interessiertes Publikum lassen einen spannenden 16. Internationalen Comic-Salon erwarten, der vom 19. bis 22. Juni 2014 sein 30. Jubiläum feiern wird.