"Großbrand in Uehlfeld! Rund 72 Gebäude brannten ab, darunter 63 Häuser, die Synagoge, Scheunen, Stallungen und vieles mehr. Menschen kamen zum Glück nicht zu Schaden, doch wurde eine Menge Hab und Gut vernichtet." So etwa mag die Schlagzeile in den Tageszeitungen der hiesigen Umgebung von 1888 gelautet haben, als am 25.Mai dieses Jahres um 11.30 Uhr - andere Quellen sagen um 13.30 Uhr - der verheerende Brand ausbrach, der damals halb Uehlfeld in Schutt und Asche legte.

Ursache für die schnelle großflächige Ausbreitung, nachdem es im damaligen Anwesen Pfeiffer zum Brand gekommen war, war wahrscheinlich der Flug von Funken und mehr noch die leicht brennbaren Hopfendolden, die überall in den Scheunen zum Trocknen auslagen. "Früher musste man halt mit nem Kerzla rumlaufen", sagt Hans-Peter Klötzel, der heute in dem Anwesen wohnt, das unmittelbar an das angrenzt, in dem der Brand ausbrach und vielleicht sogar direkt mit ihm verbunden war. "Heute ist glücklicherweise alles komfortabler."
Am heutigen Samstag jährt sich der Großbrand zum 125. Mal. Das einschneidende Ereignis von damals ist Grund genug für die Gemeinde und nicht zuletzt auch für die örtliche Feuerwehr, auf das damalige Geschehen zurückzublicken. Zu feiern gibt es da natürlich nichts, aber sich in die Zeit hineinzuversetzen, das sollte schon erlaubt sein.

In Ausgabe 12 der "Zeitung für das Feuerlöschwesen", die in den ersten Jahren nach der Gründung des Bayerischen Landesfeuerwehrverbandes Ostern 1868 über die damaligen Ereignisse berichtete, war zu lesen: "Es war Freitag, den 25. Mai, mittags 11/12 Uhr, als in einer Scheune Feuer bemerkt wurde und dies in wenigen Minuten sich so verbreitete, daß auch die Nebengebäude in Flammen standen; vom heftigen Nordwind angetrieben, verbreitete sich das Feuer in Schnelligkeit auf sämtliche noch im Wege stehenden Gebäude bis zum sogenannten oberen Torhause. Man glaubte nun, das Feuers Herr zu werden, da das Ende des Dorfes in dieser Richtung erreicht war, da drehte sich der Wind mehr westlich und verbreitete sich das Feuer über die Straße auf den östlichen Teil des Dorfes. ,Feuer in der Judengasse' hieß es, und in wenigen Minuten stand dieser Teil des Dorfes, circa 35 Gebäude nebst der Synagoge, in Flammen."

Feuer flackerte immer wieder auf

25 Feuerwehren aus der gesamten Umgebung waren vor Ort und taten, was mit der damaligen Ausrüstung möglich war. Ein Augenzeuge wusste einem alten Zeitungsbericht von 1948 zufolge noch, dass der Brand bis zum Abend zwar eingedämmt war, jedoch noch acht Tage lang an verschiedenen Stellen immer wieder aufflackerte. Ob es eine Brandwache der Feuerwehr gab, wie heutzutage nach einem Großbrand üblich, oder ob sich die ohnehin geschädigten und obdachlos gewordenen Bürger und die anderen Dorfbewohner selbst um die Verhinderung des Wiederaufflackerns kümmern mussten, ist nirgends vermerkt.
"Heute jedenfalls", sagt der amtierende Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Uehlfeld Markus Kraft, "würde man eine solche Katastrophe sicher verhindern können. Mit der modernen Ausrüstung der heutigen Feuerwehr wäre die Sache anders anzupacken. Wir könnten Wasserwände aufbauen, um die anliegenden Gebäude zu schützen, ein Leitungsaufbau aus der Aisch - damals vermutlich noch mit Feuerwehreimern - wäre dank der überall im Ort vorhandenen Hydranten nicht nötig, und auch große Tanklöschfahrzeuge wie unser TLF 16 verhinderten Zeitverlust. Die Hilfe von Nachbarfeuerwehren, so wie damals, bräuchte man natürlich sicher auch - aber gemeinsam hätten wir das wahrscheinlich in den Griff gekriegt." Im gleichen Sinn äußerte sich Bürgermeister und Feuerwehrvereinsvorsitzender Werner Stöcker (CSU).

Überzeugt von den wesentlichen Verbesserungen im modernen Brandschutz sind auch Simon, mit zwölf Jahren jüngstes aktives Mitglied, und der 14-jährige Johannes von der Jugendfeuerwehr. Fürs Bild schlüpft Johannes gerne in die alte Uniformjacke, die aus der Asservatenkammer stammt und vielleicht sogar genau zur damaligen Zeit von einem der Feuerwehrleute getragen wurde. Aber damit bei einem Einsatz dabei sein?
Heute dürfte er das ja noch gar nicht an vorderster Stelle. Aber damals? "Ich hätte bestimmt versucht mitzuhelfen und so viele Eimer geschleppt, wie nur irgend möglich", zeigt er sich sicher.
Die Pumpe, vor der die beiden Jugendfeuerwehrler stehen, war vielleicht sogar bei dem Großbrand im Einsatz. Im Jahr 1877 hatte es in Neustadt einen Großbrand gegeben, zu dem unter anderen auch Uehlfeld gerufen wurde. Ohne eine vorhandene Pumpe - bloß zum Eimertragen oder wegen einer Spritze - wären vermutlich andere Feuerwehren näher gelegen.

Auch der Helm, den der zwölfjährige Simon in Händen hält, stammt aus jener Zeit. Er gehörte dem Urgroßvater des langjährigen Kommandanten und späteren Kreisbrandrats Herbert Wettschureck. Der Urgroßvater war als späterer Kommandant vermutlich schon zur Zeit des Großbrandes 1888 Mitglied der damaligen Feuerwehr war. Auch Simon wäre beim Löschen dabei gewesen "so weit vorne, wie ich gedurft hätte".
Die Informationen über den Großbrand von 1888 stammen aus den Nachforschungen des verstorbenen Rektors und Heimatforscher Karl Schmer laut seinem Buch "Markt Uehlfeld, Geschichtliches und Geschichten unserer Dorfheimat, Band 3" und seiner Zusammenstellung in der Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Uehlfeld 1994.