Die fünf Mitglieder des Wahlausschusses für die Pfarrgemeinderatswahl gleichen die Listen ab, wer wem die Wahlunterlagen in den Briefkasten wirft, und packen dann die nach Straßen gebündelten Umschläge in 62 Tüten. Ab Montag werden werden die Austräger des Pfarrbriefes die Wahlbriefe in die Postkästen aller 5289 Katholiken stecken, die zur Pfarrei St. Georg gehören. In der Höchstadter Innenstadt, in Außenorten wie Biengarten oder Ailersbach.

Bis zum 16. Februar um 16 Uhr hoffen Paul Kiefer, Karl Krippner, Georg Walcher, Gerhard Wirkner und Peter Schramm, dass so mehr Gläubige ihre Stimme abgeben als Bisher. Bisher, dass war eine Wahlbeteiligung von zehn Prozent. Und das entspricht wiederum etwa der Hälfte der Gottesdienst besucher.

"Mit zehn Prozent lagen wir eher um oberen Bereich des Trends", sagt dazu Dekan Kemmer. Für ihn ergibt sich aus der niedrigen Quote die Frage nach der Legitimation von Entscheidungen, die das Laiengremium für das kirchliche Leben trifft.


Vorreiter Eichstätt und Würzburg

Höchstadt ist nicht die erste Pfarrei in Bayern, die auf die Briefwahl zurückgreift. In den Diözesen Eichstätt und Würzburg hat man damit schon gute Erfahrungen gemacht. "Auf 30 bis 33 Prozent ist sie in den teilnehmenden Gemeinden gestiegen", weiß Gerhard Wirkner, der Wahlausschussvorsitzende. Und das hat ihm so imponiert, dass er im Herbst die aufwändige Logistik anleierte.

Die Adressetiketten für den Zusendeumschlag und für den Wahlschein bekamen die Höchstadter von einer zentralen Datei erhalten. Die aller Katholiken in der Pfarrei über 14 Jahre. Da aber alle Gefirmten wahlberechtigt sind, ging der Wahlausschuss die jüngsten Firmlisten durch. 73 junge Leute kamen so noch dazu. Das war dem Ausschuss wichtig, denn die Auswertung der letzten Pfarrgemeinderatswahl vor vier Jahren brachte zu Tage, dass die Hauptwählergruppe die Altersgruppe zwischen 50 und 60 ist.

Erst in den letzten Tagen haben die fünf Männer die Anschreiben an zwischenzeitlich Verstorbenen aussortiert. Dazwischen lagen etliche Abende, an denen sie fleißig klebten und prüften, ob denn die Adresse auf dem Umschlag und auf dem Wahlschein zusammenpassen.

"Das dauert sein Zeit, aber Kontrolle ist besser, wenn Menschen arbeiten", meint Kiefer und lockert nochmals sein Schultern. Immer die gleiche Bewegung verspannt. "Wer bis Samstag keine Wahlunterlagen hat, soll sich umgehend bei uns melden", ergänzt er noch.

Im Umschlag ist ein Infoblatt über die 22 Kandidaten für die zwölf Ratsposten, eines über den Wahlablauf samt Rückgabemöglichkeiten, der Rückgabeumschlag, in dem dann der unterschriebene Wahlschein steckt und der eigentliche Wahlbrief mit dem ausgefüllten Stimmzettel.


Rückgabe

Zurückgegeben werden können die Wahlunterlagen einmal durch Einwurf in die Wahlurne, die während der Gottesdienste in der Stadtpfarrkirche steht, durch Einwurf in den Briefkasten des Pfarramts oder durch Rücksendung per Post. Das allerdings kostet die Kirchenverwaltung jedes Mal 60 Cent. Aber auch diese Kosten nehmen die Höchstadter in Kauf, um mehr Wahlbeteiligung zu erreichen.

"Wir können uns nicht über mangelnde Beteiligung an den Aktionen des Pfarrgemeinderats beklagen", sagt Dekan Kemmer. Aber er möchte die Frauen und Männer, die dahinterstehen, bekannter machen.


Anderen empfehlen

Und: "Wenn es ein guter Erfolg wird, dann will ich es in der Dekane-Konferenz weiter empfehlen." Dafür stehen die Chancen gut. Denn bei den Wahlen zur Kirchenverwaltung im vergangenen Jahr haben ein Drittel der Wähler die Briefwahlunterlagen extra angefordert.

Die Kirchenverwaltung, ist das Gremium das über die Finanzen und auch die Immobilien der Kirchenstiftung entscheidet. Sie entspricht dem Stiftungsrat in anderen Stiftungen. Der Pfarrgemeinderat hingegen wirkt als Beratungsgremium für den Pfarrer in den Fragen des Lebens in der Pfarrgemeinde.

"Vermutlich sind wir nicht die einzige Pfarrei in der Erzdiözese, die diesmal diesen Weg beschreitet. Das schließt er aus einer Information des Adressdienstes. Die Erzdiözese München und Freising stellte Geldmittel für Pfarreien bereit, um die Kosten für Druck und Versand zu übernehmen. Bamberg hat sich dazu noch nicht geäußert.