Sie gehört zu Franken wie der Club oder das harte B, ist Ausdruck eines typischen fränkischen Lebensgefühls - die Bratwurst. Ihr Geschmack ist ebenso unbeschreiblich wie ihre Vielfalt, typisch fränkisch also. Zwischen Hof, Aschaffenburg und Ansbach wird sie in den verschiedensten Varianten produziert. Eines eint sie alle: Sie schmecken vorzüglich. Zumal dann, wenn sie nicht gebrüht sind, sondern frisch vom Metzger kommen, um dann in diversen Bratpfannen oder auf dem Grill zu landen.

Beim Kauf hat man die Qual der Wahl. Die Nürnberger bevorzugen ihre eigene kleine Variante. Wenn's schnell gehn muss, werden drei im Weckla verzehrt. Andernorts, wo die Würste größer sind, gibt es nur eine Wurst im Brötchen, oder eben ein Paar. Irgendein Bratwurststand findet sich schließlich in jeder fränkischen Innenstadt oder Fußgängerzone. Kennzeichnend für den typischen Geschmack der Nürnberger Bratwurst ist Majoran, mit dem neben Salz und Pfeffer zusätzlich gewürzt wird. Die Nürnberger Bratwurst wird übrigens ausschließlich in Schafsdärme "verpackt", bevorzugt in Saitlinge aus dem Iran.

Verwendung finden zwar auch Schafsdärme aus Australien oder Neuseeland, den Metzgern sind jedoch die Saitlinge aus dem Iran oder Irak lieber. Weil die Schafe dort nicht nur weiches Gras zu fressen bekommen, sondern auch an Flechtwerk und ähnlichem herumknabbern. Das macht die Därme stabiler, sie platzen beim Erhitzen nicht so schnell auf. Allein diese kleine Detail mag schon erhellen, mit welcher Akribie der Franke vorgeht, wenn es um seine Bratwurst geht. Die Nürnberger haben sich darüber hinaus die Bezeichnung "Nürnberger Bratwurst" als geografische Herkunftsbezeichnung sogar von der EU schützen lassen.

Nur Bratwürste, die im Stadtgebiet von Nürnberg nach einer im Jahr 1998 genau fixierten Rezeptur gefertigt werden, dürfen sich Nürnberger Bratwürste nennen.

Geschmacklich kommt die Ansbacher Bratwurst der Nürnberger sehr nahe, sie ist allerdings deutlich größer. Das heißt, sie erreicht mit 15 bis 20 Zentimetern das in Ober-, Mittel- und Unterfranken übliche Ausmaß. Bekannt für ihre Bratwürste sind auch die Coburger. Von grober Machart werden sie über einem Feuer aus Kiefernzapfen lange gebraten und erhalten durch den dichten Rauch der brennenden Zapfen ein zusätzliches unverwechselbares Aroma. Daneben lassen sich zwischen Aschaffenburg und Hof die Franken in den unterschiedlichsten Bratwurstlaunen und -varianten aus.

So kreierten die Würzburger eine Winzerbratwurst, die, 15 bis 20 Zentimeter lang, neben den üblichen Zutaten auch noch einen Anteil weißen Frankenweins enthält. Die Schweinfurter wiederum bevorzugen eine grobe Brühwurst aus Schweinefleisch - ohne Zusatz von Wein. Und in Bamberg entwickelt sich die Kümmelbratwurst zu einem echten Renner.

Im mittelfränkischen Aischgrund gelang die geradezu ideale Symbiose einer fränkischen Bratwurst mit einer weiteren fränkischen Spezialität, dem Aischgründer Spiegelkarpfen. Die Karpfenbratwurst stößt angeblich immer wieder auf ihre Liebhaber. Und in Bayreuth gibt es - wie sollte es auch anders sein - anlässlich der Wagner-Festspiele selbstverständlich auch die berühmten Festspielbratwürste. Wer fränkische Bratwürste genießen möchte, jedoch mit Schweinefleisch nichts im Sinn - auch kein Problem. Es gibt Rindsbratwürste genauso wie Würste, die ausschließlich aus Lammfleisch hergestellt werden. Für jeden Geschmack ist also was dabei, wenn es um die fränkische Bratwurst geht. Selbst für Vegetarier. Für die gibt es - richtig - die vegetarische Bratwurst.