Es ist und bleibt ein schwierig' Ding mit den Zahlen, vor allem in der Kultur. Vieles bleibt Interpretationssache. Bodo Busse hat Coburg Glanz und Gloria verschafft, in der lokalen Gesellschaft Theater als besonderen Faktor von Lebensqualität (wieder) stärker ins Bewusstsein und überregional Anerkennung gebracht wie nie zuvor. Er wurde zum Abschied letzte Woche geradezu hymnisch gefeiert. Nach sieben Spielzeiten verließ er Coburg und ist nun Generalintendant des Staatstheaters Saarbrücken.
Die Zahlen allerdings haben an Glanz eingebüßt verglichen mit Busses ersten Spielzeiten hier in Coburg. Jedoch lag er zum Schluss immer noch über dem, was mit einigen seiner Vorgänger zu erleben war.
73 Prozent Auslastung weist die Statistik für die Zeit vom 1. September 2016 bis 17. Juli 2017 aus. Busse hatte zuvor auch begeisterungsfördernde über 80 Prozent erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr wurde das Niveau gehalten. Davor gab es einen Einbruch von 6000 Besuchern, was aber der durch den Rechnungshof erzwungenen Ein- trittspreiserhöhung geschuldet war. In der nun zu Ende gegangenen Spielzeit nahmen 117 200 Besucher die Angebote des Landestheaters wahr, im Jahr davor waren es 118 700, davor eben sogar 124 000.
Schon immer stand hinter der reinen Auslastung die Frage, was wurde wie oft gespielt. Mit mehr Vorstellungen, also größerem Angebot kann man am Ende schlechtere Auslastung erzielen. Mit 557 Veranstaltungen lag das Landestheaters etwas unter dem Angebot des Vorjahres (587 Veranstaltungen). Blickt man weiter in die Details, zeigt sich vor allem auch die künstlerische Ambition Busses, der er bis zum Schluss treu blieb.
Seine Leidenschaft ist das Musiktheater. Mit Wagners "Parsifal", der überregional Staunen hervorrief, zog das Landestheater 3538 Besucher in acht Vorstellungen, was einer Auslastung von 91 Prozent bedeutet. "Die Hochzeit des Figaro", die im Herbst wieder aufgenommen wird, wollten bisher in sechs Vorstellungen schon 2458 Besucher sehen (84 Prozent). Dagegen stehen Busses achtenswerte Ausflüge in die Moderne: "The Raven/La voix humaine" mochten nur 651 Besucher sehen. Die Produktion war trotzdem ein Geschenk.


Sind neue Impulse nötig?

Dass Janáceks in der Erwartung hoch eingestuftes "Schlaues Füchslein" nur 41 Prozent Auslastung erzielte, trifft wohl die von Busse in seinem Tageblatt-Abschlussinterview (12. Juli) formulierte generelle Einsicht: "Das Publikum hat einen Anspruch darauf, irgendwann andere Impulse zu erleben." In bestimmten Bereichen verweigerte es Bodo Busse so allmählich die Gefolgschaft. Er nannte das mit klugem Gespür für die Realität im Tageblatt-Gespräch: "Natürlich hat man irgendwann einen gewissen Kreis ausgeschritten." Er wünschte sich mehr Aufgeschlossenheit.
Was nicht gegen seine Gesamtkonzeption als Intendant in den letzten sieben Jahren spricht. Denn Busse respektierte ja immer das Bedürfnis nach guter Unterhaltung: Zuletzt war das "Die Schatzinsel", das von Schauspielchef Matthias Straub mittlerweile mit großer Überzeugungskraft geschaffene, weitere Musikschauspiel: Sage und schreibe 15 630 Besucher wollten dieses Musical in 34 Aufführungen sehen (94,6 Prozent Auslastung). Cole Porters "Anything Goes" brachte es auf 10 300 Besucher.
Im Ballett hatte man mit Roland Fisters selbst komponierter "Alice im Wunderland" vielleicht auch etwas mehr Interesse erwartet (4650 Besucher, 68,4 Prozent Auslastung).
Das Schauspiel hat ganz unabhängig von der Coburger Situation einen immer schwereren Stand. Das sogenannte Weihnachtsmärchen, diesmal die wunderbare "Schneekönigin" brachte zuverlässig 22 600 Besucher. Zu erleben aber, dass sogar eine unter die Haut gehende Schullektüre wie "Antigone" nicht mehr als 2710 Besucher erreicht, dass Schillers "Wallenstein" bisher auch nur zur Hälfte ausgelastet lief, tut weh. "Wallenstein" hat in der kommenden Spielzeit noch Chancen.


Die Reithalle lief schon besser

Für die Reithalle mit ihrem auf Gegenwartstheater ausgerichteten Programm gilt Ähnliches. Hier kamen in dieser Saison 6120 Besucher, was einer Auslastung von 69 Prozent entspricht. Die Reithalle lag schon besser. Gut gemachte Komödie geht halt immer: "Frau Müller muss weg" war mit elf Vorstellungen (annähernd 100 Prozent Auslastung) der Renner.
Im vielseitigen Konzertbereich unter der Leitung von Generalmusikdirektor Roland Kluttig blieben die Sinfoniekonzerte des Philharmonischen Orchesters Garanten höchsten Interesses.


Ein Auszug aus der Besucherstatistik:


GROSSES HAUS
259 Vorstellungen, 90 150 Besucher, 92,4 Prozent Auslastung

Musiktheater Beethoven "Fidelio": 3436 Besucher (54,4 Prozent); Humperdinck "Hänsel und Gretel": 2555 Besucher (75,1); Wagner "Parsifal": 3538 Besucher (91); Hosokawa/ Poulenc "The Raven"/"La Voix Humaine": 651 Besucher (35,3); Offenbach "Orpheus in der Unterwelt": 4442 (60,9), Korngold "Die stumme Serenade": 3280 Besucher (56,2)

Schauspiel Straub "Die Schatzinsel": 15 634 Besucher (94,6); Galceran "Die Grönholm-Methode": 1030 Besucher (42,4); Andersen "Die Schneekönigin": 22 599 Besucher (89,4); "Antigone": 2714 Besucher (55,8); Fassbinder "Katzelmacher": 1842 (47,4)
Konzerte 4421 Besucher (72,1) 4. Sinfoniekonzert: 511 Besucher (105,1)

REITHALLE
166 Vorstellungen, 11 500 Besucher (71,5 Prozent)
Hübner "Frau Müller muss weg": 1087 Besucher (99,8); Orwell/Yamamoto "1984": 503 Besucher (84,7); Jelinek "Wut": 473 Besucher (87,6); Herrndorf "Bilder deiner großen Liebe": 493 (45,3); Herrndorf "Tschick": 1087 Besucher (76,3); Ratthei "Jihad Baby!": 612 Besucher (68,7): First Steps: 431 Besucher (86,6)

SONSTIGES
Polt-Abend Hofbräu "Ich sinnlose so vor mich hin": 1788 Besucher (93,1); Adventskalender: 1649 Besucher, Gastspiele in Ludwigshafen: "Vogelhändler" 2305 Besucher; "Copacabana" 1402 Besucher