Jetzt am Meer. Kräftig durchatmen. Mit den nackten Füßen durchs Meer waten. Das Rauschen im Ohr und den klaren Sternenhimmel über uns. Das wär's doch. Erholung für Körper, Geist und Seele.
700 Kilometer trennen uns von dieser Wunschvorstellung. Dabei gibt es Alternativen, die so nah liegen: Im Landkreis Coburg haben wir zwei Salzgrotten, eine in Lautertal, eine in Bad Rodach. Und in der Werbung dafür heißt es: Ein 45-minütiger Aufenthalt erzielt dieselbe Wirkung wie drei Tage am Meer. Naja, das will erst mal bewiesen werden.

Petra Stupka, Inhaberin von "Der Salzkristall" in Lautertal, erklärt, wie's gemeint ist: "Der Solegehalt der Luft in dem Salzraum ist so hoch, dass das Salz die Wirkung hat, wie eben am Meer." Und tatsächlich: Nach einer dreiviertel Stunde auf dem Wasserbett, umgeben von 15 Tonnen naturgewachsenem, 250 Millionen Jahre altem Himalaya Salz, Sonne-Mond-und Sterne-Lichtspielen an den Wänden und Decken fühle ich mich entspannt, rein und schmecke das Salz auf meinen Lippen.

Noch einmal tief durchatmen und dann gibt's an der Theke ein Glas Wasser gegen den Durst. Von wegen. Richtig salzig schmeckt's , aber bekömmlich. "Das versorgt Sie den ganzen Tag mit den notwendigen Mine ralien", sagt Petra Stupke - und gleich lässt es sich genießen.

Gegen Heuschnupfen

Das Gespräch kommt auf Luca. Der Neunjährige besucht regelmäßig mit seiner Oma die Salzgrotte, weil er so schlimm Heuschnupfen hat. "Schon nach dem vierten Besuch hier, ging es mir besser. Meine Augen sind nicht mehr so gerötet und ich huste viel weniger", sagt der Junge. Wegen ihrer Hautirritationen kommt Louisa Süße nach Lautertal. Durch die regelmäßige Behandlung mit dem Salz hat sie ihre Haut wieder in Griff bekommen. "Ich mach' Soleumschläge und Waschungen mit Salz.

Meine Haut ist viel reiner", freut sie sich. Seit 35 Wochen kommt Frau Wurzinger in den "Salzkristall". "Ich habe Probleme mit meiner Lunge und beim Luft holen", sagt sie. "Die Besuche in der Grotte tun mir richtig gut, ich kann schon wieder viel leichter atmen."

Mehr Sauerstoff im Blut

So ging es auch Petra Stupka, die selbst unter schlimmen Atemwegsbeschwerden litt. Doch die Erfolge nach den regelmäßigen Besuchen im Natursalzraum in Bad Rodach überzeugten sie. Der Sauerstoffgehalt in ihrem Blut hatte sich wesentlich verbessert und sie braucht auch kein Asthmaspray mehr. So entschied sie sich, eine eigene Salzgrotte zu eröffnen.
Das war vor einem Jahr. Eine Fachfirma richtete den Raum mit acht bis zehn Plätzen ein. Sogar einen kleinen Sandkasten für Kinder gibt es. Und bei Vorlage der AOK-Mitgliedskarte werden zehn Prozent Rabatt gewährt.

Das weiße Gold - und wie es in den Grotten wirkt

Salzgrotten, auch Salzkammern, Salzzimmer oder Salz-Spas genannt, sind Räume, deren Wände mit Salz verkleidet sind. Sie dienen der Halotherapie, indem das Mikroklima einer natürlichen Salzhöhle geschaffen wird. Sie sind nicht zu verwechseln mit Solegrotten.

Salzgrotten werden aus vielen Tonnen Steinsalz oder Meersalz gebaut. Einige haben Totes-Meer-Salz, viele das sogenannte Himalayasalz. In der Grotte wird die Temperatur meist auf 20 bis 22 °C und die Luftfeuchtigkeit auf 40 bis 50 Prozent gehalten.
Das Salzklima wird mittels Wasserläufen oder Soleverneblern geschaffen, oder es werden Salzgeneratoren eingesetzt, die das Salz zermahlen und in kleinste Partikel in den Raum blasen.

Geschichte Die Idee, eine Salzkammer therapeutisch zu nutzen, kommt ursprünglich aus Osteuropa. Festgestellt wurde die heilende Wirkung im 19. Jahrhundert durch die Erkenntnis der Arbeiter in polnischen Salzbergwerken, seltener an Erkrankungen der oberen Atemwege zu leiden als Angehörige anderer Berufsstände.

Der polnische Arzt Feliks Boczkowski, der das Salzbergwerk Wieliczka betreute, dokumentierte dieses Phänomen erstmals 1843. In denjenigen osteuropäischen Regionen, wo es sowohl natürliche Karsthöhlen als auch zahlreiche Salzstollen und Salzbergwerke gibt, entstanden seit den 1950er Jahren Therapiezentren für Asthmatiker. Im deutschsprachigen Raum hatte zwar um 1950 der Arzt Karl-Hermann Spannagel bereits die gesundheitsfördernde Wirkung der Kluterthöhle erkannt, in die sich die Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg zum Schutz vor Bombenangriffen zurückgezogen hatte. Doch erst seit der Jahrtausendwende verbreitet sich die Halotherapie in Kurbädern, Thermen und Wellness-Anlagen aller Art.

Wirkung Die Grotte wird in Straßenkleidung, jedoch ohne Schuhe betreten; ca. 45 Minuten Aufenthalt im Liegestuhl, in eine Decke eingehüllt, sind in der Regel vorgesehen. Die Inhalation des Salzes und begleitender Mineralien und Spurenelemente - Jod, Kalzium, Magnesium, Brom - wird bei chronischen Infekten der Atemwege und Allergien empfohlen.

Aufenthalte können spürbare Linderung bewirken bei: Asthma bronchiale, allergische und chronische obstruktive Bronchitis, Heuschnupfen und andere Formen von allergischen Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündung, Überempfindlichkeit der Atemwege, Hauterkrankungen, wie Neurodermitis und Psoriasis (Schuppenflechte), Schlafstörungen, Tinnitus,
Depressionen, Burn-Out-Syndrom.

Adressen In unserer Region gibt es zwei Salzgrotten:
Der Salzkristall, Inh. Petra Stupka, Rödentaler Straße 7, Lautertal, und Der Natursalzraum, Inh. Andrea Porske, Heldburger Straße 18, Bad Rodach