Was hat eigentlich ein Akkuschrauber mit Eiern, mehreren Gartenscheren und einem Traktor zu tun? Auf diese Frage findet sich schnell beim Obst- und Gartenbauverein Großgarnstadt eine Antwort, denn schon längst werden nicht nur in der Fränkischen Schweiz zu Ostern Dorfbrunnen geschmückt. Auch in der Coburger Region gibt es nahezu in jeder Gemeinde Brunnen, die pünktlich zum Osterfest herrlich dekoriert und herausgeputzt werden, wie eben auch in Großgarnstadt. Dort hat es sich ein Team aus Mitgliedern des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins zur Aufgabe gemacht, den Brunnen, der in der Kirchstraße gegenüber vom Wank-Haus steht, zu verschönern.

Für die Vorarbeiten werden mit dem Akkuschrauber Löcher in die Eier gemacht. Mit geübten Händen und scharfen Gartenscheren schneiden die Mitglieder das frische Grün zurecht, das alljährlich die Basis für die tollsten Brunnenideen bildet. Mit seinem Traktor fährt schließlich der ehemalige Vorsitzende Reiner Brückner die Einzelteile am Tag des Aufstellens an den Brunnen. "Generell streben wir jährlich eine wechselnde Brunnendekoration an und probieren immer etwas Neues aus", erklärt die stellvertretende Vorsitzende Marion Meßbacher.


Was aus einer alten Fahrradfelge wurde

Bei der Konzeptfindung spielen gleich mehrere Faktoren eine wichtige Rolle. Beispielsweise wird überlegt, was am Brunnen betont werden soll, welche Farben gewählt werden oder ob neben starren auch bewegliche Elemente mit eingebaut werden. Anfänglich kamen die Ideen aus den Reihen des Vorstands. Seit einigen Jahren ist die stellvertretende Vorsitzende dafür verantwortlich, die sich mit Margit Brückner beim Farbkonzept abspricht und für die Umsetzung ganz auf die Erfahrung, das handwerkliche Geschick und die Kreativität von Reiner Brückner vertraut. "Es ist immer wieder erstaunlich, was sich in seinem Keller findet, das wie geschaffen für die Umsetzung des jeweiligen Osterbrunnenkonzeptes ist",verrät Meßbacher. Heuer kam beispielsweise eine alte Fahrradfelge zum Einsatz, die als Basis für den oberen Ring dient, um die langen Eierketten auch entsprechend schwingen zu lassen.


Gelb für ein gutes Gefühl

In diesem Jahr ist der Brunnen recht bunt. Allerdings stehen Gelb und Lila sowie Rottöne im Vordergrund. Die Ideengeberin hofft, dass das satte Gelb des bunten Osterbrunnens die ersten Sonnenstrahlen intensiviert und Frühlingsgefühle versprühen wird. Bis der Brunnen steht, sind zeitintensive Vorarbeiten notwendig. Wenn der Plan gemacht ist, werden die Umsetzungsmöglichkeiten besprochen und gegebenenfalls ausgetestet. Im Anschluss müssen die benötigten Konstruktionen vorbereitet, das Farbkonzept festgelegt und die Materialien zusammengesucht beziehungsweise gekauft werden. Auch wenn die Kosten eher gering sind, da beispielsweise das Grün und Materialien von Mitgliedern oder Einwohnern stammen, steckt hinter der Dekoration Arbeit. Heuer gingen zwar die Vorarbeiten mit rund drei Stunden recht flott von der Hand. Aber schon dafür waren neun Mitglieder im Einsatz. Es gab aber auch schon Jahre, in denen die Arbeiten fast einen halben Tag in Anspruch nahmen, weil beispielsweise Girlanden oder Eierketten an die 40 Meter lang waren.

Handwerklich nicht ganz einfach umzusetzen waren diesmal sicher die kleinen Bögen mit den gelben Eiern am oberen Ring. "Diese mussten so groß werden,dass sie im Grün des Ringes nicht untergehen, und so stabil sein, dass sie nicht nach außen oder innen wegkippen", erklärt die stellvertretende Vorsitzende. Beim Anfertigen der Eierketten wurde auf Christbaumkugelaufhänger zurückgegriffen. Diese garantieren einen kleinen Abstand zwischen den einzelnen Eiern, was gefälliger wirkt als das Auffädeln auf Draht oder Schnur. Als beruhigender Anker wirkt der grüne Brunnenrand.

Aktuell kann bis auf zehn verschiedene Farben bei den Eiern zurückgegriffen werden, was das Farbkonzept sehr variabel macht und die verschiedensten Kombinationen ermöglicht. "1987 wurde der neue Brunnen erstmals geschmückt", erinnert sich der ehemalige Vorsitzende Reiner Brückner. Diesen erhielt Großgarnstadt 1986 als "Siegprämie" aus dem Wettbewerb "Das schönere Dorf". In den 1990er Jahren erfolgte die Gestaltung in Zusammenarbeit mit der Grundschule, die es damals noch in Großgarnstadt gab und mit der OGV-Jugendgruppe "Öko-Oase". Die Brunnen in den ersten Jahren waren häufig mit einem zeitintensiveren Aufbau verbunden, weil damals auch noch das Umfeld des Brunnens miteinbezogen wurde. Dabei wurden aktuelle Trends berücksichtigt, wie beispielsweise stehende oder sitzende Osterhasen. Aufgrund ihrer Sperrigkeit wurden diese mit dem Gabelstapler angeliefert.


Es gibt immer viel Lob

Einmal wurde sogar einüberdimensionales Osterei aus Weidengeflecht als Brunnenschmuck hergestellt oder der Brunnen fast komplett mit Grün verkleidet. Alljährlich dient der Brunnen vielen Konfirmanden als attraktives Fotomotiv. Eigentlich bepflanzen die Mitglieder im Zuge des Aufstellens auch die kleine Anlage hinter und neben dem Brunnen. Da der Boden zu diesem Zeitpunktgefroren war, wird dies nachgeholt. Obwohl es keine spezielle Veranstaltung am Aufstelltag gibt, weil es meistens kalt ist, halten Autofahrer an, erhaschen einen Blick auf die Arbeiten oder werfen den Mitgliedern aufmunternde Worte zu. Auch von den Einwohnern oder Besuchern, die zu Ostern nach Großgarnstadt kommen, gibt es für den Osterbrunnen immer viel Lob.