80 Teilnehmer und Teilnehmerinnen kämpften bei den Stadtmeisterschaften im Coburger Kletterzentrum um die Podestplätze. Und das in acht Startklassen. In der Vorrunde hieß es für die Jugend bouldern und für die Erwachsenen "Rotpunkt nach Routenlos" in den bestehenden Touren.

Dieser im letzten Jahr neu eingeführte Modus bringt einen gewissen Überraschungsmoment ins Spiel und begünstigt die fleißigen Kletterer, die in den letzten Wochen die Routen geübt haben. In der Hauptrunde kletterten dann alle zwei neu geschraubte Routen. Punkte gab es dabei für jeden eingehängten Sicherungspunkt.

Routenschrauber gefordert

Während sich Route 1, dem Anspruch eines Jedermann-Wettbewerbs gerecht werdend, im moderaten Schwierigkeitsbereich bewegte, musste Route 2 für die Differenzierung sorgen. Eine anspruchsvolle Aufgabe für die Routenschrauber.

Bei den Jungs bis 18 scheiterten die drei Führenden an der gleichen harten Dachpassage und das Vorrundenergebnis musste entscheiden. Es gab den Ausschlag für Linus Negele, der im Gegensatz zu Julius Feldner und Levi Pientka alle Vorrundenboulder getoppt hatte.

Die drei starken Herren Urs Leuthäusser, Jan Carlsen und Marius Radtke waren in derselben Route wie die Jungs unterwegs und konnten sie souverän bis zum Ende klettern. Auch hier war am Ende das Vorrundenergebnis ausschlaggebend.

Ebenfalls mehrere Tops in der zweiten Wettkampftour gab es bei den Ü40-Damen: von der Siegerin dieser Klasse, Johanna Beetz, und von Tetyana Lutsyk. Letztere hatte Pech mit den Vorrundenlosen und musste, trotz der tollen Leistung in der Hauptrunde, mit Platz 3 zufrieden sein, hinter Yvonne Oldani.

"Oldie" Klaus Horbaschek siegt

Bei den Ü40-Herren nutzte Klaus Horbaschek seine tolle Form und die verletzungsbedingte Abwesenheit des kompletten Vorjahrespodiums für seinen ersten Stadtmeistertitel. Er schaffte es als Einziger über eine knifflige Einzelstelle in der Wandmitte, an der die Zweitplatzierten Thomas Herres und Martin Heß gescheitert waren.

Die zweite Route für die Damen und die Mädels bis 18 blieb als einzige Hauptrundenroute unbezwungen. Am weitesten kam Alina Reinhart, die sich damit in der Jugendkonkurrenz klar vor Mara Kuhles platzierte.

Roos vor Paulus und Beyer

Knapper war es bei den Damen, wo sich Verena Roos vor Steffi Paulus und Kathrin Beyer durchsetzte. Die stärksten Teilnehmerzahlen verzeichneten die Altersklassen bis 15, überzeugender Beleg für Begeisterung und Engagement des DAV-Nachwuchses. Und absolut überzeugend waren hier auch die Vorstellungen der Athleten und Athletinnen.

Die orange-blaue Route der Mädels schien im Dach einen Tick zu schwer zu sein. Bis zum Auftritt von Kathi Ruckdäschel, die nach tollem Fight das Top erreichte. Das Gleiche war kurz vorher ihrem Bruder Ben im langen grünen Dach der Jungsroute gelungen, der sich damit im Zweikampf gegen Salvador Knauer durchsetzte.

Bei den Mädels kletterte Antonia Müller auf Platz 2, sie verfehlte das Top nur sehr knapp. Platz 3 teilten sich Emily Jung und Antonia Horbaschek.

Spannung beim "Superfinale"

Der Entscheidung über Vor- und Hauptrunde folgt bei der Kletterstadtmeisterschaft traditionell das "Superfinale" mit den Bestplatzierten der einzelnen Altersklassen. Sie messen sich in spektakulären Routen durch das lange Dach des Kletterzentrums. Die Zuschauer kamen auch in diesem Jahr wieder voll auf ihre Kosten und die tolle Stimmung in der Halle beflügelte die Wettkämpfer.

Bei den Damen hatte, wie schon in der Hauptrunde, Kathi Ruckdäschel den letzten Versuch und nutzte ihn für einen souveränen Sieg. Die Stelle, an der zuvor drei Athletinnen gescheitert waren, meisterte sie noch souverän, zwei Züge weiter war aber auch ihre Ausdauer am Ende. Das Superfinale der Damen blieb also ohne Top.

Anders bei den Herren: Hier ließ zunächst Jan Carlsen, der zweifellos stärkste Coburger Kletterer (auf seinem Felskonto stehen mehrere Routen im 11. Schwierigkeitsgrad), keinen Zweifel am Durchstieg aufkommen und beeindruckte mit flüssigem und sehr souveränem Kletterstil. Das gelang nach ihm nur dem erst zehnjährigen Ben Ruckdäschel. Danach kam auch Urs Leuthäusser sehr weit und scheiterte erst am vorletzten Zug. Marius Radtke musste sich zwei Züge vorher geschlagen geben. bl Spektakuläre Züge Den sportlichen Höhepunkt der Coburger Kletter-Stadtmeisterschaft bot eindeutig der letzte Go des Tages: Der erst zehnjährige Ben Ruckdäschel konnte die Route ebenfalls toppen. Die Art und Weise war echte Werbung für den Klettersport: Ruhig, kraftvoll und mit sehr viel Bewegungsgefühl gelingen ihm die spektakulärsten Züge.

Immerhin ist er ja mehr als zwei Köpfe kleiner als seine Mitstreiter. Das erfreulich zahlreiche Publikum war hellauf begeistert. Am Ende teilte sich der zehnjährige Nachwuchscrack mit dem 27-jährigen Coburger Top-Kletterer Jan Carlsen einvernehmlich den Titel des Stadtmeisters 2019. Paraclimber begeistern Eine tolle Sache bei diesem Wettkampf im Kletterzentrum war der Auftritt der Paraclimber, die zum ersten Mal an einer Stadtmeisterschaft teilnahmen. Heike Würstlein, Michele Jurina, Fabian Müller und Markus Räder demonstrierten eindrucksvoll, wie gut der Klettersport auch für Menschen mit Behinderung "funktioniert".

Unter fürsorglicher Betreuung von Wolfgang Tschödrich, der den Klettertreff für Menschen mit Behinderung schon vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat, zeigten die vier superstarke Leistungen und genossen das Mittendrin-Sein im Trubel des Wettkampfs, ihre Erfolgserlebnisse und den lang anhaltenden Beifall bei der Siegerehrung. Von sieben bis 81 Jahren Das sehr breite Altersspektrum der Teilnehmer bei den Stadtmeisterschaften, von Werner Zinser mit 81 bis zu Lara Horbaschek mit sieben Jahren, spiegelt die Struktur des DAV Coburg sehr gut wieder. Von den über 4000 Mitgliedern sind 25 Prozent unter 27, über 200 Kinder unter zehn Jahren gehören zur Sektion. Ganz ähnlich die Zahlen bei den Mitgliedern im Seniorenalter. Auch für sie bietet der DAV ein sehr breites Spektrum an Aktivitäten, vom gemeinsamen Wandern in allen Schattierungen über Sektionsausfahrten bis hin zum wöchentlichen Seniorenklettertreff. Die Ergebnisse Jungs bis 15 Jahren: 1. Ben Ruckdäschel, 2. Salvador Knauer 3. Lukas Nillies. Jungs bis 18 Jahren: 1. Linus Negele, 2. Julius Feldner und Levi Pientka. Herren 19 bis 40 Jahre: 1. Marius Radtke, 2. Urs Leuthäusser, 3. Jan Carlsen. Herren Ü40: 1. Klaus Horbaschek, 2. Thomas Herres und Martin Heß. Mädchen bis 15 Jahren: 1. Kathi Ruckdäschel, 2. Antonia Müller, 3. Emily Jung und Antonia Horbaschek. Mädchen bis 18 Jahren: 1. Alina Reinhart, 2. Mara Kuhles, 3. Anne Oeckler und Marie Wels. Damen 19 bis 40 Jahre: 1. Verena Roos, 2. Stefanie Paulus, 3. Kathrin Beyer. Damen Ü40: 1. Johanna Beetz, 2. Yvonne Oldani, 3. Tetyana Lutsyk Senioren: 1. Günther Schweißhelm, 2. Werner Zinser. Seniorinnen: 1. Brigitte Weidner

Paraclimbing: 1. Heike Würstlein, Michele Jurina, Fabian Müller und Markus Räder.