Willkommen im Land der Sehnsucht. Einen Abend lang den Traum vom sonnigen Süden träumen. Eine italienische Nacht lang den Melodienzauber von Verdi, Puccini und Mascagni genießen. "Heute ist Coburg die nördlichste Stadt Italiens", sagt Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig, bevor er den Taktstock hebt zum Klassik Open Air im Rosengarten.


Tenor-Hits und Liebesduette



Kluttigs drittes Coburger Open-Air-Konzert ist das erste ohne Regen oder Gewittersturm wie im vergangenen Jahr. Ein Abend, der vergessen lässt, wie viele trübe, kalte und verregnete Tage dieses Jahr schon beschert hat. Mit Tenor-Hits und Liebesduetten lässt es sich an diesem Abend wunderbar leicht gen Italien reisen - ohne lästiges Kofferpacken, ohne Stau und Frust auf der Autobahn.

Schönste Picknickwiese

"Italienische Nacht" - dieses Etikett lockt schon lange vor dem offiziellen Konzertbeginn Tausende von Besuchern an. Von geschätzten 7500 Besuchern war im vergangenen Jahr die Rede - in diesem Jahr scheint die Menge fast noch größer zu sein, auch wenn niemand offiziell Zahlen nennen will. Die Menge füllt den Rasen des Rosengartens fast bis hin zum Sintflutbrunnen. Jede Bank, jedes Mäuerlein, das zum Sitzen einlädt, ist besetzt.
Für einen Abend verwandelt sich der Rosengarten in zumindest Oberfrankens schönste und größte Picknickwiese.


Tschaikowsky zum Auftakt



Selbst in den hinteren Regionen des Rosengartens kommt dank geschickt verteilter Lautsprecher beachtlich guter Klang an. Den Traum vom sonnig warmen Italien träumte einst auch der russische Komponist Peter Tschaikowsky. Sein "Capriccio Italien" eröffnet den Abend. Dieses "Werk eines Italien-Touristen" (Kluttig über Tschaikowsky) ist gewiss ein Stück, über das sich bei Bedarf munter lästern lässt.


Feines Gespür


Dass Tschaikowsky in seinem Capriccio - manchen plakativen Passagen zum Trotz - mit feinem Gespür sehr wohl italienisches Flair eingefangen hat, lässt Kluttigs Interpretation klangvoll hörbar werden.


Bemerkenswert präzis musiziert


Schon hier wird wohltuend deutlich, dass ein Freiluft-Konzert kein Vorwand sein muss für allzu pauschales, klanglich waberndes Musizieren. Kluttig bringt Tschaikowskys "Capriccio" mit dem Philharmonischen Orchester vielmehr bemerkenswert präzis, klar in den Konturen und warm im Klang zu Gehör. Das Philharmonische Orchester beeindruckt mit feinsinnigem, präzisem Zusammenspiel und Tonschönheit in allen Instrumentengruppen. Kein Wunder, dass Roland Kluttig als Moderator ins Schwärmen gerät: "Ein Orchester, das immer voller Leidenschaft musiziert."


Nacht der schönen Stimmen



Diese "Italienische Nacht" ist auch eine Nacht der schönen Stimmen. Das wird schon bei der Arie des Rodolfo aus Giuseppe Verdis Schiller-Oper "Luise Miller" deutlich. Mit dem einschmeichelndem Timbre seines lyrischen Tenors und seiner intensiven Gestaltungskraft zieht Milen Bozhkov das Publikum sofort in Bann.


Publikum singt den Gefangenenchor


Eindringliche Gestaltungskraft beweist auch die Sopranistin Hyunju Park mit ihrer ausdrucksvollen Deutung von Vincenzo Bellinis "Casta Diva" aus "Norma". Verdis Oper "Nabucco" besteht keineswegs nur aus dem unverwüstlich populären Gefangenenchor. Das beweist die effektvolle, klangschön und schwungvoll musizierte Ouvertüre. Und für den dann anschließenden Gefangenenchor rekrutiert Coburgs Generalmusikdirektor das Publikum ganz einfach mit charmanter Überredungskunst. Solchermaßen eingesungen, stimmt das Publikum dann auch noch ein in das kaum minder populäre Trinklied aus Verdis "La Traviata".

"Und es blitzten die Sterne"

Im zweiten Teil, eingeleitet durch Verdis Ouvertüre zu "Die Macht der Schicksals", verzaubert Milen Bozhkov das Publikum zunächst mit Cavaradossis Arie "E lucevan le stelle" ("Und es blitzten die Sterne") aus Puccinis "Tosca". Das Liebesduett aus "La Bohème" weckt dann Erinnerungen an die beste Coburger Opernproduktion der letzten Jahre. Hyunju Park und Milen Bozhkov ziehen die Zuhörer auch in konzertanter Darbietung unwiderstehlich in Bann.


Filmmusik zum Ausklang


Ein einziges Schwelgen in Klang: Pietro Mascagnis Intermezzo aus "Cavalleria rusticana", das zur passenden Überleitung zum Schluss wird mit Filmmusik von Nino Rota ("Der Pate") und Ennio Morricone ("Cinema Paradiso", "Once Upon a Time in America").


Drei Strauß-Zugaben


Begeistert ausdauernder Beifall und insgesamt drei Zugaben von Johann Strauß Junior und Senior.




Rund um das Klassik-Open-Air


/>Sponsor Ermöglicht wurde das diesjährige Coburger Klassik-Open-Air durch die finanzielle Unterstützung der VR-Bank Coburg. Präsentiert wird das Konzert als Kooperation der Stadt Coburg mit dem Landestheater Coburg.

Nachdenklich "Was mich etwas bedenklich stimmt, ist der Umstand, dass das Coburger Orchester hinter meinem Rücken besser spielt, als wenn ich ihm meine Vorderseite zukehre" (Roland Kluttig, nachdem er das Publikum beim Gefangenenchor aus "Nabucco" dirigiert hatte).
Begeistert "Wir sollten die ,Coburg-Strings' ins Leben rufen" (Generalmusikdirektor Roland Kluttig schwärmt über die Klangqualität der Streicher "seines" Philharmonischen Orchesters).

Mangelware Stuhl Im Vorfeld war angekündigt worden, in diesem Jahr weniger Stühle aufzustellen, um auf diese Weise mehr Platz für Picknick-Fans zu schaffen. Prompt gab's Kritik, die Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer launig aufnahm: "Diesen Fehler machen wir nicht wieder - wir machen lieber neue Fehler."