Es ist nicht mehr üblich, dass die Stadt Rödental selbst Baugebiete erschließt. In der Amtszeit von Bürgermeister Marco Steiner (FW) gab es das bisher noch gar nicht. Die Entscheidung des Stadtrats, selbst in die Schaffung von neuen Baugrundstücken in Oberwohlsbach einzusteigen, hatte mehrere Gründe, wie Steiner beim ersten Spatenstich für die Erschließung erklärte.
Grundsätzlich war die Fläche immer wieder einmal ins Gespräch gebracht worden. Die Nachfrage nach Baugrundstücken in Rödental ist groß. Gleichzeitig möchte der Stadtrat die Bebauung lieber nach innen verdichten, als bebaute Flächen an den Ortsrändern immer weiter auszudehnen. Für das Gebiet in Oberwohlsbach, das mitten im Ort liegt, gab es immer wieder Anfragen. So entschloss sich die Stadt, Gespräche mit den Eigentümern aufzunehmen.


Großes Interesse

Als Verkaufsbereitschaft signalisiert wurde, fand sich auch ein Interessent für die Erschließung. Als die Umsetzung aber nicht zustande kam, entschied sich die Stadtführung, die Bauwilligen nicht zu enttäuschen und selbst einzusteigen. "Nach einem Infoabend für Interessenten hatte das Bauamt für die 17 Grundstücke 17 Reservierungen angenommen", sagt Marco Steiner.
Es besteht also Grund zur Hoffnung, dass die finanzielle Vorleistung der Stadt in die Erschließung nicht in den Sand gesetzt ist. Immerhin spricht Marco Steiner von einer "mittleren sechsstelligen Summe", die für die Erschließung aufgewendet wurde. Nach Ankauf der Grundstücke und Erschließung errechnete sich für die Stadt ein Quadratmeterpreis von 83 Euro. Darin ist allerdings auch ein Glasfaseranschluss für schnelles Internet bis ans Haus schon enthalten, wie der Bürgermeister betont.
Mit dem Baugebiet in einem der Außenorte der Stadt wird die Verwaltung einem Trend gerecht, den Marco Steiner ausmacht. "Es ist nicht mehr so, dass keiner im Dorf bauen will", sagt er. Gerade die Stadtteile, die gut erschlossen sind, wie Oberwohlsbach, das direkt über die B 4 (Ortsumgehung) an die Autobahn 73 angebunden ist, werden gern als Wohnort angenommen. In Oberwohlsbach kommt der Kindergarten im Ort und die Anbindung über Schulbusse auch zu weiterführenden Schulen in Neustadt oder Coburg dazu. Das Stadtzentrum und Einkaufsmöglichkeiten sind schnell erreichbar.


Die Zeit drängt

Jetzt muss die Erschließung nur noch schnell fertig werden. "Die Leute wollen ja im Frühjahr mit ihrem Hausbau anfangen", sagte Steiner. Eine Herausforderung für die ausführende Firma, denn bis zum ersten Frost bleibt womöglich nicht mehr viel Zeit, wie der Bürgermeister befürchtet.
"Wir versuchen, so weit wie möglich zu kommen, damit die Bauherren, die im Frühjahr schon anfangen wollen, auch bauen können", versichert Kai Schuberth von der Hildburghäuser Baugesellschaft, die bereits mit den Erdarbeiten im Baugebiet begonnen hat.
Trotzdem weiß auch Architekt Jürgen Beck: "Heuer noch fertig werden zu wollen, das wird schon sehr sehr eng." Damit die Bauarbeiten im Hochbau begonnen werden können, so Beck, müssten die Straßen fertig sein. Es bringe aber nichts, zu Beginn der Frostphase noch die Tragschichten aufbringen zu wollen, und sich so Probleme mit der Straße für die Zukunft selbst zu schaffen.
Beck kündigte an, einen Jour-fix-Termin einzurichten. Jeden Montag, um 10 Uhr, sollen sich alle Beteiligten auf der Baustelle treffen, um aktuelle Planungen und gegebenenfalls auftretende Probleme besprechen zu können. Das Angebot gelte auch für Anlieger, die vielleicht Anregungen haben oder auf Probleme aufmerksam machen möchten, sagte Beck.


Weitere Möglichkeiten suchen

Mit dem neuen Baugebiet in Oberwohlsbach ist die Nachfrage nach Wohnraum und Bauland in Rödental allerdings nicht zu befriedigen. Das weiß auch der Bürgermeister. Marco Steiner versichert daher, dass weiter nach Möglichkeiten gesucht werde, innerorts Angebote zu schaffen, sei es an Wohnungen im Geschosswohnungsbau oder als Bauland.
Während vielerorts Städte und Gemeinden über Einwohnerverluste klagen, freut sich die Rödentaler Stadtspitze darüber, dass der Ort offenbar attraktiv ist, um sich hier nieder zu lassen. Das gelte vor allem für junge Familien mit Kindern, wie Steiner findet.


Leerstände neu nutzen

Daher gehe die Suche weiter nach Baulücken, die geschlossen werden könnten, einerseits. Andererseits aber auch nach Leerständen, für die sich möglicherweise eine neue Nutzung finden lasse. Gerade in den weiter entfernten Außenorten, wie etwa in Weißenbrunn und Schönstädt, waren bei einer Erfassung für künftige Planungen vor kurzem besonders viele leer stehende Häuser aufgefallen, die infrage kämen.