Fit für die Zukunft, soll sie werden, die kommunale Wasserversorgung. Es wurde aber auch Zeit, da reden Bürgermeister Michael Keilich (CSU) und der geschäftsleitende Beamte, Stefan Markus, gar nicht groß drumherum. Gerade die inzwischen wegen bakterieller Belastung vom Netz genommenen Hochbehälter in Hassenberg und Wörlsdorf waren, sagt Markus, "in einem erschreckenden Zustand". Und damit quasi der Auslöser für eine grundlegend neue Ausrichtung der Wasserversorgung.
Waren es bislang fünf komplett eigenständige Wassernetze im Gemeindegebiet, so hat sich der Gemeinderat für die "große Lösung" entschieden. Für diese braucht es: einen neuen Hochbehälter bei Gestungshausen sowie Lückenschlüsse im Leitungsnetz zwischen Weischau und Neuses, Gestungshausen und Weickenbach sowie Weickenbach und Wörlsdorf. Geschätzte Kosten: gut 4,6 Millionen Euro.
Das ist ein Haufen Geld, der quasi komplett von den Grundstückseigentümern als Solidargemeinschaft aufgebracht werden muss. Vor zwei Wochen sind die Bescheide hinaus gegangenen, nach denen 85 Prozent der Investitionssumme als einmalige Verbesserungsbeiträge, 15 Prozent über die Wassergebühren refinanziert werden. Wie viel jeder Hauseigentümer bezahlen muss, errechnet sich aus einem Schlüssel über die Grundstücksgröße und Wohnfläche. Michael Keilich fasst ihn bewusst pauschal zusammen: "Ein durchschnittliches Einfamilienhaus kommt auf rund 1500 Euro." Zahlbar in zwei großen (je 44 Prozent) und einer kleinen Rate (12 Prozent) im Laufe der Jahre 2017 bis 2020.


Mehr Öffentlichkeit geht kaum

Als die Bescheide rausgingen, trafen sie mancherorts auf offensichtlich recht uninformierte Bürger. Dementsprechend heftig waren die Reaktionen, die Stefan Markus auch heute noch ein Stück weit ratlos machen. "Was sollen wir noch tun?", fragt der Geschäftsleiter fast ein bisschen hilflos in den Raum. Zweimal Thema bei der Bürgerversammlung (2015 und 2016), Beratung in öffentlichen Gemeinderatssitzungen, Veröffentlichungen im gemeindlichen Mitteilungsblatt haben jedenfalls nicht ausgereicht.
Deshalb wird die Gemeinde jetzt noch einmal nachlegen. Für "Mitte/Ende September" kündigt der Bürgermeister eine Broschüre im Mitteilungsblatt an. Mit dieser will die Verwaltung noch einmal die Notwendigkeit der umfangreichen Arbeiten verdeutlichen. Was den Bürgermeister in der Diskussion am meisten ärgert: Dass viele Kritiker das Trinkwassernetz mit den Investitionen für den Bau der Domäne verquicken. Motto: Da hätte man sich das Geld für die neue Halle lieber gespart und ins Wassernetz gesteckt. "Das eine Projekt hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun", betont Keilich und verweist darauf, dass die Gemeindewerke mit ihrer Pflicht zum kostendeckenden Betrieb ein eigenständiger Teil der Kommune sind.


Auf keinen Fall verkaufen

Freilich hätten es sich die Gemeinderäte einfach machen und das Trinkwassernetz einem anderen Betreiber überlassen können. Dass sie sich dagegen ausgesprochen und das Ziel "keine weitere Verschuldung" ausgegeben haben, freut den Bürgermeister ausdrücklich. "Wir haben erstklassiges Wasser und wollen uns nicht verkaufen", stellt Keilich klar. Mit der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) hat es zwar Gespräche über eine Kooperation bei der Erschließung eines Trinkwasservorkommens im "Liebauer Sack" unweit von Wörlsdorf gegeben, doch sei diese Vision nur schwer umsetzbar und kaum finanzierbar gewesen.
Nun also: weiterhin Eigenständigkeit. Und diese gepaart mit "größtmöglicher Versorgungssicherheit", wie Stefan Markus betont. Zwar wird das gesamte Sonnefelder Gemeindegebiet künftig ausschließlich über die Tiefbrunnen Sonnefeld II und III sowie den Wörlsdorfer Brunnen versorgt, doch bleiben die alten Verbindungen aus den teilweise noch heute laufenden Kooperationen bestehen. Diese führen nach Schneckenlohe, Mitwitz, Ebersdorf bei Coburg und zur FWO und können, sollte mal was mit dem Trinkwasser sein, schnell reaktiviert werden.


Wasser marsch in Sonnefeld

Vorgeschichte: 2015 gab es die ersten Probleme, weil bei den Hochbehältern Hassenberg und Wörlsdorf bakterielle Verunreinigungen im Trinkwasser auftraten. Vermutlich wurden diese durch bauliche Schäden an den rund 50 Jahren alten Anlagen ausgelöst. Inzwischen wurden beide Hochbehälter vom Netz genommen, die Versorgung der beiden Gemeindeteile erfolgt über eine Verbindung zum Mitwitzer Wassernetz bei Steinach.

Zeitplan: Der Ausbau des Trinkwassernetzes wurde im Frühjahr begonnen, als Ziel für die Inbetriebnahme des neuen Versorgungsnetzes steht das Jahr 2020.

Sonderfall: Der Gemeindeteil Oberwasungen wird auch in Zukunft über die Stadtwerke Neustadt versorgt.

Finanzierung: Das Versprechen von Bürgermeister Michael Keilich steht: Gemeinde wird Bürgern mit eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten "im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten" entgegen kommen. Das heißt unter anderem: Es sind Ratenzahlungen möglich.