Resopal-Tische aus einer DDR-Kantine, eine Wand mit Seiten der "Coburger Zeitung" tapeziert, Holztische und - stühle, die schon ein gastronomisches Vorleben hatten, und dazu bunte Barhocker, ebenfalls aus DDR-Beständen. Klingt nach einer ziemlich wilden Mischung, fügt sich aber im neuen Restaurant "Dornheim" erstaunlich gut zu einer harmonischen Einrichtung zusammen.

Auch wenn es auf den ersten Blick so wirken mag, Möbel und Deko hat der junge Coburger Wirt Daniel Autsch nicht zufällig zusammengewürfelt, sondern sie sollen an die jüngere Geschichte des markanten Hauses in der Steingasse 24 erinnern. Die ältesten Teile des Gebäudes stammen aus dem 16. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert diente es als Unterkunft für die Gäste des Herzogshauses. Um 1900 richtete Robert Dornheim hier seine Buchdruckerei ein, und genau das hat Daniel Autsch bei der Einrichtung seines zweiten Restaurants (ihm gehört auch das "Hopfen & Malz" im Oberen Bürglaß) aufgegriffen.

"Es ist schade, dass aus der alten Druckerei nichts mehr erhalten geblieben ist", bedauert Daniel Autsch. So machte er sich eben auf die mühevolle Suche nach den passenden Möbeln und Accessoires. Bei der Beschaffung der Original Drucker-Setzkästen half ihm ein befreundeter Coburger Antiquar. Die Setzkästen, denen noch ein paar Buchstaben und die Beleuchtung fehlen, sind nun in den massiven Tresen eingelassen.

Den wiederum haben sein Schwager und ein Freund nach Daniel Autschs Vorstellungen gebaut. Ihm sei wichtig gewesen, möglichst in der Region einzukaufen, "selbst der Tresen ist regional", sagt er lachend. Das Holz stamme aus Sägewerken in Haßfurt und Ebern.

In alten Zeitungen geschmökert

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Für Stühle und Tische musste er allerdings etwas weiter fahren: Die Holzstühle aus den 50er Jahren holte er aus dem Norden und ließ sie aufpolstern, die Resopal-Tische im hinteren Bereich des Restaurants stammen aus einer ehemaligen DDR-Kantine, und auch die bunten Barhocker stammen aus DDR-Beständen. "Die sind aus dem Osten, kurz vor Leipzig", erzählt Daniel Autsch grinsend.

Eines allerdings stammt tatsächlich noch aus der Druckerei Dornheim: Die Seiten der "Coburger Zeitung", mit denen eine komplette Wand tapeziert ist. Die Ausgaben von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1935 findet man heute digitalisiert im Internet. "Ich glaube, wir saßen volle drei Tage und haben gelesen und ausgesucht", berichtet Daniel Autsch. "Das war wirklich interessant, die Geschichten über Coburger Unternehmen, Coburger Leute, da kann man sich ein bisschen drin verlieren."

Die ausgewählten Seiten ließ Daniel Autsch schließlich vervielfältigen - auf dem Laserdrucker, damit später beim Tapezieren die Farbe nicht verschmierte. Das leicht gilbliche Papier sei authentisch - "das haben wir aus einer Druckerei-Auflösung".

Und natürlich ist auch der Name Original. Zunächst hatte Daniel Autsch an "Dornheimer" gedacht. "Herr Dornheim, der frühere Eigentümer, fand es zwar gut, dass wir seinen Namen weiter verwenden wollen, aber ,Dornheimer‘ hat ihm nicht so gut gefallen", sagt der Wirt. Schließlich einigten sich die beiden Männer auf "Dornheim". Damit ist Autsch sehr zufrieden, schließlich habe er den einstigen Eigentümer nicht übergehen wollen.

Zwar ist das "Dornheim" schon seit 2. August geöffnet (täglich ab 17 Uhr, außer Montag), doch noch sei nicht alles fertig, sagt Daniel Autsch. Deshalb gebe es derzeit noch eine kleinere Karte. Im Biergarten, der genau wie das Restaurant 40 Plätze bietet, fehlt noch eine Hecke als Einfriedung, die den Bereich etwas "kuscheliger" machen soll. Und die Zeitungswand ist eigentlich Kulisse für eine kleine Bühne - die allerdings erst noch aufgebaut werden muss. "Dort sollen dann zum Beispiel Lesungen stattfinden", sagt der junge Wirt. Schließlich seien hier früher auch Bücher gedruckt worden.

Wie sehr das Haus den Coburgern am Herzen liegt, zeigen die Erfahrungen während der Umbauphase. "Wir hatten keine ruhige Minute", sagt Autsch. "Alle zehn Minuten kam jemand und wollte etwas wissen. Gerade auch ältere Coburger. Die haben über viele Jahre den Verfall gesehen und fanden das so schade. Und jetzt sind sie hin und weg, dass es wieder so schön geworden ist."

Die "Coburger Zeitung"

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"Einer der Bewohner des Bären-Zwinger auf der Veste Coburg ist am Sonnabend ausgezogen" - zu lesen in der "Coburger Zeitung" vom 19. August 1862. Im Jahr 1854 und dann von 1861 bis 1935 informierte das Blatt als offizielle Tageszeitung die Coburger über das Geschehen in aller Welt und natürlich direkt vor ihrer Haustür.

Heute kann man die Ausgaben bis einschließlich 1932 online durchblättern, zum Beispiel über die Seiten der Coburger Landesbibliothek (www.landesbibliothek-coburg.de). Die Jahrgänge 1933 bis 1935 können nur vor Ort in der Landesbibliothek eingesehen werden.

1930 entstand die Coburger Nationalzeitung. Bis 1940 verdrängte sie im Zuge der Gleichschaltung der Nazis alle anderen Coburger Zeitungen. Das 1936 enteignete Tageblatt wurde ihr angegliedert, die Coburger Zeitung wurde ganz eingestellt.

Übrigens: Der Bär musste seinerzeit ausziehen, weil er sich mit seinen beiden Mitbewohnern nicht vertrug.

Stühlerücken in der Coburger Gastro-Szene

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In der Gastronomieszene in und um Coburg gibt es derzeit mal wieder viel Bewegung. Ganz besonders im Aufschwung ist die Steingasse: Vor der Neueröffnung des Restaurants Dornheim hatte dort zuletzt der Hungry Highlander um einen "Noble Room" expandiert. Außerdem entlang dieser neuen "Gastro-Achse" zu finden: das Café Picknick (gleich nebenan in der Kirchgasse 1), das Restaurant Dal Passatore (Steingasse 13), die Bar 1627 (Steingasse 14) sowie am oberen Ende noch das Indian Curry House und das Restaurant Il Baretto (jeweils Steintor 4). Aber auch am unteren Ende der Steingasse tut sich was: Am Marktplatz wird gegenwärtig der Ratskeller umgebaut und bald unter dem Namen Chillis neu eröffnen; dabei handelt es sich um eine Bar- und Grillkette. Apropos Kette: Der Nudelladen Tellys TST eröffnet am Donnerstag, 23. August, eine Filiale im Steinweg 34 (ehemaliger Schokoladenladen). Von der Schließung bedroht sind derweil zwei Traditionsgaststätten: So hören im Henneberger Haus (Zinkenwehr) und im Weberstüble (Webergasse) die Wirte zum Jahresende auf - Nachfolger werden dringend gesucht. Definitiv vorbei ist zum Jahresende die Zeit vom Burlis: Das Restaurant in Niederfüllbach schließt zum 31. Dezember. Die beiden Besitzer sprechen auf Facebook von "vielen geschäftlichen/wirtschaftlichen und persönlichen Faktoren", die zu der Entscheidung beigetragen hätten. Über "eventuell folgende Pläne" wollen sie zu gegebener Zeit informieren.