Am vergangenen Sonntag hatte Andreas Reuter genug, und er schrieb ans Tageblatt: "Seit einigen Wochen kommt es bei den RE-Zügen Nürnberg-Sonneberg, die zwischen Bamberg und Coburg die ICE-Trasse bis Coburg befahren, täglich zu Störungen (massive Verspätungen, beinahe täglich ein bis zwei Zugausfälle)." Auch am Sonntag fiel der Regionalexpress (RE) aus, der um 7.38 Uhr nach Bamberg hätte fahren sollen.
Auch in die Gegenrichtung gab es am Sonntag Störungen: Der Regionalexpress Richtung Sonneberg kam zu spät in Coburg an und fuhr dann auch gar nicht nach Thüringen weiter, so dass die Reisenden in Sonneberg, die um 9.07 Uhr starten wollten, eine weitere Stunde warten mussten.
Von der Bahn, schreibt Reuter, habe er auf seine Bitten um Auskunft keine Antwort erhalten. Es sei ihm schon mehrfach passiert, dass er in Bamberg in einen Zug nach Coburg steigen wollte, der erst als verspätet gemeldet war und dann gar nicht kam. "Im Moment wird von der Seite der DB in keinster Weise ein zuverlässiger Transport der Fahrgäste zwischen Sonneberg und Bamberg garantiert, da man davon ausgehen kann, dass jeden Tag Züge ausfallen bzw. massiv verspätet sind", schreibt er.
Das Problem ist der Bahn bekannt, und sie kennt auch die Ursache - es liegt an den Lokomotiven. Die fraglichen RE-Züge fahren über die ICE-Neubaustrecke nach Bamberg und müssen deshalb mit ETCS-Zugbeeinflussungssystem ausgestattet sein. Dafür stehen der Bahn aber nur fünf Loks zur Verfügung. Vier sind täglich im Einsatz (je zwei an einem Zug), eine dient als Ersatz, wie ein Sprecher der Bahn mitteilt. "Derzeit treten bei zwei Lokomotiven unterschiedliche Fahrzeugstörungen auf, so dass einzelne Regionalexpresszüge über Lichtenfels verkehren." Auf dieser Strecke können Loks ohne ETCS fahren. "Die Mitarbeiter der Werkstatt arbeiten mit Hochdruck an der Beseitigung der Störungen. Nach derzeitigem Stand stehen die Fahrzeuge spätestens Ende dieser Woche wieder zur Verfügung", beteuert der Bahnsprecher.
Die Bahn müsste durchaus ein Interesse daran haben, die Pünktlichkeit ihrer Züge zu gewährleisten, sagt die Sprecherin der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), Agnieszka Urban. Die BEG bestellt den Zugverkehr für die Regionalverbindungen; die Direktverbindung Coburg-Bamberg per Regionalexpress wurde erst zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 eingerichtet. "Im Rahmen unserer Verkehrsdurchführungsverträge geben wir konkrete Mindestpünktlichkeitswerte vor und erheben Vertragsstrafen, falls die Verkehrsunternehmen die geforderten Werte nicht erreichen. Bei Zugausfällen erhalten die Verkehrsunternehmen von uns außerdem kein Bestellerentgelt", erklärt Urban. Kurz: Bei Verspätungen und Zugausfällen legt die Bahn drauf.
Was den Zugausfall am Sonntag in Sonneberg betrifft, hatte der aber laut Bahn und BEG eine andere Ursache: In Sonneberg trat eine Fahrzeugstörung auf, die nicht behoben werden konnte. Ein Ersatzfahrzeug war auch nicht kurzfristig verfügbar, so dass der Zug ganz ausfiel.
Andreas Reuter würde gern sicher sein, dass er als Lehrer Klassenfahrten mit dem Zug planen kann, wie erschreibt. "Ich habe keine Lust, mit über 20 zehn- bis elfjährigen Schülern abends beispielsweise in Bamberg zu stranden und die Eltern informieren zu müssen, dass sie ihre Kinder in Bamberg abholen müssen."
Was Reuter außerdem stört, sind die spärlichen Informationen für die Reisenden über Zugausfälle und Verspätungen. Im Coburger Bahnhof funktioniert die große Anzeigetafel in der Halle seit Wochen nicht mehr; wer wissen will, ob sein Zug Verspätung hat, ist auf die Anzeigen an den Bahnsteigen angewiesen. Dafür funktionieren auf den Bahnsteigen die Durchsagen nicht. Das, seufzt der Bahnsprecher, liege an der veralteten Technik. Geplant war ohnehin, sie Ende Juni zu ersetzen. Aber sie sei vorzeitig kaputt gegangen und nicht mehr zu reparieren gewesen.