Schon nach dem ersten Schritt in die Pizzeria "Pizzaiolo" in den Herrngasse ist klar: Obwohl das italienische Team nicht dabei ist, wurde die WM nicht verbannt. Im Gastraum läuft der Fernseher, gerade retten die Portugiesen um Cristiano Ronaldo ein 1:0 gegen Marokko über die Zeit. "Natürlich interessiere ich mich dafür", sagt Raffaele Randazzo, Eigentümer des "Pizzaiolo" und des "Mamma Mia" im Steinweg. "Ich war ja selber Fußballspieler."

Als Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz am 13. November 2017 das Spiel Italien gegen Schweden anpfiff, war es besiegelt: Durch das 0:0 und die 0:1-Niederlage im Hinspiel verpasste Italien zum ersten Mal seit 1958 eine Fußball-Weltmeisterschaft. "Das war eine Riesenüberraschung", sagt Randazzo, "aber im heutigen Fußball kann das jeder Mannschaft passieren." Der zweite Platz in der Quali-Gruppe hinter Spanien sei logisch gewesen: "Die sind momentan die bessere Mannschaft." Es reichte nur für die Play-offs gegen Schweden. "Da kann sowas dann vorkommen, im Fußball ist alles möglich."

Der Spott von deutscher Seite war den Italienern - und Raffaele Randazzo - sicher: "Da kam ganz viel. Meistens Sprüche, wie: Italien ist jetzt auf dem selben Level wie Holland. Viele SMS, viele lustige Videos. Aber ich kann damit gut leben. Es ist ja immer noch Sport." Und wer austeilt, der müsse eben auch einstecken können: "Ich bin auch jemand, der sich revanchiert wenn Italien oben steht. Ich verstecke mich da nicht", sagt er und lacht. Der italienische Triumph bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland sei für ihn "die größte Freude" gewesen.

Und so ein bisschen Schadenfreude hat auch die deutsche Auftaktniederlage gegen Mexiko ausgelöst: "Ich habe immer gesagt: Ich wünsche den Deutschen doppelt so viel von dem, was sie mir gewünscht haben." Im Positiven, wie im Negativen: "Für die Leute, die mich geärgert haben, freut mich das schon ein bisschen", sagt er und grinst. Zumal das DFB-Team nun vor einer ähnlichen Aufgabe stehe, wie die Italiener im November: Ein Quasi-Endspiel gegen Schweden.


Messi als Weltmeister?

Doch abseits von allen Sticheleien: Wen hat Randazzo als zukünftigen Weltmeister auf dem Zettel? "Holland!", sagt er und lacht. Im Ernst: "Favorit sind, denke ich, zwei oder drei Mannschaften. Aus Europa ist Spanien die stärkste Mannschaft, und dann noch Brasilien oder Argentinien. Ich würde mir für einen Star wie Lionel Messi wünschen, dass Argentinien gewinnt, weil er noch nicht Weltmeister ist. Das ist eigentlich ungerecht, bei so einem Spieler." Aber auch einen Geheimtipp hat er parat: "Ich denke, dass von den europäischen Mannschaften Kroatien weit kommen könnte."

So ganz ist die Enttäuschung über die verpatzte Qualifikation der Italiener noch nicht verflogen. Randazzo hat aber Hoffnung: "Fußball gehört zu Italien wie das Meer zum Strand. Als sportinteressierter Italiener ist man natürlich traurig, aber wenn es ein Ende gibt, dann gibt es auch einen Anfang."