Das Hotel an Coburgs Südzufahrt hat bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Eröffnet wurde es einst als "Ramada", dann wurde es zu "Tulip Inn" und schließlich zu "Arcadia". Weitgehend unbemerkt haben sich vor knapp einem Jahr die Eigentumsverhältnisse erneut geändert: Das 123-Betten-Haus wurde von der Vienna International Hotelmanagement AG (VI) übernommen. Der Name "Arcadia" bleibt allerdings.

Sabine Hackl, die Pressesprecherin von VI, verweist im Gespräch mit dem Tageblatt auf den Expansionskurs des österreichischen Unternehmens und bezeichnet Deutschland allgemein, aber auch Coburg ganz konkret als "interessanten Markt". Die Entscheidung für den Standort Coburg sei aufgrund des "großen wirtschaftlichen Potenzials" getroffen worden, das man in dieser Region sehe. Sabine Hackl verweist in diesem Zusammenhang auf Unternehmen wie Brose, HUK und Kaeser, die in unmittelbarer Umgebung ansässig seien.

Auf seiner Internetseite räumt VI aber ein, dass hinter der Übernahme mehrerer Arcadia-Hotels auch finanzielle Erwägungen stecken. Wörtlich heißt es da etwa: "Das Arcadia-Hotel Coburg wird durch die VI Asset GmbH erworben, einer Tochter der Vienna International Hotelmanagement AG. Dadurch nutzt VI das historisch niedrige Zinsumfeld, um das Eigentum im Portfolio auszubauen. "

Vorwurf: "Abgewirtschaftet"

Vielleicht sind es ja Aussagen wie diese, die manchen Österreicher ins Grübeln bringen. Die Tourismusmagazine "Faktum" und "fm" des Mucha-Verlags beleuchten die Deutschland-Geschäfte von VI in ihren aktuellen Ausgaben zumindest sehr kritisch. Unter anderem ist die Rede davon, dass die Vienna International Hotelmanagement AG "abgewirtschaftete Hotels" in Deutschland übernommen habe. Viele der Aktionäre würden deshalb jetzt um ihr Geld fürchten. Denn VI würde - ohne selbst über "nennenswertes Eigenkapital" zu verfügen - durch die Expansion auf dem deutschen Hotelmarkt rund 100 Millionen Euro Schulden machen.

In "Faktum" und "fm" wird zudem auf ein kompliziertes Firmengeflecht rund um VI verwiesen. Das alles mündet schließlich in Vorwürfe, wonach ganz bewusst eine Überschuldung der Vienna International Hotelmanagement AG in Kauf genommen werde, um die gesamte Gruppe "gegen die Wand zu fahren", wovon wiederum bestimmte Mehrheitsaktionäre sogar profitieren könnten.

Im Gespräch mit Sabine Hackl ist von dieser düsteren Stimmung allerdings nichts zu spüren - ganz im Gegenteil: Längst wurde damit begonnen, in das Arcadia-Hotel in Coburg zu investieren. "Wir arbeiten daran, unsere internationalen Standards auch in Coburg umzusetzen", erklärt Sabine Hackl. So seien schon auf den Zimmern alle alten Röhren-Fernseher gegen Flatsc reens getauscht worden. Auch Matratzen, Minibars und Vorhänge wurden erneuert, ebenso gab es Verschönerungsmaßnahmen in den öffentlichen Bereichen des Hotels.

Neue Mieter in der Ladengalerie

Außer dem Hotel gehört VI zudem noch die direkt angrenzende Ladengalerie in Richtung Ketschendorfer Straße mit mehr als 2000 Quadratmeter Gewerbefläche. Die Vienna International Hotelmanagement AG kümmert sich auch um die Vermarktung der dortigen Räumlichkeiten und Sabine Hackl teilt dazu mit: "Einige Mietverträge wurden bereits abgeschlossen."

HINTERGRUND


Firma Die Vienna International Hotelmanagement AG (VI) wurde 1989 gegründet und ist heute die größte österreichische Hotelgruppe. Betrieben werden aktuell 38 Hotels in neun europäischen Ländern - außer in Österreich unter anderem auch in Tschechien, Polen, Frankreich und Russland.

Expansion Auf seinem Wachstumskurs hat VI vor allem auf Deutschland und hier ganz konkret auf die Arcadia-Hotels gelegt. Die Übernahme des Hotels in Coburg zum 1. Juni 2013 war der Auftakt - bis heute wechselten noch elf weitere Arcadia-Hotels unter das Dach von VI. Die Namen blieben überall erhalten, auch die Vermarktung über die Arcadia-Schiene läuft parallel weiter.

Zahlen 2013 wurden in den VI-Hotels eigenen Angaben zufolge 177 Millionen Euro Umsatz gemacht. Die Mitarbeiterzahl wird mit "rund 2500" angegeben. Weitere Informationen unter www.vi-hotels.com.