Es ist angerichtet. Die beiden Kronleuchter sind angeknipst, der Blick schweift über die wie Bilder eingerahmten Kilts aus Schottland sowie einen barocken Goldspiegel zu den vielen blank polierten Gläsern auf dem langen Tisch. In der Ecke sitzt Steffi (die von der Stef White Band) und lässt mit ihrer Gitarre eine Blues-Ballade erklingen. So stimmungsvoll, wie der Abend im "Noble Room" der Kneipe "Hungry Highlander" in der Steingasse beginnt, so stimmungsvoll wird er auch sechs Whiskys und zahlreiche Anekdoten später enden.

Aber zunächst ein kurzer Rückblick: Vor ein paar Monaten wurden im heutigen "Noble Room" noch Schallplatten verkauft. Als der Laden ("Toxic Toast") in den Unteren Bürglaß umzog, nutzte John Holmes, der Wirt vom direkt angrenzenden "Hungry Highlander", die Chance zur Expansion. Aber wie sollte er den Raum umbauen? Er holte Rat bei seinem Freund und Schreiner Matthias Kornherr.


Tipps zum Umbau

Der gab aber nicht nur Tipps und packte bei deren Realisierung mit an, sondern überraschte auch gleich mit einem Vorschlag zur künftigen Verwendung des Raums: Hier könnte ich endlich meine Whisky-Tastings machen!

Dazu muss man wissen: Der 52-jährige Matthias Kornherr - aufgewachsen in Unterlauter, heute wohnhaft in Weidach - ist großer Whisky-Liebhaber und suchte schon seit längerem einen passenden Ort, um auch anderen Menschen die faszinierende Welt dieses Getränks näher zu bringen.

Und wie ist er selber zum Whisky gekommen? Dazu noch ein kleiner Rückblick: Vor zwölf Jahren hatte die Firma, bei der Matthias Kornherr damals als Schreiner tätig war, einen Spezialauftrag. "Wir sollten an der Universität von Dublin eine Sauna einbauen", erzählt er.


Prägendes Erlebnis

Doch nach der Ankunft in Irland lag die fürs Ausland erforderliche Arbeitserlaubnis noch nicht vor. "Meine Kollegen und ich mussten uns die Zeit vertreiben und sind eher durch Zufall in der Jameson Whiskey-Destillerie gelandet." Das Tasting, an dem er dort teilnahm, sollte zum prägenden, ja einschneidenden Erlebnis werden. Denn fortan ließ ihn das "Wasser des Lebens", so die Übersetzung des gälischen Worts Whisky, nicht mehr los.

"Es ist ein ganz besonderes Genussmittel", sagt Matthias Kornherr. "Mich fasziniert vor allem der lange Abgang." Soll heißen: Bei guten Whiskys habe man gut und gerne zwei bis drei Minuten "etwas im Mund".


Die Sache mit dem Bourbon

Für Matthias Kornherr ist die Herstellung von Whisky deshalb eine "Handwerkskunst" - vorausgesetzt, es handelt sich nicht um "Massenware", die es in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Auch Bourbon, also in Amerika hergestelltem Whisky, kann Kornherr nichts abgewinnen. Allerdings schränkt er ein: "Bourbon ist nicht böse! Wenn er jemandem schmeckt, hat er doch seinen Zweck erfüllt!"

Ohnehin will er seine Tasting-Gäste nicht bevormunden. Sie sollen sich selbst Urteile bilden. Zwei Einschränkungen macht er dann aber doch: "Whisky mit Cola und Whisky auf Eis - das geht gar nicht!" Sagt's, schüttelt sich und muss lachen.


Alles kann, nichts muss

Ja, die Stimmung ist - und zwar nicht erst nach dem fünften Whisky - sehr gelöst, was vor allem mit Matthias Kornherrs Auftreten zu tun hat. Er spricht leise, er wirkt authentisch, er verzichtet auf Schnickschnack. Bei anderen Tastings mag dazu geraten werden, das spezielle Nosing-Glas erst eine Minute lang zu schwenken oder den Inhalt des Glases gegebenenfalls noch durch Handauflegen zu erwärmen. Matthias Kornherr kann einem solchen Vorgehen ungefähr genauso viel abgewinnen wie einem Bourbon - er sagt aber auch: "Man kann das ruhig machen! Aber man muss es nicht." Für ihn ist der Genuss von Whisky keine Wissenschaft, sondern eine Liebe.

Matthias Kornherr hat aber noch zwei weitere Lieben. Die eine gilt der Musik, die andere seiner Steffi. Und da trifft es sich gut, dass er zusammen mit Steffi alias Stef White auch Musik macht - in der "Stef White Band". Bei den Tastings, die es jetzt alle vier Wochen im "Highlander" gibt, spielt die Band eine wichtige Rolle. "Ich will den Genuss von guter Musik mit dem Genuss von Whisky verbinden." Sagt's und schaut in die Ecke - dort stimmt Steffi das nächste Lied an. Aufs Leben, und aufs Wasser des Lebens!


Termine

Die Tastings mit Matthias Kornherr finden immer freitags ab 19.30 Uhr im "Noble Room" des "Hungry Highlander" (Steingasse 4) statt. Am 18. Mai kommen ausgewählte Whiskys aus Irland und Schottland zum Ausschank. Am 8. Juni stehen Whiskys vom europäischen Festland auf der Karte. Ein Tasting mit erlesenen Gins gibt es am 6. Juli. Auf einen "Reisebericht mit Whiskys aus Islay" dürfen sich die Teilnehmer am 24. August freuen. Ein "Einsteigerseminar" bietet Kornherr am 7. September an. Eine Rum-Verkostung plant er am 5. Oktober. Whiskys aus den schottischen Lowlands gibt es am 9. November. Es werden jeweils sechs Sorten verkostet; dazu gibt es Wasser und Weißbrot sowie Live-Musik. Kosten pro Person: 38 Euro. Anmeldung und Infos unter www.tasting-music.de.


Weitere Informationen zum Whisky "Glen Idis"

Nein, es ist nicht der erste Coburger Whisky. Diesen Titel kann und will Matthias Kornherr dem Coburger Geschäftsmann Uwe Rückert gar nicht streitig machen. Stolz sein kann er auf seine Kreation "Glen Idis" aber trotzdem.

Acht Whiskys hat Matthias Kornherr dafür verblendet. Ganz offen gibt er zu: "Ich habe lange getüftelt. Es sind einige Fehlversuche im Abguss gelandet." Ziel sei es gewesen - weil ihm auch die Musik so viel bedeutet -, einen Whiskey zu "komponieren", der zum Song "John the revelator" passt - "ehrlich und rauchig sollte er sein".

Die erste Abfüllung beschränkt sich auf drei Flaschen; eine davon kommt - bis sie leer ist - im "Hungry Highlander" in der Coburger Steingasse zum Ausschank.

Aber Kornherr hat noch mehr Ideen. Zum nächsten Tasting will er einen Whisky kreieren, der zum Leonhard-Cohen-Lied "Show me the place" passt.