Damals, 2008, blieb ihr nur die Flucht ins Frauenhaus, später die Scheidung. "Ich habe meine vier Kinder genommen und bin weg", erzählt die Mutter, die anonym bleiben möchte. Nennen wir sie Maria. Vor allem die Zwillinge, Sohn und Tochter, hätten gelitten. Gezeigt habe sich das zuerst beim Sohn. "Er war aggressiv und hatte Konzentrationsprobleme." Als die Kindergarten-Erzieherinnen sich besorgt an Maria wandten, ging sie mit dem Jungen zum Kinderarzt. Der wiederum empfahl ihr, sich an einen Kinder- und Jugendpsychologen zu wenden. Diesen Rat befolgte die Mutter. Und sie ging mit dem Jungen zur Frühförderung ins Diakonisch-Soziale Zentrum. "Er hat zu der Betreuerin dort ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut, das tat ihm gut."

Doch dann zog Maria weg von Coburg und eine andere Einrichtung war für ihren Sohn zuständig. "Von da an ging gar nichts mehr", erinnert sie sich. Inzwischen wurde die Tochter auffällig. Auch mit ihr ging die Mutter zur Kinderpsychologin. "Übergangsweise bekamen nun beide Kinder Medikamente."

Maria heiratete wieder. Neuer Mann, neues Zuhause - auch das hatten die Kinder zu verkraften. Doch es funktionierte, die Medikamente wurden wieder abgesetzt. Dann kamen die Zwillinge in die Schule. "Ich habe gleich gesagt, dass die Kinder emotional vorbelastet sind." Aber das nützte offenbar nicht viel. Der Sohn wurde wieder auffällig, konnte nicht stillsitzen.

Warten auf Therapie

Für Maria völlig unverständlich: Ihr geschiedener Mann hatte erreicht, dass er sich das Sorgerecht mit ihr teilen darf, hat sogar mehrfach versucht, das alleinige Sorgerecht zu bekommen. Immer wieder gab es Gerichtstermine, was für die Kinder äußerst belastend war, wie die Mutter feststellt. Es blieben die sogenannten Umgangswochenenden, die die Kinder beim Vater verbrachten. Das Ergebnis: Die Tochter begann, sich selbst zu verletzen, der Sohn äußerte, er wolle nicht mehr leben. "Das war immer vor und nach den Wochenenden mit dem Vater."
Die Kinderpsychologin habe ihr daraufhin dringend zu einer auf längere Zeit angelegten Therapie geraten. "Doch auf einen Platz wartet man ungefähr ein Jahr." Das wollte die Mutter nicht, ihre Kinder brauchen die Hilfe sofort, entschied sie. Und an dieser Stelle kommt Anina Klemt-Holmes ins Spiel. Sie ist selbstständige Heilpädagogin und hat ihre Leistungen zunächst in der Praxis der Kinderpsychologin angeboten. Inzwischen hat sie eine eigene Praxis.

"Zuerst war ich nur mit meiner Tochter bei ihr, mein Sohn war aber oft dabei. Beide Kinder haben schnell Vertrauen zu ihr gewonnen", erzählt Maria. Weil aber die schulischen Leistungen des Sohnes schlechter wurden, entschloss sich die Mutter, ihn auch in die Obhut der Heilpädagogin zu geben. Es funktioniert, die Kinder erholen sich langsam.

Bedarf an Heilpädagogik

"Meist handelt es sich um Sekundärproblematiken, wenn Kinder auffällig werden. Viele haben Erfahrungen mit Gewalt oder sexuellem Missbrauch gemacht", erläutert Anina Klemt-Holmes. Sie biete den Kindern eine positive, vertrauensvolle Beziehung im geschützten Raum an. "Wir sprechen und spielen miteinander. Dabei öffnen sie sich." Es komme auch vor, dass die Kinder sie als Projektionsfläche nutzen und sie zum Beispiel die Rolle der Mutter übernehme. Vieles laufe über die Beziehungen. "Wenn wir eine Zeit miteinander gearbeitet haben, gehe ich mit den Kindern raus, damit sie lernen, sich auch dort zu behaupten."

Die Geschichte von Maria zeige, dass der Bedarf an heilpädagogischer Förderung in Coburg da sei. Der Bezirk Oberfranken finanziere die Frühförderung der Vorschulkinder. Dafür hat Anina Klemt-Holmes auch schon eine Zusage. Gehe es um die heilpädagogische Förderung von Schulkindern und Jugendlichen, dann seien die Jugendämter gefragt. Die aber halten sich noch zurück. Und Maria weiß nicht, ob sie noch weiter mit ihren Kindern zu der Heilpädagogin gehen kann.