Am Samstag haben die ersten drei die Reise in ihr neues Zuhause angetreten, am Sonntag noch einmal zwei. Nele, Püppi, Nana, Rudi und Silas, die vier Havaneser und der eine Cavalier King Charles Spaniel konnten nach elf Wochen das Coburger Tierheim verlassen. "Es gab rund 80 Anfragen", erzählt Tierarzt Joachim Lessing.

Er hatte die Welpen untersucht, geimpft, entwurmt, also medizinisch betreut. "Bei der Auswahl der neuen Besitzer haben wir danach geschaut, ob schon andere Hunde in den Haushalten leben, von denen sie lernen können." Denn die Welpen waren viel zu zeitig von ihren Müttern getrennt worden und mussten wochenlang in Quarantäne bleiben, weil nicht klar war, ob sie durch Krankheiten belastet sind. "Da gab es viele Defizite, die im Tierheim bei allen Bemühungen nicht vollständig ausgeglichen werden konnten", ergänzt Joachim Lessing. Gegen eine Schutzgebühr von 200 Euro pro Hund wurden Nele, Püppi, Nana, Rudi und Silas abgegeben.

Erhöhter Betreuungsaufwand

"Das ist der normale Preis, den wir für Welpen verlangen", sagt Daniela Mages vom Tierschutzverein Coburg und Umgebung. Neben dem Futter müssten auch Untersuchung, Impfung und Entwurmung bezahlt werden. Pro Hund und Tag werden deshalb einheitlich 15 Euro berechnet.

"Bei den fünf Welpen gab es einen zusätzlichen Betreuungsbedarf durch die Quarantäne." 6000 Euro kamen immerhin an Kosten zusammen. "Dabei waren wir vergleichsweise gut dran. Andere Tierheime, die auch Welpen aufgenommen hatten, mussten zusätzlich noch eine stationäre Behandlung zahlen. Acht Welpen aus dem Transport sind gestorben", erzählt Daniela Mages. Außer dem Coburger hatten Einrichtungen in Lichtenfels, Wunsiedel, Kitzingen, Feucht und Frankfurt/Main aufgenommen.

"Insgesamt sitzen wir auf Kosten in Höhe von 87 000 Euro", sagt Andreas Brucker, stellvertretender Leiter der Geschäftsstelle des Landesverbands Bayern im Deutschen Tierschutzbund. Das seien Spendengelder für gemeinnützige Zwecke. "Die müssen wir zurückbekommen, denn Tierschutz ist eine staatliche Aufgabe." Aber wer soll den Vereinen die Kosten erstatten?

Andreas Brucker ist der Ansicht, dass dafür das Landratsamt Schweinfurt, genauer gesagt, das Veterinäramt, zuständig ist. Denn der Transport war im Landkreis Schweinfurt gestoppt worden. Doch das Landratsamt will nicht zahlen und verweist darauf, dass die Staatsanwaltschaft die Hunde beschlagnahmt hatte, das Amt selbst sei gar nicht tätig geworden.

Dem widerspricht Andreas Brucker. "Das Schweinfurter Veterinäramt hat nach der Beschlagnahme die Quarantäne angeordnet und nach meiner Rechtsauffassung muss das Landratsamt auch für die Kosten aufkommen. Es kann dann ja auf den Schadensverursacher zurückgreifen." Derzeit prüfe der Landesverband, vor welchem Gericht er das Geld einklagen werde - vor dem Verwaltungs- oder dem Zivilgericht. "Vielleicht macht uns auch das Landratsamt in Schweinfurt vorher noch ein Angebot.

Indessen muss der Coburger Verein sehen, wie er klarkommt. "Die 6000 Euro zusätzliche Kosten können wir nicht so leicht verkraften", stellt Daniela Mages fest. Es seien viele Spendenbriefe an einheimische Firmen geschickt worden - bislang ohne großen Erfolg. "Wir helfen ja gern, aber es geht nicht, dass man die Kosten einfach auf uns abwälzt. Da muss mal eine klare Linie rein."