Der Gemeinderat ist wild entschlossen, die Schließung der Sparkassenfiliale nicht kampflos hinzunehmen. Bei ihrer Sitzung am Montagabend haben die Gemeinderäte einerseits einen harschen Brief an Coburgs Sparkassen-Chef Dr. Martin Faber ohne Gegenstimme verabschiedet, andererseits aber auch die in der Sparkassen-Aufsicht aktiven Vertreter der Kommunalpolitik in die Pflicht genommen. "Schwach", klagte Walter Lorper (Freie Bürger), sei es, dass es gegen die Schließungspläne offensichtlich keinerlei Gegenrede vom Landrat gegeben habe. Michael Busch sitze ja schließlich im Verwaltungsrat der Sparkasse Coburg-Lichtenfels.
Bürgermeister Markus Mönch (parteilos) machte sich gar nicht erst die Mühe, seine Enttäuschung über das Vorgehen der Sparkasse und diplomatische Worte zu verpacken: "Das ist ein Schlag ins Gesicht." Sauer ist Mönch insbesondere deshalb, weil er die Sparkasse als öffentlich-rechtliches Geldinstitut auch bei der Daseinsvorsorge für die Bevölkerung ein Stück weit in der Pflicht sieht. Er frage sich schon, ob so eine Bank wirklich der "starke verlässliche Partner" sei, wie sie von sich selbst behaupte.
Gar nicht gut kommen auf dem Land die Sponsoring-Aktivitäten der Bank an. Einerseits in Coburg Großveranstaltungen oder erst jüngst eine Tagung zum Thema "Prinz Albert und die Naturkunde" (diese Veranstaltung hatte sich Markus Mönch extra aus dem Tageblatt notiert) erheblich finanziell zu unterstützen und dann zeitgleich im Handstreich die Weidhäuser Filiale zu schließen - das empfinde er zumindest als "suboptimal", schimpfte der Bürgermeister. In der der Diskussion über die Art und Weise des Widerstandes gegen die Filialschließung war aber auch die Ohnmacht der Macht der Bank gegenüber. Denn nicht nur Andre Karl (SPD) war illusionslos: "Die Sparkasse wird auf uns keinerlei Rücksicht nehmen."


Die Mühlen mahlen langsam

Offensichtlich ist nach der Schließung der Filiale zum 15. Juni ja nicht einmal der Standort für einen Geldautomaten in Weidhausen sicher. Markus Mönch berichtete, dass ihm Dr. Martin Faber "definitiv nicht bestätigt" habe, dass der Geldautomat auch nach dem Verkauf des Bank-Gebäudes in der Hauptstraßen stehen bleiben wird. "Wir müssen schauen, was dann wird", warnte der Bürgermeister, der auch einem Aushang mit dem Versprechen auf einen dauerhaften Geldautomaten-Standort nicht das volle Vertrauen schenken wollte. Sein im März an die Sparkasse gerichtetes Angebot, über die Zukunft oder gar einen Kauf des Gebäudes zu reden, sei bislang ohne jede Antwort geblieben, berichtete Markus Mönch kopfschüttelnd: "Das ist schon beachtlich, wie lange so etwas in der Sparkasse dauert."
Unsicher war sich der Gemeinderat, wie sehr die Gemeinde der Sparkasse bei der Suche nach einem möglichen Standort für einen Geldautomaten entgegen kommen soll. Der wütende Seniorenbeauftragte, Walter Lorper, sah Weidhausen jetzt gar nicht in der Pflicht: "Ich warte auf ein Angebot der Sparkasse." Andre Faber (FB) war ziemlich entsetzt, dass die Sparkasse "keinerlei Bereitschaft zeigt, die Nähe zum Kunden zu erhalten". Als Gemeinde bleibe einem da fast nichts anderes übrig, als die Kunden auf die Alternativen im Bankengeschäft hinzuweisen.