Völlig zerstört worden sein könnte ersten Einschätzungen von Spezialisten zufolge das Wohnhaus einer Familie in der Finkenauer Straße bei einem verheerenden Feuer am gestrigen Sonntag. Der Brand im Gebäude, das sich direkt gegenüber des Ahorner Feuerwehrgerätehauses befindet, brach gegen 11 Uhr aus.

Thomas Vetter, der stellvertretende Kommandant der Ahorner Feuerwehr, war binnen kürzester Zeit mit seinen Kollegen am Gerätehaus und damit dem, Einsatzort. "Da war schon überall schwerer, schwarzer Qualm", sagte Vetter, der den Einsatz leitete. Die drei Bewohner hatten das Einfamilienhaus bereits verlassen, vorsorglich kamen zwei von ihnen mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Während der Löscharbeiten zogen sich außerdem zwei Aktive der Feuerwehr leichte Verletzungen zu.

War man nach der ersten Alarmierung noch "nur" von einem Zimmerbrand ausgegangen, so wurde die Situation in der Finkenauer Straße schnell zum "Wohnhaus in Vollbrand" hochgestuft. Die Folge: Zahlreiche Feuerwehren aus der Stadt und dem Landkreis Coburg, Rettungsdienste sowie die Polizei eilten mit einem Großaufgebot nach Ahorn. "Insgesamt hatten wir 130 Kräfte im Einsatz", sagte Manfred Lorenz.

Fenster und Türen schließen

Der Kreisbrandrat war ebenfalls vor Ort und unterstützte mit weiteren Kollegen der Kreisbrandinspektion die örtliche Einsatzleitung. Als etwa drei Stunden nach der Alarmierung ein erster Überblick über das Geschehen möglich war, sagte der Kreisbrandrat Lorenz: "Wir müssen davon ausgehen, dass das Gebäude bis auf weiteres unbewohnbar ist." Die Löscharbeiten seien sehr schwierig gewesen, weil sich der Brand unter der Dachisolierung ausgebreitet habe.

Die Rauchentwicklung beim Feuer war deshalb enorm und erschwerte auch über lange Zeit die Löscharbeiten. Nur mit schwerem Atemschutz war es möglich, von der Drehleiter der Coburger Feuerwehr aus an das Feuer, das sich unter den Dachziegeln ausgebreitet hatte, heranzukommen. Über die sozialen Medien und Rundfunkdurchsagen wurde die Ahorner Bevölkerung aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie die Einsatzstelle zu umfahren. Durch die zentrale Lage des Brandortes und die Tatsache, dass gestern in Ahorn der Kirchweihsonntag samt Kirchenvorstandswahl war, fanden sich dennoch viele Schaulustige in der Finkenauer Straße ein.

Bürgermeister Martin Finzel (parteilos) verfolgte die Löscharbeiten ebenfalls. "Das war das seit Jahren größte Feuer bei uns im Ort", sagte der sichtlich betroffene Bürgermeister. Auch wenn von der Dachkonstruktion des Wohngebäudes nicht mehr viel zu retten war, zeigte sich Finzel beeindruckt von der "ganz hervorragenden Leistung" der Einsatzkräfte, die zumindest erreichen konnten, dass die umliegenden Gebäude unversehrt blieben: "Man hat heute gesehen, wie wichtig es ist, genügend Freiwillige vor Ort zu haben."

Neben den Aktiven der Feuerwehren und Rettungsdienst waren auch mehrere Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofes an der Unglücksstelle. Sie kümmerten sich unter anderem um die Absicherung des Geländes in der Nacht. Eine Unterkunft für die Bewohner des Hauses musste die Gemeinde nicht organisieren. Wie der Bürgermeister berichtete, seien diese bei Verwandten untergekommen.

Warum das Feuer im Haus ausbrach, konnte bis gestern Abend nicht geklärt werden. Anne Höfer, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberfranken in Bayreuth, teilte am späten Nachmittag mit: "Beamte des Kriminaldauerdienstes aus Coburg nahmen vor Ort die Ermittlungen zur derzeit noch unklaren Brandursache auf." Nach einer ersten Schätzung Höfers dürfte der entstandene Sachschaden bei mindestens 200000 Euro liegen.

Dach schwer beschädigt

Ob das Gebäude überhaupt wieder bewohnt werden kann, wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen. Am Nachmittag rückte gestern das Technische Hilfswerk mit einem Bagger an. Zu diesem Zeitpunkt war auch noch nicht auszuschließen, ob nicht vielleicht sogar das gesamte Dach abgerissen werden muss.