Sex sells: Das weiß auch Frank-Lothar Kroll, Professor für Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der TU Chemnitz und Vorsitzender der Prinz-Albert-Gesellschaft mit Sitz in Coburg. Die Gesellschaft veranstaltet alljährlich eine wissenschaftliche Tagung in Coburg, die mit Prinz Albert und seinem Wirken als englischer Prinzgemahl zu tun hat. In diesem Jahr soll es dabei also auch um Sex im viktorianischen Zeitalter gehen. "Unsere alten Herren werden vielleicht die Nase rümpfen", sagt Kroll. Aber zuerst müssen sie den fraglichen Vortrag im Tagungsprogrammerst einmal finden: "Die Biopolitik des viktorianischen Körpers" ist er überschrieben; halten wird ihn Sarah Scheidmantel, eine ehemalige Schülerin des Albertinums, die in Berlin lebt.

Es ist nur einer von insgesamt 19 Vorträgen, die von Montag, 26., bis Freitag, 30. August, in Coburg und in der Orangerie von Schloss Rosenau zu hören sind. Am Dienstag hat die Prinz Albert Gesellschaft das Vortragsprogramm offiziell vorgestellt. Weil die Gesellschaft in etwa planen will, wie viele Gäste zu welcher Veranstaltung kommen, wird um Anmeldung möglichst bis 1. Juli gebeten.

Das gilt nicht nur für das eigentliche Tagungsprogramm, dass sich vom 27. bis 30. August erstreckt, sondern auch für die Abendveranstaltungen. Schon beim Eröffnungsempfang gibt es den ersten Vortrag über Alberts Kindheit. Zumindest sei das so geplant, sagt die geschäftsführende Vorsitzende der Prinz-Albert-Gesellschaft, Franziska Bartl: Noch würden Verhandlungen laufen.

Fast alle Veranstaltungen finden im großen Sitzungssaal des Coburger Rathauses statt. Die Ausnahmen: Stadtführungen auf den Spuren Prinz Alberts am Dienstag, 27. August, das Prinz-Albert-Festdinner in der "Goldenen Traube" und die Vorträge am 30. August: Da zieht die Konferenz in die Orangerie von Schloss Rosenau um, weil dort auch Park- und Schlossführungen vorgesehen sind.

Ein Höhepunkt dürfte der "Viktorianische Abend" in Zusammenarbeit mit dem Verein "Making Culture" werden. Die Literaturabteilung des Vereins hat einige Erfahrung mit szenischen Lesungen gesammelt. "Prinz Albert - ein idealer Gatte?" ist der Abend überschrieben. Es geht um die Rolle des Prinzen, der immer einen Schritt hinter seiner Gemahlin gehen musste, vielseitig künstlerisch interessiert war, Schmuck für sie entwarf und zu ihrem engsten Berater wurde. Zu hören sind Passagen aus Briefen von Albert und Victoria sowie aus Texten zeitgenössischer Autoren, Musik von Prinz Albert und Komponisten, die er schätzte, dargeboten von Künstlern des Landestheaters unter der Leitung von Frederik Leberle.

Er zeichnet auch für das Rahmenprogramm des "Prinz Albert Dinners" am 29. August verantwortlich, wo es zwischen den vier Gängen Texte und Musik zu hören gibt. "Wir folgen in fiktiven Szenen dem Kennenlernen und der Entwicklung ihres Verhältnisses", sagt Leberle. Wie beim Viktorianischen Abend einen Tag zuvor werde alles "mit einem Augenzwinkern" dargeboten, und einige Überraschungen seien auch geplant.

Die Tagung selbst ist mit "Albert und Victoria - Wege und Wirkungen" überschrieben. Dabei geht es nicht nur um die Spuren, die das Paar in Großbritannien und in Coburg hinterlassen hat. Ein Vortrag wird sich mit der Frage befassen, wie Viktorianische Mode und Schmuck in der Ukraine ankamen.

Bis auf das Dinner ist der Besuch aller Veranstaltungen kostenfrei. Um eine Anmeldung im Vorfeld wird in jedem Fall gebeten, möglichst bis Montag, 1. Juli: Telefon 09561/3550305, E-Mail prinzalbertgesellschaft@gmail.com.