Wenn Andreas "Lu" Lutz erklärt, dass er ein besonderes Verhältnis zum Lutherweg hat, weil er im Gemeindegebiet von Meeder diesen neuen Wanderweg beschildert hat, dann schaut man ihn prüfend an. Meint er es ernst? Oder ist es ein Gag? Kommt gleich irgendein verschmitzter Spruch? Nein. Es stimmt tatsächlich, so wie es stimmt, dass er bei der Gemeindeverwaltung arbeitet.

Auf der Hut sein darf man trotzdem, wenn man mit ihm und Markus "Weschi" Weschenfelder auf dem Lutherweg (oder wo auch immer) unterwegs ist. Immerhin hat man es hier mit den beiden "Schmalzbuam" zu tun, zwei Größen der regionalen Faschings- und Laienspielszene.

"Es kommt auf die Betonung an", findet Markus und legt Andreas die Hand auf die Schulter: "Lu - der Weg", sagt er mit theatralischem Augenaufschlag. Das klingt fast wie Lutherweg, und nur ein bisschen wie der Titel eines Action-Films. "Lu" sagt nichts, schaut aber ein wenig ergriffen. Aber vielleicht kommt es einem auch nur so vor.

Luther ohne Orientierung

Die Wanderstrecke von Ottowind bis zur Alexandrinenhütte auf der Sennigshöhe ist überschaubar. Die Flut von lustigen Einfällen der "Schmalzbuam" eher nicht. Oder meinen sie es gerade ernst? Wenn man es nur wüsste! Nein, eher nicht, denn: "Der Luther war vermutlich nicht bei der Bundeswehr, mit dem Orientieren hatte er es nicht so", stellt Andreas gerade fest und spielt damit auf die eher verschlungenen Pfade an, die der Lutherweg beschreibt. Aber er weiß natürlich, dass der noch junge Wanderweg eben möglichst viele Sehenswürdigkeiten tangieren soll.

So genau weiß heute eh keiner mehr, wo genau der Reformator seinen Fuß hingesetzt hat. "Zur Ahlstadter Kirche ist er wohl nicht gekommen", kann sich Andreas einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen. Merkwürdigerweise führt der Weg dafür zur Alexandrinenhütte, die es zu Luthers Zeiten noch gar nicht gab. Aber immerhin kennt "Lu" alle Markierungen ganz persönlich: "Es wurde für die gesprühten Markierungen die Farbe grün gewählt, weil die in der Natur praktisch nie vorkommt" postuliert er gerade im Ton eines routinierten Fremdenführers, und wie er es diesmal meint, ist wenigstens klar.

"Wir haben hier geologisch gesehen Muschelkalk, die Sennigshöhe ist gar nicht der höchste Punkt im Landkreis, und ... sag du doch auch mal was!" Jetzt ist "Weschi" gemeint, der schmalzbübisch antwortet: "Was?" "Lass dir was einfallen!" "Das kann ich nicht - so auf Befehl." Schmalzbuben haben es nicht leicht. "Nein, wirklich, gezielt Gags ausdenken, das geht nicht. Das muss so nebenbei kommen, ,aus der Lameng', wie der Franke sagt."

Wie war das eigentlich mit dem Wettbewerb Franken sucht den Supernarr beim Bayerischen Rundfunk? Da wollen die beiden lieber nicht viel drüber sagen. Eine Erfahrung war es. Weit sind sie gekommen. Aber am Ende fühlten sie sich eher verar, äh, veralbert. Aber als Sieger hätten sie es vielleicht ins Dschungelcamp geschafft... "Dschungelcamp? Kakerlaken gibt es in Meeder auch - meinst du das könnten wir in unsere nächste Nummer einbauen?" Irgendwie sind sie plötzlich doch dabei, Gags auszudenken. So nebenbei, "aus der Lameng" halt. Im ernsten Leben wie im Dasein als "Schmalzbuam" wollen sie jetzt jedenfalls lieber der Heimat treu bleiben. "Wo wir bekannt, beliebt, bekömmlich sind", wie "Weschi" sagt.

Zu tun haben sie genug. Als Laienspieler in verschiedenen Theatergruppen und beim Meederer Friedensfest, Mitglieder der Showtanzgruppe "Midlife Crisis" und eben als "Schmalzbuam". Wieso eigentlich "Buam"?. Mit dem "a" drin ist das doch bayerisch. "Das haben uns schon mehr gesagt. Aber es sieht einfach besser aus", findet Weschi und fragt nach echt fränkischen Alternativen. "Bumm oder Buum - wie sieht das denn aus?" Wie auch immer, seit sechs Jahren haben die beiden einen Namen in der Szene. Eigentlich seit sieben. Im ersten Jahr traten sie aber noch als "El Zigarillo und Sir Müsli" auf. Die Nummer mit dem Raucher war noch ziemlich am "Totalen Bamberger Cabaret" (TBC) orientiert.

Irgendwie hat es gepasst

"Irgendwie" haben sie sich damals getroffen, erzählt "Lu". Und "irgendwie" hat es gepasst und passt es noch immer, wenn sie zusammen auf die Bühne gehen. "Aber einmal in einem Theaterstück zusammen mit dir spielen, das wär' ein Traum!", schwärmt "Lu". Vielleicht passiert's ja mal und wer weiß, was dann noch passiert. Inzwischen sind sie oben angekommen, an der Sennigshöhe.

Sie machen Witze über das Schild, dass den Wendepunkt eines Radwegs markiert, und fabulieren über den wirklich höchsten Punkt (Mirsdorfer Kuppe, 525 Meter über Null, statt 523 an der Hütte), den man irgendwie nicht erkennen kann. Sie schauen über ihre Heimat, das Coburger Land, und überlegen, wie es auf einen Fremden wirken muss, der dann wohl sagt: "Ist das geil hier, aber jetzt hab ich Hunger!"

Dann allerdings suche er vergebens. Den Schmalzbuam fehlt in ihrer Heimat Gastronomie, fehlen Übernachtungsmöglichkeiten. Da müsste mehr gehen, finden sie. Ein schönes Café zum Beispiel. "Im Meederer Schloss wäre das doch was...", sie schmieden Pläne für Meeders gastronomische Entwicklung. Da sind sie nun wirklich mit Ernst bei der Sache. Oder werden sie gerade schon wieder ein bisschen schmalzbübisch? Kann schon sein. Man weiß es nie so genau.

Sommer in Franken: "Daheim unterwegs"

Serie Das Coburger Land ist schön - und: viele interessante Menschen leben hier. In unserer Sommerserie "Daheim unterwegs" verbinden wir diese beiden Erkenntnisse und machen uns mit eben solchen Menschen auf, um ein paar besonders idyllische Stellen unserer Heimat zu erkunden. Manchmal sind es Wanderungen, manchmal eher Spaziergänge. Zu entdecken gibt es aber immer etwas - und nebenbei viel zu erfahren von unseren jeweiligen Weggefährten.