650 Meter Fernwärme-Leitung haben die SÜC 2018 entlang der Glender Straße verlegt. Ziel war das Betriebsgelände von Oschmann Komfortbetten: Das Unternehmen ist sozusagen der Fernwärme-Pionier im Neuseser Gewerbegebiet. Obwohl das Müllheizkraftwerk (MHKW), wo die Fernwärme erzeugt wird, quasi um die Ecke liegt, gehört der Stadtteil Neuses bislang nicht zum Versorgungsgebiet. Das Netz entstand einst da, wo die Wärme ursprünglich erzeugt wurde, und eigentlich war sie ein Abfallprodukt.

Das alte Fernwärmenetz umfasst, grob gesagt, die Altstadt zwischen Bahnstrecke beziehungsweise Itz und Hofgarten, im Süden bis zum Klinikum. Die Fernwärme ist "ein Überbleibsel der früheren Stadtgasproduktion", so erläutert das Stefan Schneidawind, als Prokurist bei den SÜC für die Fernwärme und die Kraftwerke zuständig.

Die Städtischen Werke/Überlandwerke, wie sie damals hießen, erzeugten Gas aus Kohle. Dabei fiel Koks an, und der wurde genutzt, um mittels einer Heißluftturbine Strom zu erzeugen. Die Abwärme wurde ab 1957 als Fernwärme verkauft. Die ersten Stränge führten in die Uferstraße, wo sich damals der städtische Verkehrsbetrieb befand (heute Brose), der Nordstrang führte zum Alexandrinenbad, das es inzwischen auch nicht mehr gibt. Von diesen zwei Leitungen aus entwickelte sich das Netz weiter. "Es ist jetzt 62 und hat nicht vor, in Rente zu gehen", sagt Schneidawind.

Verdichtet und erweitert

Inzwischen kommt die warme Luft aus Neuses. Die Leitung zwischen dem MHKW und dem Gelände der SÜC zwischen Bamberger- und Uferstraße wurde vor einigen Jahren neu verlegt und befindet sich jetzt unter der Lossaustraße. Vom SÜC-Gelände aus wird die Fernwärme ins Versorgungsnetz eingespeist. Die SÜC betreiben überdies ein Gas-Blockheizkraftwerk, das Bedarfsspitzen abfangen kann, sollte die vom MHKW gelieferte Wärme an sehr kalten Tagen nicht reichen.

In den vergangenen Jahren schon wurde das vorhandene Fernwärmenetz verdichtet und erweitert, berichten Heiko Baumann, für den Ausbau zuständig, und Schneidawind. Das Klinikum hängt genauso daran wie die Wohnanlage am Hofgarten (früher DSZ). Das ehemalige Milchhofgelände, wo ein Wohngebiet entsteht, wurde mit einem Anschluss versehen. Insgesamt sei das Netz allein 2018 um 2,1 Kilometer gewachsen, das sei ein Plus von zehn Prozent, sagt Schneidawind.

Doch nicht nur das Bestandsnetz wächst. Am Max-Böhme-Ring und in Cortendorf betreiben die SÜC zwei lokale Netze, die ihre Wärme nicht aus dem MHKW beziehen, sondern aus kleinen Blockheizkraftwerken. In Cortendorf zum Beispiel brauchen die Pumpen des SÜC-eigenen Wasserwerks viel Strom. Da lohnte sich 2018 der Bau eines eigenen Kraftwerks, das die benachbarten Theaterwerkstätten mit Wärme versorgen kann. In der Umgebung fanden sich weitere Kunden.

Investoren, die Wohngebäude errichten, seien durchaus an Fernwärme interessiert, sagt Johannes Schmidt, der bei den SÜC für das Thema Contracting zuständig ist. Denn Wohngebäude müssen der Energieeinsparungsverordnung entsprechen; wenn die Sanierung dem Klima dient, gibt es günstige Kredite oder Fördermittel.

Klimawandel spürbar

Blockheizkraftwerke sind von der Energiebilanz her besser als reine Heizanlagen. Doch für einen Immobilieninvestor lohnen sie sich nicht, denn der darf nur seine eigenen Immobilien mit Strom und Wärme versorgen, die sich zudem auf dem gleichen Grundstück befinden müssen.

Davon kann Christian Meyer ein Lied singen, der Geschäftsführer der Wohnbau Stadt Coburg: Das Unternehmen erzeugt in den eigenen Blockheizkraftwerken Strom, darf ihn aber nicht günstig an seine Mieter einen Wohnblock weiter abgeben. Stattdessen müsste die WSCO den Strom noch billiger ins Netz einspeisen. Deshalb "verschenken wir unseren Strom im Parkhaus", sagt Meyer.

Bei solchen Problemlagen bieten sich die SÜC als Vertragspartner an, da sie auch Energieversorger sind. Beim Contracting mit Immobilienbesitzern betreiben sie SÜC nicht nur das Blockheizkraftwerk (meist noch gekoppelt mit einer Photovoltaikanlage), sondern kümmern sich auch um Wartung und Instandhaltung. Längst betreiben die SÜC solche Anlagen nicht nur in Coburg, sondern auch in Bad Staffelstein, Dörfles-Esbach und Lichtenfels.

Die Versorgungskapazität des Müllheizkraftwerks reiche noch gut für weitere Anschlüsse aus, betont Schneidawind. Zum einen seien in den vergangenen Jahren mit dem Schlachthof und der Dreifachsporthalle am Anger zwei große Abnehmer weggefallen. Zum anderen "findet der Klimawandel tatsächlich statt", sagt Schneidawind mit Blick auf die Temperaturkurven der letzten Jahre. Die wirklich kalten Tage werden nachweislich weniger, Gebäude sind heute viel besser isoliert. Damit sinkt der Verbrauch , so dass die neuen Kunden nur das ausgleichen, was wegfällt.

Darum ist Fernwärme CO 2 -neutral

Prinzip Beim Verfeuern von Müll entsteht Wärme. Der Zweckverband Abfallwirtschaft betreibt damit eine Turbine zur Stromerzeugung. Außerdem wird damit Wasser auf 115 Grad aufgeheizt. und in die Druckleitung zum SÜC-Gelände eingespeist. Zertifizierung Fernwärme aus dem Müllheizkraftwerk gilt als CO 2 -neutral und ist entsprechend zertifiziert. Die Gründe: Zum einen wird im MHKW Biomüll mitverbrannt, der als erneuerbare Energiequelle gilt. Außerdem ist das Müllheizkraftwerk eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage. Es erzeugt Strom, muss dafür aber keine fossilen Energieträger wie Öl verbrennen. Damit spart es CO 2 -Ausstoß. Diese Ersparnis wird auch der Fernwärme gutgeschrieben, und sie ist somit CO 2 -neutral.sb