"Zukunftsbäume sind die vitalsten mit starker Krone und dickem Stamm. Die sogenannten Bedränger müssen herausgenommen werden, um Luft und Platz zu schaffen. Eine kontinuierliche Waldpflege ist die Voraussetzung, um Schäden durch Sturm oder Käferbefall zu minimieren", erklärt Oliver Kröner, der Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg-Lichtenfels beim Gang durch das Könitzenholz. Das Problem ist,dass das Waldstück nicht dem Staat gehört und private Waldbesitzer sich nicht immer um ihren Besitz kümmern. Das jetzt aufgelegte Wald-Fit-Projekt der Forstämter soll private Waldbesitzern animieren, ihren Bestand sinnvoll zu bewirtschaften.
40 bis 50 Jahre alt ist der Fichtenbestand am Könitzeholz. "Dass man hier etwas machen musste, sagt Waldbesitzer Christian Freiherr von Stockmar-Wangenheim, ist unübersehbar. Denn was hier gewachsen ist, ist nichts anderes als "Knüppelholz". Das muss ausgeschnitten werden, um den vitalen Fichten Platz zu geben. Wangenheim hat sich für den Einsatz der Forsterntemaschine Harvester entschieden und lässt zunächst Schneisen schlagen. In vier, fünf Jahren geht es in den Bestand.
Die vorwiegenden Fichtenwälder im Bucher und Neuensorger Forst sehen größtenteils ähnlich aus wie das Könitzenholz, sind seit Jahrzehnten nicht mehr bewirtschaftet und gepflegt worden. Regelmäßige Pflege aber, mahnt Forstdirektor Oliver Kröner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg/Lichtenfels, ist notwendig, um in Anbetracht des Klimawandels mit einhergehendem Temperaturanstieg, Niederschlagsabsenkung, immer heftiger werdenden Stürmen und begünstigtem Insektenbefall stabile und widerstandsfähige Waldbestände zu schaffen. "Wir wollen die Waldbesitzer, die hier Flächen besitzen, animieren, ihren Wald zu bewirtschaften", sagt Kröner und weiß, dass da ein "dickes Brett" zu bohren ist.
Forstverwaltung und die Waldbesitzervereinigungen Lichtenfels-Staffelstein und Coburger Land haben das Projekt "Machen Sie Ihren Wald fit für den Klimawandel" aus der Taufe gehoben. Angeschrieben wurden rund 1400 Privatwaldbesitzer, die im Bereich des Bucher und des Neuensorger Forstes um die 1500 Hektar besitzen. Vor Ort wollen die Forstfachleute über eine sachgemäße Pflege mit Vollerntemaschine (Harvester) oder Motorsäge informieren und über das Dienstleistungsunternehmen "Waldbesitzervereinigung", das genau diese Pflegemaßnahmen anbietet. Die Wälder, erklärt die Projektleiterin Katrin Lüdtke, sind dicht gewachsen, kaum erschlossen und mit Spindelbäumen mit kleinen Kronen und einem geringen Durchmesser bestückt. Von den 1400 angeschriebenen Waldbesitzern haben sich 51 zurückgemeldet.
Manch einer war erstaunt darüber, Wald zu besitzen, hat einen kleinen Bestand irgendwann einmal geerbt und vergessen. Andere wieder wohnen längst nicht mehr hier. All das macht eine kontinuierliche Bewirtschaftung und das "Fit machen für den Klimawandel" nicht unbedingt einfacher.
Der Wald muss durchforstet werden, legt auch Iris Götting vom der WBV Lichtenfels-Staffelstein den Waldbesitzern ans Herz. Die dünnen Fichten müssen raus, weil ansonsten auch keine Wertholzbestände wachsen können. Für Waldbesitzer liegt die Wirtschaftlichkeit nur in der Kontinuität der Bewirtschaftung. Das ist die Empfehlung der Forstfachleute. Und Oliver Kröner setzt noch drauf: "In älteren Beständen sollte der Waldbesitzer auch über eine Waldverjüngung oder einen Waldumbau nachdenken."
Die Pflegemaßnahmen heißen "Mischungsregulierung" und "Standraumerweiterung". Vor Ort wollen Forstverwaltung und Waldbesitzervereinigungen vom 30. Juli bis 3. August jeweils von 18 bis 20 Uhr die Waldbesitzer über Pflegemaßnahmen, Klimawandel und Dienstleistungsangebote informieren. Zu diesen Treffen, betont Kröner, können aber auch Waldbesitzer kommen, die in anderen Gemarkungen Wald haben, um sich zu informieren.
Insofern sei das Projekt ein Anfang für zukunftsorientierte Waldbewirtschaftung in der ganzen Region.
Christian Freiherr von Stockmar-Wangenheim ist froh, mit den Pflegemaßnahmen begonnen zu haben. Ein gutes Stück Arbeit liegt noch vor ihm. Er setzt langfristig auf den Harvestereinsatz, weil eine Durchforstung mit der Hand nicht bezahlbar sei.