Sie will sich "kümmern", schreibt die oberfränkische NPD in einer Pressemitteilung. "Kümmern", um die Menschen in Ebersdorf und Weismain, weil in beiden Gemeinden die Kriminalität "stark angestiegen" sei, seitdem dort Asylbewerberunterkünfte eröffnet wurden. Doch bei den Menschen vor Ort kommt das Hilfsangebot der Nationaldemokraten nicht gut an. "Alles Quatsch", sagt zum Beispiel Bürgermeister Bernd Reisenweber (BG) zu den Spekulationen rund um die gestiegene Kriminalität.

Bernd Reisenweber ist der erneute Rummel um die Asylbewerberunterkunft alles andere als recht - jetzt, wo sich der anfängliche Wirbel um den Einzug der Asylbewerber in der "Hinteren Wilhelmstraße" gelegt hat und der Alltag eingekehrt ist. Rund 60 Asylbewerber leben derzeit in der Ebersdorfer Unterkunft - eine gesunde Zahl, sagt der Bürgermeister. Bei der ursprünglich angedachten Belegung mit bis zu 150 Asylbewerbern wäre es sicherlich schwieriger mit der Akzeptanz der Bevölkerung geworden. "Mit der jetzigen Zahl können wir umgehen", versichert Reisenweber.

Dass in Ebersdorf ein Anstieg der Kriminalität zu verzeichnen ist, verneint Bernd Reisenweber entschieden: "Das ist definitiv nicht der Fall." In dieser Einschätzung unterstützt wird der Bürgermeister auch durch Alexander Czech von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken in Bayreuth. Auf Tageblatt-Nachfrage blickte Czech extra in die Akten und bestätigt: "Es gibt keinerlei signifikante Änderung, was die Kriminalität betrifft." Hier liege Ebersdorf auf einem völlig durchschnittlichen Niveau im Raum Oberfranken. Die gleiche Feststellung könne er übrigens auch für die Stadt Weismain treffen, wo erheblich mehr Asylbewerber als in Ebersdorf untergebracht sind.

Nach einigen Besuchen hat Reisenweber auch schon die Menschen in der Asylbewerberunterkunft kennengelernt. Deshalb erlaubt er sich auch eine Einschätzung zur Ursache, warum es kaum Ärger mit den Bewohnern in der "Hinteren Wilhelmstraße" gibt. "Die meisten Leute, die hier wohnen, haben ein durchaus begründetes Anerkennungs-Verfahren laufen", sagt der Bürgermeister. Umsonst, vermutet Reisenweber, sei bestimmt niemand geflüchtet.

Profis wären gut

Dennoch hat Bernd Reisenweber immer noch ein paar Ideen, wie man die Situation in der Asylbewerberkunterkunft noch verbessern könnte. Bei 60 Personen, das habe sich herausgestellt, komme die ehrenamtliche Betreuung irgendwann an ihre Belastungsgrenze. Deshalb Reisenwebers Vorschlag: "Ich würde mir wünschen, dass hier Profis, zum Beispiel von der Caritas, öfter vorbeischauen könnten." Aber dafür stellt der Freistaat halt kein Geld zur Verfügung.