Die digitale Welt verändert auch das Lernen. Wie können Eltern ihre Kinder, wie Lehrer ihre Schüler frühzeitig und bestmöglich mit den Technologien vertraut machen? In der "Digitalwerkstatt", lautet eine Antwort der Bad Rodacher Firmengruppe Haba. Weil sich diese laut Geschäftsführer Harald Grosch zum Ziel gesetzt hat, "Kinder mit allem zu versorgen, was für ihre Entwicklung notwendig ist", investiert sie verstärkt in den Bereich digitale Bildung.

Mit den Plänen, Kinder zukünftig auf ihrem Bildungsweg von der Krippe bis zur Hochschule zu begleiten, rannte Grosch offene Türen bei Georg Eisenreich (CSU) ein, als dieser am Freitag bei der Firmenfamilie vorbeischaute. Der neue bayerische Staatsminister für Digitales, Medien und Europa war bis März noch Staatssekretär im Kultusministerium. Und so verwundert es nicht, dass Eisenreich sogleich bekannte: "Die digitale Bildung ist ein Herzensanliegen von mir!"

Zwischen Tradition und Moderne

Der Bad Rodacher Geschäftsführer sieht im E-Learning nicht nur ein Thema, das sein Unternehmen "unheimlich fordern wird", sondern auch "ein Thema, mit dem Deutschland und Europa auf Dauer gegen Asien bestehen können". Selbst gegen die USA, wo nur Wert auf Technik gelegt werde, aber nicht auf methodische Konzepte und Inhalte. Getreu Groschs Motto "Innovativ handeln, den Wurzeln aber treu bleiben", wurden unter dem Label "Haba Education Alliance" Ausstatter wie Wehrfritz und Project mit den neuen Firmen Haba Digitalwerkstatt, Gesellschaft für digitale Bildung und Fox & Sheep zusammengefasst. Letztere entwickelt Apps für Kinder. Während sich ein Tochterunternehmen etwa um die IT-Infrastruktur einer Schule kümmert und das Medienkonzept mit den Pädagogen plant, liefern andere Unternehmensteile das Raumkonzept für eine moderne Lernumgebung ebenso wie die passenden Möbel und Ausstattung. "Alles greift ineinander", erläuterte Gertraud Unger, Geschäftsleiterin der Alliance, dem Gast. Analoge Medien, zum Beispiel gemeinsam mit der Bamberger Universität entworfene Legespiele, ergänzten das Angebot.

"In alter Tradition verankert fühlen wir uns mutig genug, einen Schritt nach vorn zu gehen", fügte Unger hinzu. In der Digitalwerkstatt lernten Kinder verstehen, wie Computer funktionieren. Neben Standorten in Berlin, München, Hamburg, Lippstadt und Frankfurt biete das Unternehmen nun auch für zu Hause die "Digitalwerkstatt Box" an, mit altersgerechten Bastel- und Programmierprojekten und App-Empfehlungen für die Sechs- bis Zwölfjährigen. In Nordrhein-Westfalen würden dazu ab Mitte Oktober 14 Trucks mit mobilen Digitalwerkstätten auf Schulhöfen vorfahren. Mit praktischen Beispielen aus den Bereichen Elektrotechnik oder Musik glaubt Unger, selbst ältere Pädagogen überzeugen zu können. "Digitalen Bedenkenträger, die einmal so eine Unterrichtsstunde gesehen haben, fällt nichts mehr dagegen ein", stimmte Grosch zu.

Verbindung als Chance

"In der Verbindung zwischen Handwerkskunst und Digitalisierung liegt unsere Chance in Bayern", freute sich Eisenreich über das Haba-Geschäftsmodell. Der Freistaat sei nicht nur einer der "Top-Industriestandorte", sondern auch IT- und Medienstandort Nummer Eins in Europa. All das zusammen verspreche Erfolg, so der Staatsminister weiter. Industrie 4.0 könne es eben nur da geben, wo auch Industrie vorhanden sei. Der 47-Jährige kündigte an, dass die Staatsregierung Tempo machen wolle: Digitale Bildung brauche die nötige Infrastruktur, Inhalte und Fortbildung. Für die Ausstattung habe der Freistaat 212 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Für eine stärkere Betonung der "vierten Kulturtechnik", neben Lesen, Schreiben und Rechnen, würden die Lehrpläne überarbeitet. Die Pädagogik müsse stets Vorrang haben, die Technik dürfe ihr nur dienen, machte Eisenreich deutlich: "Digitale Bildung heißt nicht, ein Zimmer mit Geräten vollzustellen." Ganzheitlich betrachtet, sei der Raum neben Lehrern und Mitschülern "der dritte Pädagoge". Es freue ihn, dass Haba sich Input bei Schulen und Universitäten hole, um den Bedürfnissen gerecht zu werden. Mit einer "Fortbildungsoffensive" möchte der Freistaat alle Lehrkräfte davon überzeugen, dass sie "ihren Werkzeugkoffer erweitern" müssen. Am Ende zähle allein der Lernerfolg, betonte der Minister: "Und das Lernen ist eben auch anstrengend, trotz aller Hilfsmittel."

Ausländische Konkurrenz den Deutschen voraus

Ihm gefalle nicht nur die Experimentierfreudigkeit der Firmenfamilie, würdigte Eisenreich, sondern insbesondere deren Bereitschaft, auch Fehler zu machen. Den typisch deutschen Perfektionismus, "bei dem so lange getüftelt wird, bis auch das letzte Problem gelöst ist", könne man sich in der digitalen Welt nicht erlauben: "Da sind schnelle Ideen, Prototypen und das Reagieren auf Kundenwünsche gefragt!" Was "Tempo, Agilität und Fehlerkultur" angehe, sei die ausländische Konkurrenz den Deutschen voraus.

Nach dem abschließenden "spannenden Rundgang" durch die analoge Welt der Spielwarenproduktion zeigte sich der Gast aus München beeindruckt. "Ein Riesenbetrieb", meinte Eisenreich angesichts der in Bad Rodach beschäftigten 2000 Mitarbeiter. Dass die Firmengruppe der Region treu geblieben ist, nötigte ihm Respekt ab. In der Verankerung vor Ort sah der Staatsminister aber auch eine Stärke. Die Entwicklung von Spielen würde auch ihn reizen, gestand Eisenreich: "Wenn ich mal mit der Politik aufhöre, melde ich mich bei Ihnen", kündigte er augenzwinkernd Grosch gegenüber an. Derzeit plant der Staatsminister, der seit fast 15 Jahren im Landtag sitzt, jedoch keinen Ausstieg. Dafür nahm er gern die Einladung Ungers an, sich in Kürze die Digitalwerkstatt in seiner Heimatstadt anzusehen.