"....wenn Saxofone singen" lautete das Motto des jüngsten Musikfreunde-Konzerts im gut besuchten Kongresshaus. In der Reihe "Podium junger Künstler international" - einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Kulturbüro der Stadt Coburg - gastierte zum ersten Mal in Coburg das 2006 gegründete Signum Saxofonquartett, bestehend aus den Slowenen Blaz Kemperle und Alan Luzar (Sopran- und Tenorsaxofon) sowie den Sachsen Erik Nestler und David Brand (Alt- und Bariton).

Die bisherige internationalen Karriere des Ensembles gipfelte in einem Auftritt in der New Yorker Carnegie-Hall. Beim Konzert in Coburg verströmte das temperamentvolle Quartett nicht nur umwerfende Musizierlaune, sondern auch subtile Gestaltung und eine breite klangliche Palette.

Hätte Johann Sebastian Bach die Saxofonfamilie schon gekannt, hätte er bestimmt auch für sie komponiert, so aufgeschlossen wie er neuen Dingen gegenüber war; man denke nur an die zu seiner Zeit aufkommende temperierte Stimmung. Auch hätte er nichts gegen Transkriptionen seiner Werke für andere Instrumente gehabt, pflegte er doch selbst häufig diesen Brauch.

Kein Sakrileg

Mit der geschickten Bearbeitung des für Cembalo konzipierten Italienischen Konzerts F-Dur BWV 971 durch Katsuki Tochio wurde nicht etwa ein Sakrileg begangen, sondern hörbar, wie Bachs Musik praktisch in jeder klanglichen Gestalt durch ihre innere Substanz wirken kann, zumal wenn sie so technisch überlegen, musikantisch, nuancenreich und klanglich homogen dargeboten wird wie durch die vier Saxofonisten.

Besonders eindrucksvoll war die subtile Gestaltung des Andantes durch die verinnerlichten Soli von Sopran- und Tenorsaxofon zur verhaltenen zarten Begleitung der anderen Instrumente.

Originalliteratur für die 1841 von dem Belgier Adolphe Sax erfundene Instrumentenfamilie gibt es praktisch erst ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein gewichtiges Werk, allerdings erst 1932 entstanden, stammt von Alexander Glasunow - das Quartett B-Dur op. 109. Ein Allegro mit raffinierten harmonischen Wendungen, ein abwechslungsreicher Variationssatz, der in einem spritzigen Scherzo gipfelt, und ein virtuoser Schlusssatz boten dem Signum Quartett dankbare Aufgaben. Es stellte sein nahtloses Zusammenspiel, klangliche Vielfalt und intensive dynamisch-agogische Gestaltungsfähigkeit unter Beweis.

Atemlose Stille

Atemlose Stille prägte nach der Pause die berührende, verinnerlichte Wiedergabe des berühmten Adagios op.1 von Samuel Barber im Arrangement von Johann van der Linden. Eine Suite nach Themen aus "Porgy and Bess" von George Gershwin, anspruchsvoll arrangiert von Sylvain Dedenon, wurde brillant wiedergegeben.

Der von den Künstlern durchwegs ohne Noten musizierte zweite Teil gipfelte in dem wiederum von Johann van der Linden swingend arrangierten "Michelangelo 70" von Astor Piazzolla. Nicht weniger als drei folkloristische Zugaben waren der Lohn für den enthusiastisch gespendeten Beifall. Wer bisher geglaubt hatte, Saxofone wären nur grobe "Lärminstrumente", wurde bei diesem Konzert endgültig eines Besseren belehrt!