Bei einem seiner letzten Rundgänge durch das "Anstatt-Museum" ist Bürgermeister Markus Mönch (parteilos) ein bisschen hin- und hergerissen. Einerseits ist klar: "Die 180 000 Euro alleine für die Sanierung des Gebäudes haben wir schlicht nicht." Andererseits sagt er aber auch: "Es ist schon krass, wie die Korbmacher früher gelebt haben. Daran sollte man schon irgendwie erinnern." Aber die Entscheidung steht: Das Heimatmuseum wird aufgelöst, am kommenden Dienstag sollen die Weidhäuser die von ihnen zur Verfügung gestellten Exponate abholen.
Ein richtiges Museum war das "Anstatt-Haus" ja sowieso nie. Im Jahr 2000, da feierte Weidhausen das 775. Jahr nach seiner ersten urkundlichen Erwähnung, war die Ausstellung im Haus der "Pla-Frieda" (Nachname Bechauf, ein Weidhäuser Original) ein Bestandteil der Jubiläumsfeierlichkeiten - aber danach wurde es schnell ruhig um das Mini-Heimatmuseum. "Ein paar Mal", erinnert sich der Bürgermeister, "konnte man noch zu ausgewählten Terminen reinschauen". Zur Kirchweih, zum Beispiel.
Nie richtig umsetzen ließ sich in der Folgezeit der Gedanke, das "Anstatt-Museum" als lebendigen Bildungsplatz mit in den lokalen Schulunterricht zu integrieren. Warum die Volksschule nur geringes Interesse für die Ausstellung entwickelte, weiß Markus Mönch gar nicht so genau. Aber er weiß zumindest so viel: "Solche heimatgeschichtlichen Sachen sind halt auch schwer im Lehrplan unterzubringen." Dabei seien Teile der Ausstellung durchaus interessant, betont Bürgermeister.
Die Korbmacherwerkstatt im Erdgeschoss, zum Beispiel. Von der hat sich Markus Mönch gedanklich noch nicht gänzlich verabschiedet. "Dafür brauchen wir fünf Quadratmeter Fläche. Vielleicht finden wir ja irgendwo im Foyer der Schule ein Plätzchen", sagt Mönch, während er am Arbeitstisch sitzt und eine alte Traditionsflasche Bier in Augenschein nimmt. "Die Korbmacherei hat es schon verdient, dass wir sie der Nachwelt erhalten." Andere Teile der Einrichtung, wie etwa das für heutige Verhältnisse geradezu minimalistische Bett der "Pla-Frieda", werden am Ende wohl den Weg zur Müllentsorgung gehen. Der Holzwurm hat am Mobiliar ganze Arbeit geleistet.
Die Entsorgung wird bei allen Exponaten der Fall sein, die am Dienstag nicht von ihren Eigentümern abgeholt werden. Wie viele von ihnen kommen, kann der Bürgermeister schwer abschätzen: "Viele Anfragen sind bislang noch nicht eingetrudelt." Zudem sind die Unterlagen darüber, wem was gehört, im Rathaus eher überschaubar.
Beim Gebäude in der Hauptstraße lohnt sich der Erhalt auch nicht. Okay, die eine mit dunklem Schiefer verkleidete Front passt noch recht gut ins Umfeld, aber baulich ist das Haus in einem katastrophalen Zustand: die Stromleitungen sind völlig veraltet, einen Kanalanschluss gibt es gar nicht. Bei diesen Rahmenbedingungen war das Haus, sagt Markus Mönch, "schon seit Jahrzehnten dem Verfall geweiht". Finanziell hätte sich da eine Renovierung zu einem Fass ohne Boden entwickelt - zumal das Haus schon deutlich über 100 Jahre alt ist, aber vonseiten des Denkmalschutzes keinerlei Zuschüsse zu erwarten sind.


Der Abriss kommt...bald

Seit gut einer Woche ist das Ende des Gebäudes Hauptstraße 14 auch offiziell besiegelt. Wie Markus Mönch jetzt aus nichtöffentlicher Sitzung im Gemeinderat bestätigen kann, hat sich ein Käufer für das Anwesen gefunden. Der Notartermin steht schon für den Herbst im Kalender des Bürgermeisters, was mit dem Haus passieren wird, ist noch nicht im Detail geklärt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es abgerissen wird, ist aber groß.


Alles muss raus

Räumung: Die Gemeinde gibt allen Eigentümern die Möglichkeit, die von ihnen zur Verfügung gestellten Ausstellungsstücke wieder abzuholen.

Termin: Die Herausgabe der Exponate findet nur zu einem Termin statt: Am Dienstag, 1. August, von 8.30 bis 11.30 Uhr.

Nix für Neugierige: Die Gemeindeverwaltung weist ausdrücklich darauf hin, dass das "Anstatt-Museum" am Dienstag nur für Personen zugänglich ist, die ihre Exponate abholen wollen. Eine Besichtigung der Ausstellung ist nicht möglich.