Zu einem dramatischen Vorfall kam es am Morgen des Gründonnerstags in der Coburger Innenstadt. Gegen 8.30 Uhr war eine 29-jährige Frau mit ihren drei Kindern in der Bahnhofstraße unterwegs; das Kleinste schob sie im Kinderwagen, die beiden anderen - ein und vier Jahre alt - liefen selbst. Vor dem Kindergarten Augustenstift kam ihnen dann, wie im Polizeibericht geschildert wird, eine 63 Jahre alte Rentnerin entgegen. Diese beleidigte zunächst die junge Mutter mit ausländerfeindlichen Äußerungen.

Junge am Knie verletzt

Dann plötzlich fasste die Rentnerin nach dem Vierjährigen und schleuderte ihn auf die Straße. Glücklicherweise wurde der Bub von keinem Fahrzeug erfasst; mehrere Autos konnten noch rechtzeitig bremsen beziehungsweise ausweichen. Der Junge erlitt leichte Verletzungen am Knie. Die Mutter erstattete sofort Anzeige, und bei der Coburger Polizei nahm man sich der Sache auch sofort mit Nachdruck an. Dies wiederum könnte nach Informationen unserer Zeitung damit zu tun haben, dass die 63-Jährige in Coburg keine Unbekannte ist. Schon häufiger ist sie in der Vergangenheit durch ausländerfeindliche Aktionen aufgefallen. So verschickte sie zum Beispiel regelmäßig Briefe und Mails mit Hetzparolen. Auch Alexander Czech vom Polizeipräsidium Oberfranken sagte am Karfreitag, dass die Frau "möglicherweise geistig verwirrt" sei.

Die Ermittlungen der Kriminalpolizei erfolgten in enger Absprache mit der Coburger Staatsanwaltschaft. War anfangs noch ganz allgemein von einem "versuchten Tötungsdelikt" die Rede, teilte die Polizei Freitagabend mit, dass sich "der Verdacht erhärtet" habe, dass es sich um einen "versuchten Mord" gehandelt habe. Sprich: Die Rentnerin muss die Mutter und deren Kinder gekannt haben; möglicherweise hat sie auch schon früher die junge Familie beschimpft und bedrängt.

Haftbefehl am Karfreitag

Die 63-Jährige, die am Donnerstagabend festgenommen worden war, wurde am Nachmittag des Karfreitags dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser erließ einen Untersuchungshaftbefehl gegen sie. Mittlerweile sitzt die Coburgerin in einer Justizvollzugsanstalt.

Für die weiteren Ermittlungen sucht die Polizei dringend Zeugen des Vorfalls, insbesondere Autofahrer, die wegen des Jungen auf der Fahrbahn bremsen oder ausweichen mussten.

Dass sich der Junge bei dem Vorfall nicht schwerer verletzte, mag auch einem Zufall geschuldet sein: Die eigentlich viel befahrene Bahnhofstraße ist zurzeit aufgrund einer Baustelle in einer Fahrtrichtung gesperrt, so dass etwas weniger Verkehr herrscht als üblich.

Nach wie vor bitten die Beamten, dass sich Zeugen des Vorfalls, insbesondere die Autofahrer, die wegen des Jungen auf der Fahrbahn bremsen oder ausweichen mussten, sich mit der Kriminalpolizei in Coburg unter der Telefonnummer 09561/6450 in Verbindung setzen.