Die Einkaufsstadt Coburg lebt - der heimliche Star des verkaufsoffenen Sonntags ist allerdings schon seit 150 Jahren tot. Die Rede ist von Christian Friedrich von Stockmar, der sich seit 1830 "Freiherr von Stockmar" nennen durfte. Bereits seit Anfang 2009 trägt der kleine unscheinbare Platz zwischen Mauer und Webergasse seinen Namen - doch wissen tun das die wenigsten.

"Wir kennen uns eigentlich gut aus in Coburg - aber von diesem Platz haben wir noch nie etwas gehört", sagt ein Mann und faltet das Programmheft zum verkaufsoffenen Sonntag auf. "Schätze & Plätze" lautete erstmals das Motto, "Coburg macht blau" ist also Geschichte. Ein Farbtupfer war aber trotzdem gewünscht. Doch der "rote Faden", den Aktionskünstler Alex quer durch die Stadt gesponnen beziehungsweise gesprüht hatte, war leider an vielen Stellen vom samstäglichen Regen weggespült worden. Die Besucher fanden aber trotzdem den Weg von Platz zu Platz und von Attraktion zu Attraktion - und in jedem zweiten Gespräch war das Wetter ein Thema: "Welch Glück, dass es heute schöner ist!"

Besser als der Online-Einkauf

Erleichtert vom trockenen Wetter waren vor allem die Händler, die sich viel hatten einfallen lassen, um die Kunden in die Stadt zu locken - und um zu zeigen, wie sehr viel schöner es ist, "live" einzukaufen und nicht irgendwelche Sachen anonym im Internet zu bestellen.

Wie lebendig die Einkaufsstadt Coburg ist, war praktisch an jeder Straßenecke zu sehen, zu hören oder auch zu riechen. Da gab es Luftballons und auch viele schmackhafte Werbegeschenke (Marzipantäfelchen aus eigener Manufaktur beispielsweise - oder Weißbrot, bestrichen mit einer Creme aus Räucherkarpfen). Da waren Bands und Alleinunterhalter am Werk, und da bahnte sich eine Pferdekutsche einen Weg durchs Volk. Die Werbung für den Western "Tombstone" am Landestheater hinterließ Spuren, auch in Form von Pferdeäpfeln.

Neue Spielgeräte im Steinweg

Im Steinweg wurden zwei neue Spielgeräte für Kinder offiziell eingeweiht. Bezahlt wurden sie von den Einzelhändlern im Steinweg, dem Grünflächenamt und dem Citymanagement. Sie lösten damit eine Wettschuld ein, die seit dem letzten Steinweg-Fest noch ausstand.

Zu guter Letzt noch einmal zum Freiherrn von Stockmar. Denn viele fragten sich am Sonntag, wer dieser Mann war. Antwort: Er war Leibarzt von Prinz Leopold sowie später Berater von Prinz Albert und Queen Victoria. Er wurde 1787 in Coburg geboren und wohnte in der Webergasse; das Wohnhaus steht direkt gegenüber von dem Platz, der seit 2009 seinen Namen trägt.