Kurz nach der Urteilsverkündung steht der 25-jährige Sexualstraftäter im Innenhof des Coburger Landgerichts. Der junge Mann unterhält sich angeregt mit seinen Adoptiveltern. Dabei zieht er immer wieder hektisch an einer Zigarette. Der Coburger mit der markanten schwarzen Brille und den zurückgegelten Haaren wirkt gelöst, fast schon entspannt.

Kurz darauf begleiten ihn zwei Polizeibeamte durch die Sicherheitsschleuse. Durch die Eingangstür geht es hinaus zu einem braunen Kleinbus, der direkt vor dem Gerichtsgebäude steht. Der Vergewaltiger, der nach insgesamt drei Verhandlungstagen zu einer Gesamthaftstrafe von sechs Jahren verurteilt wurde, verabschiedet sich kurz von seinen Adoptiveltern und steigt dann ein. Wenig später rauscht der Bus davon.

Für den Verurteilten geht es in Richtung Bayreuth. Dort ist der 25-Jährige auf eigenen Wunsch seit Anfang September in der Psychiatrie untergebracht. Und dort wird er vorerst auch bleiben. Die 1. Große Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Gerhard Amend hat die weitere Unterbringung und Behandlung in dem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.

Die Tat, so Amend, sei eine besonders schwere Vergewaltigung gewesen, das stehe fest. "Das Opfer hatte lange sehr heftige Schmerzen." Deshalb müsse die Allgemeinheit vor dem Täter geschützt werden. "Er hat eine Sexualstörung und einen starken Sexualtrieb, der durch seinen Alkoholismus noch verstärkt wird."

Schreckliche Geschehnisse

Der Verurteilte sei behandlungsbedürftig und behandlungswillig. "Sie müssen jetzt ihre Alkoholsucht und Ihre Sexualität in den Griff bekommen. Es kann nicht sein, dass Sie sich Frauen gegenüber so verhalten. Man muss sich zurückhalten können", gab der Richter dem 25-Jährigen mit auf den Weg.

Nach dem Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Cornelis Stadtland war der Prozessausgang von vielen Beobachtern in dieser Form erwartet worden. Ob das Urteil dem Opfer dabei helfen wird, die schrecklichen Geschehnisse der Vergewaltigung zu verarbeiten, bleibt offen. Die mexikanische Studentin, die der 25-Jährige im Februar 2014 an einem Treppengeläder eines Hausflurs brutal vergewaltigt hatte, lebt seit längerem wieder in Mexiko. Nach Aussage ihrer Anwältin ist die junge Frau noch immer stark traumatisiert. "Sie konnte Monate lang nicht studieren und wird noch immer therapiert. Für meine Mandantin ist in dieser Nacht eine Welt zusammengebrochen. Die Frage nach dem Warum quält sie", sagte Cornelia Gidengil.

In ihrem Plädoyer hatte die Rechtsanwältin im Namen des Opfers an die Prozessbeteiligten einen bemerkenswerten und ergreifenden Appell weitergegeben. Der jungen Mexikanerin, so Gidengil, gehe es bei der Bestrafung des Täters auch hauptsächlich um Prävention. "Sie sagte mir: Keine Frau soll jemals das erleben, was ich erleben musste." Deshalb könnten die Unterbringung und Behandlung des Mannes eine Chance sein, "dass er irgendwann ein unauffälliges Leben führt".

Trotz allem sei das Verhalten des Angeklagten in diesem Prozess nicht angemessen gewesen. Der Täter, so die Nebenklägerin, sei in der Hauptverhandlung "extrem kühl und distanziert" aufgetreten, habe sich nicht entschuldigt und teilweise "nicht verschämt, sondern unverschämt" gegrinst. "Er hat nur emotional reagiert, wenn es um seine Person ging."

Wie auch schon in den Prozesstagen zuvor verfolgte der Sexualstraftäter, der auch wegen exhibitionistischer Handlungen sowie versuchtem sexuellen Missbrauch von Kindern verurteilt wurde, die Ausführungen der Nebenklägerin mit einem apathischen, fast starren Gesichtsausdruck. Auch das Urteil nahm er ruhig und gefasst zur Kenntnis.

Einzig zum Ende der Plädoyers hatte er noch mal kurz das Wort ergriffen und sich entschuldigt. "Es war nicht richtig, was ich gemacht habe. Es tut mir schrecklich leid."