An diesen Besuch in Neustadt wird sich der Komponist Gerhard Deutschmann sicher noch lange erinnern. Denn vor zahlreichen Zuhörern in der fast ausverkauften Mehrzweckhalle Heubischer Straße bescherte ihm das Orchester der Musikfreunde Neustadt eine rundum gelungene Uraufführung. Eine Reihe von Jahren lag Deutschmanns 2. Sinfonie in der Schublade, bevor Musikfreunde-Chefdirigent Hans Stähli das Werk als Uraufführung auf das Programm des Frühjahrs-Konzerts setzte.

Spannungsvolle Steigerungen

Mit dem sorgfältig einstudierten Orchester der Gesellschaft der Musikfreunde gelang Hans Stähli eine überzeugende, spannungsvolle und lebendige Deutung des viersätzig angelegten Werkes.

Die in freier Tonalität gehaltene Sinfonie stellte das Orchester vor dankbare Aufgaben und zeichnete sich durch prägnante Motive und Melodik, aber immer wieder auch durch spannungsvoll herausgearbeitete Steigerungen aus. Das Werk leugnet keineswegs stilistische Vorbilder von Bruckner bis Mahler, findet aber doch eine ganz eigene Tonsprache. Am Ende gab es lautstarken Beifall des Publikums und vom Komponisten persönlichen Dank an seinen umsichtigen Uraufführungs-Dirigenten.

Vielseitiges Programms

Deutschmanns 2. Sinfonie war eingefügt in ein stilistisch vielseitiges Programm, das durchweg Neustadter Erstaufführungen enthielt. Den Auftakt machte das lyrisch geprägte Klavierstück "Abendlied" von Robert Schumann, das Hans Stähli in einer Orchesterfassung von Camille Saint-Saens ausgewählt hat - raffiniert farbenreich in der Instrumentierung.

Frech bis eingängig

Gemeinsam mit André Messager hat Gabriel Fauré eine ironisch gefärbte Huldigung an Richard Wagner geschrieben - eine Quadrille über Motive aus der "Ring"-Tetralogie. Frech bis eingängig klang diese Wagner-Bearbeitung, vom Musikfreunde-Orchester konzentriert und schwungvoll interpretiert.

Faszinierend virtuos

Eine echte Entdeckung bildete nach der Pause den Abschluss - das mit dem Untertitel "Concerto militaire" versehene Cellokonzert von Jacques Offenbach. Dieses Konzert des Operettenmeisters glänzt durch den hochvirtuosen technischen Anspruch des Soloparts und verblüfft durch seine stilistische Vielfalt bis hin zur gelegentlichen Vorwegnahme des Tonfalls von Gustav Mahler in einzelnen Passagen. Als Solistin hatte Hans Stähli die stellvertretende Solocellistin des Staatsorchesters Mainz verpflichtet: Hanna Pyrozhkova.

Couragierte Solistin

Sie beeindruckte durch den mutigen Elan, mit dem sie die außergewöhnlichen technischen Schwierigkeiten des ausgedehnten Werkes souverän meisterte. Unter der stets umsichtigen Leitung von Hans Stähli überzeugte das Orchester der Musikfreunde durch konzentriertes und engagiertes Spiel.

Die couragierte Virtuosität der Solistin wurde vom Publikum schon nach dem ersten Satz mit spontanen Beifall belohnt und am Ende mit regelrechten Ovationen gefeiert.

Uraufführung bei den Musikfreunden Neustadt

Der Komponist 1933 in Königsberg/Preußen geboren, absolvierte Gerhard Deutschmann sein Studium der Schulmusik in München. Als Musiklehrer war er in Coburg an den Gymnasien Ernestinum und Albertinum tätig. Seit 1963 schreibt er Musikkritiken für das Coburger Tageblatt. Von 1969 bis 1983 dirigierte er als Chorleiter des Konzertchors Coburg Sängerkranz zahlreiche Konzerte in der Region und leitete 1993 die Uraufführung seiner 1. Sinfonie. Für sein umfangreiches kompositorisches Schaffen wurde er mit einer Vielzahl von Preisen bedacht. Mit seiner Kantate "La Musica" gewann er im Jahr 1975 den 1. Preis beim Kompositionswettbewerb in Barcelona. In insgesamt etwa 20 Verlagen sind zahlreiche Werke erschienen, darunter viele Chor- und Instrumentalwerke Orchester-Geschichte Die Gesellschaft der Musikfreunde Neustadt wurde 1925 gegründet. Nach dem schwierigen Wiederbeginn nach Kriegsende begann 1952 die Ära von Rudolf Potyra als Chefdirigent des Orchesters. Bis in die 50er Jahre waren die Musikfreunde ein Orchester aus Neustadtern und für Neustadter. Nach dem Fall der innerdeutschen Grenze 1989 fanden auch Musikliebhaber aus Sonneberg den Weg in das Orchester. Nachfolger Potyras als Leiter wurde Rolf Otto. Seit April 2013 ist Hans Stähli, längjähriger ehemaliger Erster Kapellmeister des Landestheaters, Chefdirigent des Orchesters.