Seit fast 30 Jahren wird nach einer Lösung gesucht, wie man den Bahnübergang in der Creidlitzer Straße nervenschonender für Autofahrer, Fußgänger und Radler gestalten könnte. 1985 wurde ein rechtskräftiger Bebauungsplan aufgestellt, der immer mal wieder aus der Schublade geholt wurde. Letztendlich blieb aber alles beim Alten. Im vergangenen Jahr machte die Stadt nun - auch mit Blick auf die ICE-Neubaustrecke - Nägel mit Köpfen: Der Übergang am Creidlitzer Bahnhof soll untertunnelt werden, der Übergang zum Fabrikweg wird geschlossen und durch eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer ersetzt.

Der Bau- und Umweltsenat beschäftigte sich gestern mit dem Ergebnis der öffentlichen Auslegung. Zwar seien noch einige geringfügige Änderungen einzuarbeiten, sagte Katja Link vom Stadtplanungsamt, die Grundzüge des Bebauungsplanes berührten sie aber nicht. Der Bausenat konnte ihn somit als Satzung beschließen (bei einer Gegenstimme) - der Umsetzung der Pläne steht nun nichts mehr im Wege.

31 Träger öffentlicher Belange hatte die Stadt Coburg an der Auslegung beteiligt, sechs von ihnen hätten Anregungen vorgebracht, berichtete Verkehrsplanerin Katja Link dem Senat. Zudem seien 26 Schreiben eingegangen sowie Unterschriftenlisten gegen das Vorhaben - mit fast 200 Unterschriften. Die Stadt habe zahlreiche Gespräche geführt, um Bedenken gegen das Projekt auszuräumen, sagte Katja Link.

Variante mit Kreisverkehr

Unter anderem ging es in ihrer 40-seitigen Präsentation um einen Alternativvorschlag, den Michael Rack aus Finkenau eingereicht hatte. Er hatte angeregt, die Creidlitzer Straße am Bahnhof als Sackgasse enden zu lassen und die Unterführung etwa dort zu bauen, wo heute noch der Übergang zur Hahnwiese führt. Die Kreuzung Fabrikweg mit der Zu- und Abfahrt zur B4 hätte Rack durch einen Kreisverkehr zwischen Baumarkt und Discounter ersetzt.

Stadtbauamt, CEB und ein Planungsbüro haben die Alternative geprüft und für nicht realisierbar befunden. Abgesehen davon, dass dabei viele Fragen offen blieben, wie Katja Link erläuterte, gebe es bei dieser Variante das grundsätzliche Problem, dass der Kreisel zwischen vier und viereinhalb Meter tiefer liegen müsste als das jetzige Straßenniveau. Das käme zum einen wesentlich teurer als geplant, zum anderen würde es weitere Schwierigkeiten mit sich bringen. So wäre etwa die Zufahrt zum Baumarkt nicht mehr zu nutzen, weil der Fabrikweg dem Gefälle zum Kreisverkehr hin angepasst werden müsste und dann um einiges tiefer liegen würde als die Einfahrt zum Parkplatz. Ähnlich problematisch wäre die Anbindung der Brücke über die B4 an den Kreisel. Laut Expertenmeinung müsste sie dafür teuer umgebaut, wenn nicht sogar komplett neu gebaut werden.

Schallschluckende Verkleidung

Bei nicht wenigen Anwohnern stößt das Vorhaben der Stadt auf Widerstand. Besonders im Bereich des Creidlitzer Bahnhofs und in der Straße Kalter Grund befürchten die Bewohner, dass durch eine Unterführung deutlich mehr Lärm entsteht als heute durch die Fahrzeuge, die vor der geschlossenen Schranke warten.

Die schalltechnische Untersuchung eines Münchner Instituts hat bestätigt, dass bei insgesamt zehn Gebäuden Anspruch auf Schallschutz bestehe. Wegen der örtlichen Gegebenheiten kämen allerdings nur passive Maßnahmen infrage - darunter ist etwa der Einbau von Schallschutzfenstern zu verstehen oder - wie es die Stadt in die Planung aufgenommen hat - eine schallschluckende Wandverkleidung in der Unterführung.

Eine Lärmschutzwand, wie sie schon vor der öffentlichen Auslegung diskutiert wurde, sei dagegen weder aus wirtschaftlicher noch aus städtebaulicher Sicht vertretbar, sagte Katja Link. Eine solche Wand müsste 130 Meter lang und über sechs Meter hoch sein - Kostenpunkt: mehr als 600 000 Euro.

Gegen die Stimme von Grünen-Stadtrat Wolfgang Weiß einigten sich die (übrigen acht) Senatsmitglieder schließlich darauf, die Satzung für den Bebauungsplan zu beschließen. Es sei ja bekannt, dass die Grünen keine Unterführungen haben wollten, sagte Peter Kammerscheid (Pro Coburg) in Richtung Wolfgang Weiß, betonte aber: "Wir haben ein Eisenbahnkreuzungsgesetz - wohlgemerkt: ein Gesetz! Und dem ist nunmal nachzukommen."
Nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz dürfen neue Bahnkreuzungen grundsätzlich nicht mehr als klassischer Bahnübergang angelegt werden. Bestehende Anlagen sollen möglichst "höhenfrei" umgebaut werden. Die Bahn soll also entweder auf Brücken über den Verkehr geführt werden oder - sofern es technisch machbar ist - mit einer Unterführung für den Verkehr.