Oh Mann, diesen Scherz hätte Bernd Reisenweber (Bürgergemeinschaft) bei der offiziellen Inbetriebnahme lieber nicht machen sollen. Gerade mal zweieinhalb Wochen ist es her, da witzelte der Bürgermeister über die "Coburger Zustände", die mit ihren ständig defekten Bahnhofsaufzügen die Ebersdorfer lieber nicht treffen mögen. Und jetzt stehen die Ebersdorfer da... Mit einer millionenteuren Fußgängerunterführung in der Garnstadter Straße, die von Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Fahrradfahrern und Personen mit Kinderwagen nicht genutzt werden kann. Der Aufzug ist defekt.

Als schon am Tag nach der technischen Abnahme die Feuerwehr-Alarmierung losging, weil eine Person im Fahrstuhl feststeckte, dachte Bernd Reisenweber ja noch an einen vorweihnachtlichen Scherz. Aber inzwischen verdreht er ziemlich genervt die Augen, wenn er zusammenfasst: "Ich glaube, dass wir vier Mal alarmiert worden sind." Immer habe es das gleiche Problem gegeben: Die Tür ging nicht mehr auf, also habe die Feuerwehr anrücken müssen. Eine große technische Herausforderung sei das für die Einsatzkräfte nicht gewesen, versichert der Bürgermeister: "Wenn sie da sind, ganz das recht fix."

Als die TÜV-Abnahme des Aufzugs am 19. Dezember (und damit sechs Tage nach der offiziellen Inbetriebnahme der Unterführung) stattfand, war Bernd Reisenweber extra persönlich mit dabei. Sogar eine Probefahrt hat er mitgemacht und dabei weder an der Kompetenz des anwesenden Monteurs noch an der Technik des Aufzuges Zweifel bekommen.

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Aber jetzt ist Schluss. Selbst sein Urlaub hat den Bürgermeister nicht davon abhalten können, eine dienstliche Anweisung zu geben und die Aufzugsanlage bis auf weiteres sperren zu lassen. Ob diese Entscheidung überhaupt schon Sache der Gemeinde ist, weiß Bernd Reisenweber nicht mal so genau. Die Verträge zum künftigen Betrieb und Unterhalt des Bahnübergangs sind nämlich noch nicht unterschrieben. Aber momentan gehe erst mal die Sicherheit vor, sagt der Bürgermeister, der "selbstverständlich" von einer Sache aber schon ausgeht: "Dass wir hier eine voll betriebstaugliche Anlage bekommen." Denn am Ende, so viel ist jetzt schon klar, werden die Ebersdorfer für den Unterhalt der Anlage zuständig sein. Gebaut wurde die Unterführung aber vom Landkreis Coburg - als Teilprojekt der Umgehungsstraße der CO13.

Wie lange die Sperrung des Aufzugs dauern wird, vermag man im Ebersdorfer Rathaus nicht abzuschätzen. Der Bürgermeister geht davon aus, dass wohl erst mal die Feiertage rumgehen müssen, bis sich ein Monteur die Sache anschaut. Erst danach wird Bernd Reisenweber auch sein Versprechen wahr machen und mit einer älteren Dame aus direkter Nachbarschaft der Unterführung eine Aufzugsfahrt unternehmen. Bisher hat er das noch nicht gemacht. Zum Glück, sagt der Bürgermeister lachend: "Sonst hätten wir uns sicherheitshalber ein bisschen Proviant mitnehmen müssen."