"Die Konjunktur im Wirtschaftsraum Coburg trübt sich zunehmend ein. Besonders unsere sehr exportstarke Industrie verspürt Abkühlung und die sich zuspitzenden Handelskonflikte der USA mit China und der EU. Auch der Strukturwandel in der Automobilindustrie sorgt weiter für Unsicherheit bei den Unternehmen, die über rückläufigen Auftragseingang berichten", kommentiert Präsident Friedrich Herdan die Herbst-Konjunkturumfrage der IHK zu Coburg.

Im Vergleich zum Frühjahr ist der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen auf 34 Punkte gefallen. In der Summe bewerten branchenübergreifend 86 Prozent der heimischen Betriebe die derzeitige Lage immerhin noch als "befriedigend" oder "gut"; 14 Prozent sind unzufrieden.

Unter dem langjährigen Durchschnitt

Mithin fällt der IHK-Konjunkturklimaindex, der als Stimmungswert sowohl die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen als auch ihre Geschäftserwartungen abbildet, auf 109 Punkte. Damit rangiert er zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2009/10 unter dem langjährigen Durchschnitt von 116 Punkten.

"Angesichts der strukturellen Herausforderungen der gewerblichen Wirtschaft ist die Politik gefordert, endlich positive, wachstumsfreundliche Signale entgegenzusetzen. Auch unsere Coburger Unternehmen brauchen bezahlbare, zuverlässige Energieversorgung, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, größere Anstrengungen beim digitalen Infrastrukturausbau und ein wettbewerbsfähiges Steuersystem", so Herdan.

"Nötig sind zudem insbesondere mit Blick auf das Klimaschutzpaket 2030 der Bundesregierung mehr Anreize für technologieoffene Investitionen, um Klimaziele auch tatsächlich erreichen zu können. Verbote und Verzicht bringen uns hierbei nicht weiter. Sie schwächen nur unseren Standort", so Herdan abschließend.

Wie sieht es in den einzelnen Branchen aus?

Industrie

Aktuelle Lage: Globale Handelsstreitigkeiten und die Debatte um neue Formen der Mobilität hinterlassen ihre Spuren. Die Industrieunternehmen melden nur schwache Nachfrage aus dem In- und Ausland sowie niedrigere Auslastung im Vergleich zur Vorumfrage. Obwohl viele Betriebe noch ein Auftragsplus aus Zeiten der Hochkonjunktur nachführen, wird der Auftragsbestand geringer. Entsprechend weniger zufrieden sind die Unternehmen mit ihrer aktuellen Geschäftslage: Nur noch 38 Prozent der Coburger Industrieunternehmen bezeichnen die Lage als "gut", 21 Prozent hingegen als "schlecht". Per Saldo büßen die Lagebeurteilungen im Vergleich zur Frühjahrsbefragung nochmals 6 Punkte ein. Auf diese Situation reagiert die regionale Industrie mit stagnierenden Investitionsplanungen und rückläufigen Personalplanungen.

Erwartungen: Auch die prognostizierten Geschäftserwartungen der Coburger Industrieunternehmen deuten nicht auf eine schnelle Besserung hin. Lediglich 8 Prozent rechnen mit Geschäftsbelebung, 27 Prozent mit Eintrübung. Gemessen am Saldo sind die Erwartungen im Vergleich zum Frühjahr damit nochmals gesunken: von -12 auf -19 Punkte. Sowohl was das In- als auch das Auslandsgeschäft betrifft, haben die Unternehmen ihre Erwartungen herabgesetzt.

Industrie im Einzelnen:

Maschinenbau

Aktuelle Lage: Der noch hohe Auftragsbestand aus dem Vorjahr sorgt derzeit noch für eine angemessene Auslastung der Kapazitäten. Somit sind zwei Drittel der befragten Unternehmen mit ihrer Geschäftslage noch zufrieden. Leichte Auftragszuwächse sind nur aus Nord-Amerika zu verzeichnen.

Erwartungen: Mit Blick auf die kommenden Monate dürfte sich die gemäßigtere Gangart der Coburger Maschinenbauer fortsetzen. Weder aus dem In- noch Ausland wird ein Auftragsplus erwartet. Die Mehrheit der befragten Unternehmer geht von gleichbleibenden Geschäften aus.

Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterindustrie

Aktuelle Lage: Der Saldo aus "gut"- und "schlecht"-Urteilen der Coburger Automobilzulieferer liegt bei +37 Punkten. Im Gegensatz zu den Maschinenbauern berichten einige Zulieferer von spürbaren Auftragsrückgängen, insbesondere aus Nord-Amerika und China.

Erwartungen: Der Blick der Coburger Automobilzulieferer auf die kommenden Monate bleibt gedämpft. Handelskonflikte, die besonderen Herausforderungen der Automobilindustrie und die ungelöste Brexitfrage haben sich zuletzt weiter verschärft. Weder aus dem In- noch Ausland wird ein Auftragsplus erwartet. Der Saldo aus positiven und negativen Geschäftsprognosen ist deutlich in den Negativbereich abgesackt.

(Polster-)Möbelindustrie

Aktuelle Lage: Die befragten Gebrauchsgüterproduzenten zeigen sich im Herbst mit ihrer aktuellen Situation wenig zufrieden. Hintergrund sind gesunkene Auftragseingänge aus dem Inland, die hohe Importkonkurrenz sowie gestiegene Kostenfaktoren, wie zum Beispiel Logistikkosten, die verstärkt auf die Branche einwirken. Nur noch 22 Prozent der Möbler bezeichnen ihre Geschäftslage als "gut". 67 Prozent berichten von zufriedenstellender Kapazitätsauslastung.

Erwartungen: Die Geschäftsaussichten bleiben trotz guter Resonanz bei den regionalen Hausmessen für die kommenden Monate gedämpft. Eine allmählich abkühlende Bautätigkeit und damit weniger Ersteinrichter dürften sich zunehmend dämpfend auf die Möbelnachfrage auswirken und auch die jahrelang gute Verbraucherstimmung bekommt gemäß den jüngsten GfK-Zahlen erste Dellen. Dementsprechend rechnen 29 Prozent der Branchenvertreter mit rückläufigen Geschäften.

Dienstleistung

Versicherungs- und Finanzgewerbe

Aktuelle Lage: Das regional sehr starke Versicherungs- und Finanzgewerbe meldet weiterhin sehr gute Geschäfte. Alle Unternehmen sind voll bzw. befriedigend ausgelastet. Die Hälfte der befragten Branchenvertreter konnte ihren Inlandsumsatz nochmals verbessern.

Erwartungen: Mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage in den kommenden Monaten rechnen aber lediglich 20 Prozent der Branchenvertreter.

Unternehmensnahes Dienstleistungsgewerbe

Aktuelle Lage: Die Schwäche in der Industrie greift allmählich auf das unternehmensnahe Dienstleistungsgewerbe über. Nur noch 58 Prozent berichten aktuell von einer guten, 33 Prozent aber nur noch von einer befriedigenden Situation. Per Saldo sinken die Lageurteile im Vergleich zur Vorumfrage um 21 Punkte.

Erwartungen: Auch im unternehmensnahen Dienstleistungsgewerbe sind die geschäftlichen Erwartungen an die kommenden Monate abgeflaut. Noch 14 Prozent der Befragten erwarten eine günstige Entwicklung, 57 Prozent eine gleichbleibende Lage.

Handel

Einzelhandel

Aktuelle Lage: Der hohe Beschäftigungsstand, die gestiegenen Realeinkommen und die niedrigen Zinsen sorgen dafür, dass die Rahmenbedingungen für den Konsum grundsätzlich stimmen. Dennoch bleibt die Stimmung im regionalen Einzelhandel weiterhin verhalten. Derzeit bewerten 25 Prozent der befragten Händler die geschäftliche Lage als gut. 50 Prozent bezeichnen sie immerhin noch als befriedigend. Während die Umsätze im Onlinegeschäft gesteigert werden konnten, stellten sich in Ladengeschäften Umsatzrückgänge ein.

Erwartungen: Trotz nach wie vor robuster Lage auf dem Arbeitsmarkt und damit guten Voraussetzungen für den Privatkonsum ist für Coburgs Einzelhändler rasche Besserung nicht in Sicht. Dies zeigt der deutlich skeptischere Ausblick der Befragten auf die nächsten Monate. 17 Prozent der Befragten gehen von einem Rückgang der Geschäfte aus (Vorumfrage 0 Prozent).

Großhandel

Aktuelle Lage: Der Großhandel ist sehr zufrieden und liegt in der Beurteilung der aktuellen Lage über den Werten der Vorumfrage. 60 Prozent bewerten die Geschäftslage mit gut - fast ein Drittel konnte Umsatzzuwächse im Inland verzeichnen. Allerdings gab es auch kritische Stimmen, insbesondere von denjenigen, die im Bereich Investitionsgüter und Zubehör tätig sind.

Erwartungen: Da der Großhandel vor allem von der Nachfrage anderer Branchen abhängig ist, spüren die Grossisten die konjunkturelle Abschwächung deutlich und senken ihre Aussichten auf die kommenden Monate: Der Saldo der Erwartungen ist von 17 auf 11 Punkte gefallen. Dies deutet darauf hin, dass auch der Großhandel nicht sonderlich stark wachsen dürfte.

Tourismus

Aktuelle Lage: Das Stimmungsbild des Coburger Tourismus ist nicht nur weiterhin gut, es konnte sich im Vergleich zur Frühjahrsumfrage sogar noch einmal verbessern. 58 Prozent der Unternehmer im Gastgewerbe beurteilen ihre Geschäftslage als gut, kein Unternehmen ist unzufrieden. Grundlage ist sowohl die positive Entwicklung der Umsätze im Bereich der Urlaubsreisenden als auch die Auslastung der Betten in Beherbergungen.

Erwartung: Auf die kommende Wintersaison blickt die Branche traditionell verhalten. 67 Prozent und damit die Mehrheit rechnet mit einer stabilen Geschäftsentwicklung. Erhebliche Probleme bereitet den Unternehmen weiterhin der Fachkräftemangel, der im Tourismus zur Wachstumsbremse wird.