Die Verträge mit der Entsorgungsfirma kündigen oder auf die Möglichkeit einer Vertragsstrafe hin prüfen: Das hatte die (damals noch bestehende) Fraktion von Bündnis 90/Grüne im Stadtrat gefordert, nachdem in den ersten Januartagen viele Behälter übergequollen waren. Die Stadt achte auf ein ansprechendes Straßenbild, hieß es in dem Antrag. Aber es sei wiederholt geschehen, das Altglas "rund um die vollen und ohnehin äußerst unschönen Container über mehrere Tage stehen" bleibe. Abgesehen vom Straßenbild, verleite dieser Zustand die Bürger auch dazu, Altglas in die Restmülltonne zu werfen, was dem Recyclinggedanken widerspreche.

Das Problem sieht der städtische Entsorgungsbetrieb CEB wohl, allein ihm fehlt die Handhabe: Die Altglasabfuhr sei nämlich nicht Sache der Kommunen, erläutert Johannes Balk, beim CEB für Abfall zuständig. Glasflaschen und -konservengläser gelten als Umverpackung, also seien die Hersteller für Entsorgung beziehungsweise Wiederverwertung zuständig. Die Hersteller, im Coburger Fall die Duales System Deutschland GmbH, beauftrage die Entsorgungsunternehmen, die die Altglascontainer leeren.

Als Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) dies am Donnerstag im Stadtrat vortrug, sorgte dies für Kopfschütteln und etwas Unmut. "Wir können die Zustände so nicht hinnehmen", sagte Wolf-Rüdiger Benzel als Sprecher für die Antragsteller. "Wo leben wir, wenn da jemand Geld bekommt und seine vertraglichen Pflichten nicht erfüllt." Die Mitarbeiter des CEB würden jeder Beschwerde nachgehen und seien auch wöchentlich sowohl mit dem Dualen System als auch mit der Entsorgungsfirma in Kontakt, sagte Tessmer. Er selbst werde die Firmen brieflich auf das Thema hinweisen. Doch Christin Müller (CSB) stellte das nicht zufrieden. "Die Glascontainer stehen im öffentlichen Raum. Also ist das eine Sondernutzung. Da muss es doch irgendeine Vereinbarung geben."

Die Sondernutzungserlaubnis gibt es tatsächlich, bestätigt Johannes Balk. Die Container stehen schließlich auf öffentlichen Plätzen. Die Stadt habe aber nur dann eine Handhabe, wenn von den Containern eine Gefährdung ausgehe, zum Beispiel, wenn Flaschen auf die Straße fallen. "Dann könnte man die Sondernutzungsgenehmigung entziehen. Dann müsste aber auch ein Ausweichstandort gefunden werden."

Das Glasrecycling sei hoch entwickelt, sagt Balk: Aus dem Altglas werde neuer lebensmittelechter Rohstoff gewonnen "Es wäre schade, wenn die Bürger die Lust verlieren würden, sich daran zu beteiligen, nur, weil wir alle Ärger damit haben."