Ein Mann in Kletterausrüstung hängt den Karabinerhaken seiner Sicherungsleine an einem Drahtseil ein. Gleich wird er an dem schräg gespannten Seil abwärts gleiten. Keine ungewöhnliche Szene im Waldklettergarten bei Kloster Banz. Doch dieser Kletterer hat außer Helm und Gurtzeug noch etwas dabei. Kaum hat die Talfahrt am Seil begonnen, zückt er einen Bogen, zielt und trifft ein am Boden aufgestelltes Ziel. "Das war ein 3-D-Bogenturnier, das wir 2012 veranstaltet haben", erklärt Uwe Beier, zu dem Video, das im Laden seiner Firma in Seßlach auf dem Bildschirm zu sehen ist. In Beiers Unternehmen wird alles, was Bogensportler brauchen, hergestellt oder vertrieben. Seit einem Jahr sitzt die Firma in Seßlach.

Landrat Michael Busch besuchte zusammen mit dem Wirtschaftsförderer des Landkreises Martin Schmitz jetzt Beier am neuen Standort. Diese Besuche sollen dem Landrat helfen, Kontakt mit der heimischen Wirtschaft zu halten. Er will wissen, was der Landkreis an Unternehmen zu bieten hat, welche Ideen und Möglichkeiten es hier gibt, und welche Probleme die aktiv Wirtschaftenden sehen. Nicht selten kommt Michael Busch dabei ins Staunen - wie bei Bogensport Beier in Seßlach.

Bogenschießen, berichtet Uwe Beier, war eigentlich immer sein Hobby. Erst in den 90er Jahren kam der Maschinenbauer auf die Idee, aus dem Freizeitspaß eine berufliche Zukunft als Unternehmer aufzubauen. Den Anfang machte er gemeinsam mit einem Partner. Inzwischen haben beide ihr eigenes Unternehmen. "Es ist schon bemerkenswert, dass wir hier im Coburger Land gleich zwei Bogensportausrüster haben, die nebeneinander existieren können", stellt Michael Busch fest.

Neun Mitarbeiter

Mit neun Beschäftigten in Seßlach und weiteren sechs, die in einem Betrieb in Polen für die Seßlacher zuarbeiten, entstehen Bogen vom kleinen Anfängermodell für Kinder bis zu Sport- und Jagdbogen mit enormer Reichweite. "Angefangen hat es mit Pfeilspitzen", erzählt Beier. Bis Ende der 90er kam noch fast alles, was für den Bogensport gebraucht wurde, aus den USA. "Wir dachten, das können wir doch selbst", sagt Beier und meint die Herstellung von Spitzen.

Wer heute den Laden in der Seßlacher Bahnhofsstraße betritt, findet in den Selbstbedienungsregalen eine Vielzahl verschiedener Spitzen, Schäfte, Sehnen und Federn. "Viele machen ihre Pfeile selbst", erklärt Uwe Beier. Natürlich gibt es sie aber auch fertig in allen möglichen Varianten und Materialien.

Lederartikel vom Köcher bis zum Handschutz, Zielscheiben und Tiermodelle stapeln sich in den Regalen. Es dauert nicht lang, bis die Lust auf Bogensport geweckt wird - auch bei Landrat Busch. "Ich glaube ich werde demnächst mal hier einkaufen", sagt er entschlossen und spannt einen leichten Bogen aus Ratanholz. "Der wiegt fast nichts", ist der Landrat begeistert. "Der hat aber auch nur 20 Pfund", sagt Beier und meint die Kraft, die nötig ist, um den Pfeil ganz auszuziehen. Er gibt Busch einen Bogen mit 45 Pfund. "Oh, das ist schon etwas anderes..."

Beratung für Anfänger

Wer den Laden mit einer kompletten, qualitativ vernünftigen Ausrüstung verlassen will, kommt als Anfänger mit deutlich weniger als 500 Euro davon. Er wird von den Spezialisten im Haus entsprechend seiner Möglichkeiten und Anforderungen an das Sportgerät beraten. Für Bogensportler mit hohen Ansprüchen kann allein der Bogen auch weit über 1000 Euro kosten.

Weil So ein Pfeil durchaus Gefahr in sich birgt, wenn er mal von der Sehne ist. Und weil nicht jeder so viel Platz hat, dass es keine Rolle spielt, wie weit sein Pfeil fliegt, bietet Beier auch Pfeilfangnetze an. "Das ist keine totale Versicherung", betont er. Doch geht ein Pfeil durch das aus speziellen Kunststofffasern gefertigte Netz durch, hat er seine gefährliche Wucht verloren.

Über Handelspartner und das Internet gehen Bogen und Zubehör aus Seßlach in viele Länder Europas und in die USA. In der Schreinerei im Keller läuft die Arbeit auf Hochtouren. "Das ist halt wirklich gute alte Schreinerarbeit", ist der Landrat begeistert.

Und Wirtschaftsförderer Martin Schmitz sieht eine hohe Befriedigung für die Mitarbeiter, die so ein ungewöhnliches und durchaus aufwendiges Produkt mit eigenen Händen herstellen. "Es jedes ein Einzelstück und schon ein kleines Kunstwerk", ist der Landrat begeistert.