Droben auf den Langen Bergen haben sich die Zeiten geändert. "Nie im Leben", erzählt zum Beispiel Josef Duffek, hätte er vor 20 Jahren gedacht, dass einmal Körnermais auf seinen Feldern wachsen würde. Zu kühl war es für den Mais, der aufgrund seiner tropischen Herkunft eher Wärme und Feuchtigkeit liebt. Heute ist das anders. "Wir haben hier auf einigen Feldern Mais stehen", ergänzt Heinz Bräutigam, auch ein Mirsdorfer.

Ist das der Klimawandel? Schulterzucken beim diesjährigen Erntegespräch des Kreisverbandes Coburg im Bayerischen Bauernverband (BBV). Kreisobmann Martin Flohrschütz kann auf jeden Fall bestätigen, dass die Erträge auf den Langen Bergen in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Anton Weig, Pflanzenfachmann beim Coburger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, hat Zahlen dabei, die die Klimawandel-Theorie durchaus stützen: "Im Juni hatten wir in Birkenmoor eine Durchschnittstemperatur von 18,3 Grad." Das langjährige Mittel (von 1961 bis 1990 gemessen) liegt fast drei Grad niedriger.

Die Landwirte auf den Langen Bergen sind über den Mais als neue Alternative bei der Bewirtschaftung nicht traurig. Gerade Körnermais ist gut, weil bei seiner Ernte große Teile der Pflanze auf dem Feld zurückbleiben und dort zum Aufbau von Humus dienen. "Gerade auf trockenen Flächen wir hier oder den sandigen Böden rund um Neustadt tut so etwas dem Boden gut", erklärt Hans Rebelein, der Geschäftsführer des BBV in Coburg. Damit könne man der Erosion vorbeugen. Ein wichtiger Faktor für gute Erträge.


Wenn, dann regnet es richtig

In Zeiten, in denen Niederschläge in der Gesamtheit zwar weniger, im Falle des (Regen-)Falles aber immer heftiger werden, gehört es zur großen Kunst der Landwirte, dass ihre Böden Niederschläge schnell und gut aufnehmen können. "Das ist nicht einfach", weiß Anton Weig, der den Bauern im Coburger Land aber bescheinigt, "dass sie sich da wirklich große Mühe geben". Zwei Punkte sind da ganz wichtig: Schauen, dass der Boden immer gut bedeckt ist (bei Bedarf mit Zwischenfrüchten) und zudem nicht zu stark verdichtet wird. Da springt Martin Flohrschütz sofort darauf an und nutzt die Gelegenheit, um mit einem Vorurteil bei landwirtschaftlichen Laien aufzuräumen: "Deshalb haben unsere Fahrzeuge ja die breiten Reifen: Damit der Druck großflächiger verteilt wird. Auch wenn das für Außenstehende manchmal angsterregend ausschaut."

Gerne würden Heinz und Michael Bräutigam auch Stroh ausbringen, um Humus auf den Feldern aufzubauen. Doch das geht seit heuer nicht mehr: Die seit 1. Juni geltende Düngeverordnung verbietet mehr oder weniger komplett die Ausbringung von Gülle. Die (beziehungsweise deren Stickstoff) braucht es aber, damit Stroh im Boden zu Humus umgewandelt werden kann. Martin Flohrschütz kann diese "weltfremde" Regelung nicht verstehen, Kreisbäuerin Heidi Bauersachs spricht von einer "rein ideologisch bedingten" Vorgabe, während Anton Weig mit den Schultern zuckt. "Wir haben diese Regelung nun mal", sagt der Vertreter des Landwirtschaftsamtes dann - worauf Hans Rebelein gleich kontert: "Ja, aber sie hat Fehler."

Solche Regelungen oder das Pflanzenschutzverbot für Eiweißpflanzen (Soja, Erbsen) auf Greeningflächen regen die Coburger Bauern auf. So ganz unglücklich sind sie grundsätzlich mit dem Erntejahr aber nicht. "Es hat immer zum richtigen Zeitpunkt geregnet", sagt Hans Rebelein, wobei er immer noch ein bisschen ungläubig den Kopf schüttelt. Die Wintergerste, die derzeit im Coburger Land an erster Stelle der Ernte steht (zum Schluss, bis in den Oktober, kommt dann der Mais), steht jedenfalls gut da. "Dabei musste man da im Frühjahr wirklich Sorge haben", erinnert sich Heidi Bauersachs am die langanhaltende Trockenheit.


Vielleicht sogar der vierte Schnitt

Auch beim Gras als Basisfutter für die Milchkühe herrscht Zufriedenheit. Naja, mehr als die, wenn man sich Heinz Bräutigam so anschaut. Drei Gras-Schnitte bis jetzt, mit ein bisschen Glück vielleicht sogar vier - "das kenne ich aus meiner Jugend nicht", sagt der Landwirt. An der Chemie liegt das aber keinesfalls, erläutert Juniorchef Martin. Die Wiesen der Bräutigams sind nämlich seit Mitte der 90er Jahre frei von Mineraldünger. Und selbst der hätte nicht geholfen, hätte es nicht Ende Juni/Anfang Juli genügend geregnet, schließt Martin Flohrschütz: "Wenn es nicht regnet, dann kann man auch mit Chemie nix machen."