Es herrschte beinahe heimelige Atmosphäre in der Heilig-Kreuz-Kirche, die nach Schließung der Morizkirche ihre oratorische Feuertaufe mit großem Chor und Orchester zu bestehen hatte. Die Zuhörerplätze waren fast voll besetzt und Chorsänger wie Instrumentalisten passten mit Mühe und Not in den Chorraum. Als kleiner Nachteil erwies sich die durch die vielen Besucher verursachte trockene Akustik des Kirchenraums.

Da das Hauptwerk des Abends, Mozarts "Requiem" d-Moll KV 626, nur eine dreiviertel Stunde dauert, musste man noch etliche andere Werke ins Programm nehmen. Anspruchsvolle Aufgaben für den Coburger Bachchor waren dabei die doppelchörigen Motetten "Mein Gott, warum hast du mich verlassen" von Felix Mendelssohn-Bartholdy und "As one who has slept" von John Taverner sowie die vierstimmige Motette "Da pacem Domine" von Arvo Pärt.

Nun weiß nicht nur der Fachmann, dass ein Oratorienchor mit über hundert Sängerinnen und Sängern kein A-cappella-Chor und dadurch weniger beweglich ist. So geriet manches etwas grob und einiges nicht durchwegs homogen in den Ansätzen. Vorteile der großen Besetzung waren natürlich die mächtigen Steigerungsmöglichkeiten, von denen unter der souverän gestaltenden Leitung von Peter Stenglein auch wirkungsvoll Gebrauch gemacht wurde.

Ein stimmungsvolles instrumentales Zwischenspiel bildete die vierteilige Trauermusik für Streichorchester mit Solobratsche von Paul Hindemith, welche Zhou Lu mit großem, expressivem, sich stets gegenüber dem Orchester behauptendem Ton darbot, aufmerksam und klangvoll von den Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters des Landestheaters unter Peter Stenglein begleitet. Besonders eindrucksvoll der abschließende Choral "Für deinen Thron tret' ich hiermit", der vom Soloinstrument ausdrucksvoll umspielt wird.

In seinem eigentlichen Element war der Bachchor dann im Mozart-Requiem, das sich eindrucksvoll ohne Pause an das "Da pacem Domine" von Pärt anschloss. Mächtig gleich zu Beginn der Introitus und die exakt bewältigte bewegte Kyrie-Doppelfuge. Immer wieder beeindruckte der Chor durch ausdrucksvolle Gestaltung wie im "Lacrimosa" oder durch prächtige Klangentfaltung wie im "Sanctus".

Ein Wiederhören gab es mit dem silbrigen Sopran von Ulrike Heyse (ehemals Landestheater) und drei weiteren Künstlern des Ensembles: Gabriela Künzler (Alt), Jan Korab (Tenor) und Michael Lion (Bass), der kurzfristig für den erkrankten Falko Hönisch eingesprungen war. Ihre durchwegs ansprechenden Stimmen verbanden sich auch im Quartett zu homogenem Gesang.

Aufmerksam und klangschön musizierten die Mitglieder des Philharmonischen Orchesters unter der anfeuernden, differenziert gestaltenden Leitung von Peter Stenglein. Alle Ausführenden konnten am Ende, nach minutenlanger Stille der Ergriffenheit, reichen Applaus ernten.